Information zur Waldgeschichte

Ehemaliges Jagdschloss in Katzenbach

Das Forstamt Biedenkopf berät und betreut Waldbesitzer mit einer Fläche von fast 21.000 ha Wald im Landkreis Marburg- Biedenkopf. In 12 Revieren werden über 8.000 Waldbesitzer betreut.

 

Besitzartenverteilung:

 
Körperschaftswald 9565 ha
Privatwald (gesamt) 8154 ha
Privatwald > 50 ha
1040 ha
Kleinprivatwald
6425 ha
Gemeinschaftswald
564 ha
Kirchenwald
125 ha
Staatswald 3277 ha

Natürliche Grundlagen:

 
Höhenlage 270-670 m
Jahresniederschlag 615-1000 mm
Jahresmitteltemperatur 6,0 - 8,5°C

 

In Schriftstücken vergangener Jahrhunderte wird immer wieder auf den Waldreichtum der Region und mit besonderem Stolz auf den großen Waldbesitz der Stadt hingewiesen. Seit über 700 Jahren ist Biedenkopf mit der Geschichte Hessens und dem Geschick der Landgrafen verbunden. Im Jahr 1520 überließen die Stadt und einige Dörfer Landgraf Philipp dem Großmütigen ein Drittel des Waldes für die Oberaufsicht und den besseren Schutz der übrigen zwei Drittel.

 

Aus diesem gemeinsamen Nutzungsrecht entwickelten sich sehr bald ärgernisse und Streitigkeiten. Die alten Rechte der Bürger waren eingeschränkt. Fürstliche Forstbeamte überwachten die Einhaltung neuer Waldordnungen. Gleichzeitig wird im Jahr 1776 berichtet, dass durch die Köhlerei für fürstliche Eisenhütten „... die auf viele tausend Morgen sich erstreckenden Waldungen der Stadt Biedenkopf äußerst devastriert und alle nur zu erdenkende Unordnung darin zu finden sei ...“.

Die Landbevölkerung litt zusätzlich unter der Jagdleidenschaft der Landgrafen, die in Katzenbach ein barockes Jagdschloss unterhielten. Hier wohnte bis zum Abbruch im Jahr 1774 jeweils auch der fürstliche Oberförster, dessen Dienststelle dann nach Biedenkopf verlegt wurde.

Die Forstbeamten des Forstamtes Biedenkopf beim Grenzgang 2005 (Foto: D. Anders)
Die Forstbeamten des Forstamtes
Biedenkopf beim Grenzgang 2005 
(Foto: D. Anders)
Unter den benachbarten Gemeinden kam es über den Verlauf der gemeinsamen Grenzen ständig zu Streitigkeiten. Um diesen immer wiederkehrenden „Grenzirrungen“ zu begegnen, wurden schließlich die Versteinung und regelmäßige, amtliche Grenzbegehungen angeordnet. Noch heute wird den in den Jahren 1777 und 1780 gesetzten Grenzsteinen folgend, alle sieben Jahre die Grenze Biedenkopfs von der Bevölkerung abgegangen. Angeführt von den Forstbeamten zieht sich dann ein kilometerlanger Menschenzug drei Tage lang, über Stock und Stein, durch die Wälder um Biedenkopf.

Die Biedenköpfer Waldungen waren bis 1832 gemeinschaftliches Eigentum des Großherzoglich – Hessischen Forstfiskus und der Stadt Biedenkopf. Die Streitigkeiten mit der landgräflichen Regierung in Darmstadt fanden erst nach der Waldteilung am 11.08.1832 ein Ende, wobei 1/3 des gemeinschaftlichen Eigentums in Staatswald und 2/3 der ursprünglichen Fläche in Stadtwald Biedenkopf aufgeteilt wurde.

Auch in Buchenau findet alle sieben Jahre ein Grenzgangsfest statt. Dabei kann Buchenau auf eine lange Tradition zurückblicken: Eine Grenzbegehung wurde erstmals schriftlich im Jahre 1665 erwähnt. Darüber hinaus lief zwischen Buchenau und dem gegenüberliegenden Warzenbach für über 200 Jahre die Grenze zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel.

Der große Sohn Gladenbachs


Das hessische Hinterland hat noch viel mehr zu bieten als Landschaft, Geschichte und Kultur: Georg Ludwig Hartig – Wegbereiter der Nachhaltigkeit in der deutschen Forstwirtschaft – ist der wohl der bedeutendste Sohn Gladenbachs. Hartig wurde hier am 2.September 1764 geboren. Er stammt aus einer Försterfamilie, schon Vater und Großvater wirkten in den Wäldern um Gladenbach.

Hartig zählt zu den forstlichen Klassikern. Er prägte das Nachhaltigkeitsprinzip, welches besagt, dass nie mehr genutzt werden darf, als nachwächst.
Durch sein Wirken trug er dazu bei, in Deutschland eine geregelte Forstwirtschaft aufzubauen – nicht nur durch das Schreiben von viel beachteten forstlichen Lehrbüchern, sondern auch durch die Neustrukturierung der preußischen Forstverwaltung. Schließlich errichtete er in Berlin einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft.

Wenn Sie mehr über den großen Sohn Gladenbachs erfahren wollen, können Sie die Seite der externer LinkGeorg Ludwig Hartig Stiftung besuchen, einer Initiative der hessischen Landesforstverwaltung zur Förderung der Nachhaltigkeit.

Holztransport im Forstamt Biedenkopf

Im Januar 2007 richtete der Sturm Kyrill auch im Forstamt Biedenkopf großen Schaden an. Insgesamt wurden durch den Sturm und seine Folgeschäden in 2007 und 2008 ca. 646.500 Fm Schadholz verursacht (siehe auch - Holzangebot FA Biedenkopf).

Im benachbarten Sauerland haben große holzverarbeitende Betriebe ihren Sitz. Da jedoch das Sauerland das Hauptschadgebiet in Deutschland war, konnten diese Betriebe die regional anfallenden Mengen nicht vollständig aufnehmen. Daher mussten im Forstamt Biedenkopf andere Wege gefunden werden das aufgearbeitete Holz zu vermarkten.

Dank unbürokratischer Kooperation  der Stadt Biedenkopf, des Landkreises Marburg- Biedenkopf, Hessen-Forst, Forstamt Biedenkopf, dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen und der Kurhessenbahn konnte ein ungenutzter Verladebahnhof reaktiviert werden. Über diesen konnten in 2007 und 2008 255 Züge mit ca. 250.000 Fm Schadholz, vor allem nach Süddeutschland, abgefertigt werden. Dies führte zu  einer spürbaren Entlastung des regionalen Holzmarktes.

Nähere Informationen erhalten Sie hier : (PDF-Datei 620 kB)

 

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