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Forstamt Groß-Gerau

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Klima
Das Forstamt liegt in den planeren Bereichen der Oberrheinebene auf einer Höhe von 80 bis 110 m über NN. Nahezu 100% seiner Fläche wird von der Zentralen Eichenmischwaldzone eingenommen. Mit einer Vegetationszeit von 170 - 180 Tagen und einer Jahresmitteltemperatur von 9,5º C gehört diese Landschaft zu den wärmsten Regionen des Landes Hessen. Die jährlichen Niederschläge fallen mit durchschnittlich 633 mm nur gering aus. Die aus den klimatischen Parametern errechnete potenzielle Verdunstung von 734 mm übersteigt die jährlich fallenden Niederschläge deutlich. Auch der Feuchtigkeitsindex von 11,6 verdeutlicht diese besondere Charakteristik der klimatischen Gegebenheiten. Soweit die forstlichen Standorte keinen Grundwasseranschluss ermöglichen, unterliegen die Wälder im Sommer somit einem ausgeprägten Wasserstress. Weitergehende klimatische Informationen gehen aus den Informationen des Deutschen Wetterdienstes mit der für das Forstamt repräsentativen Station der externer LinkFlugwetterwarte Frankfurt hervor.

Die klimatischen Veränderungen haben im 20. Jahrhundert zu einem Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 0,8º C geführt. Die Prognosen für die kommenden 100 Jahre unterstellen eine noch stärkere Zunahme von bis zu 5º C. Fest steht, dass sich die Erwärmung an vielen Indikatoren beobachten lässt, wie z. B. dem Schmelzen der Gletscher, der zunehmenden Einwanderung mediterraner Insekten oder an den veränderten Reaktionen der Vegetation. So geht aus den Aufzeichnungen des Schweizer Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie hervor, dass die Knospen der Wärme liebenden Rosskastanie heute einen ganzen Monat früher aufbrechen als zu Beginn der phänologischen Aufzeichnungen im Jahre 1808
(Quelle: externer Linkwww.MeteoSchweiz.ch).

Sollte die zuvor genannte Prognose der Erwärmung zutreffen, so wird dies erhebliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung unserer Wälder haben. Das Forstamt versucht daher aus der Verantwortung für kommende Generationen heraus im Sinne einer breiten Risikostreuung durch Förderung eines noch größeren Artenreichtums und Mischungsgrades in den Wäldern soweit wie möglich Vorsorge zu treffen.

Geologie und Waldentwicklung
Das Gebiet des Forstamtes erstreckt sich auf den nördlichen Ausläufer des Oberrheingrabens, welcher eine 250 km lange und 30 - 50 km breite Tiefebene zwischen Basel und Mainz bildet. Die Absenkung des Grabens begann von Süden nach Norden fortschreitend vor 50 Mio. Jahren und hält auch heute noch mit 1mm/a an. Synchron hierzu wölbten sich die Randzonen, der Schwarz- und Odenwald im Osten sowie die Vogesen und der Pfälzer Wald im Westen. Auf diese Weise bildete sich ein Graben von 2.000 - 5.000 m Tiefe. Vor 30 Mio. Jahren entstand eine Verbindung zur heutigen Nordsee, wonach sich in den folgenden 20 Mio. Jahren mehr als 1.000 m mächtige marine Sedimente im Graben ablagerten. Zudem füllte sich der Graben zunehmend mit Abtragungsprodukten der randlichen Gebirge, bis der Einfluss des Meeres vor 10 Mio. Jahren endgültig verloren ging.

Zunächst verblieben zahlreiche, mehr oder weniger große Brackwasserseen. Vor 5 Mio. Jahren wies der Graben nur noch Süßwasserablagerungen auf, einerseits von den jetzigen Süßwasserseen und andererseits von den aus Süden, Osten und Westen zuströmenden Flüssen. Während dieser Zeit gestaltete sich das heutige Gewässernetz aus und der Höhenunterschied zwischen der Grabensohle und den randlichen Gebirgszügen glich sich auf maximal 1.000 m aus.

Den nördlichen Bereich des Forstamtes durchfloss der Main als mächtiger Strom. Vor etwa 1 Mio. Jahren mündete er abweichend zu den heutigen Gegebenheiten durch die Neu-Isenburger-Pforte in den Rhein. Später verlagerte er sein Delta infolge weiterer Absenkungsbewegungen des Oberrheingrabens bis nach Groß-Gerau, wonach er schließlich bei Mainz seine heutige Einmündung in den Rhein fand. Die Änderung des Mündungsbereiches war mit einem häufigen Wechsel des Flussbettes verbunden. Im Laufe der Zeit lagerte er in seinem Einflussbereich 20 - 50 m mächtige Sedimente aus Sand und Kies mit tonig-schluffigen Zwischenlagen ab. Auf diese Weise entstanden sieben Terrassen, wobei die beiden jüngsten auf die engere Mainaue begrenzt sind und die drittgrößte anschließend weitestgehend wieder erodiert wurde. Im nördlichen Teil des Forstamtes sind die vier ältesten Terrassen des Mains als so genannte "Kelsterbacher Terrasse" erhalten.

Im südlichen und westlichen Bereich des Forstamtes prägten Neckar und Rhein das hydrologische Geschehen. Sie wechselten gleichfalls sehr häufig ihr Flussbett und lagerten in ihren Überschwemmungsgebieten mächtige Sedimentdecken ab. Auf Grund der primär kalkhaltigen Neckar- und Rheinsedimente unterscheiden sich die hieraus entwickelten Böden in ihrem Nährstoffgehalt deutlich von denen der carbonatfreien Ablagerungen des Mains. Noch heute sind die ehemaligen Flussläufe im Gelände und auf derkleines Dreieck bodenkundlichen Übersichtskarte gut erkennbar. Als örtliche Besonderheit treten in ihrem Einflussbereich an der Obergrenze des damaligen Grundwasserschwankungsbereiches Rheinweiß- und Seekreidevorkommen auf.

Seit Beginn der letzten und stärksten Eiszeit vor ca. 50 Tsd. Jahren blies der Wind aus den damals noch vegetationsfreien Schotterterrassen die leichteren Sandfraktionen heraus. Die feinkörnigeren Anteile verfrachtete er als Löss bis zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10 Tsd. Jahren in Regionen außerhalb der Untermainebene, wie z. B. in die Wetterau. Die schwereren Sandfraktionen lagerte er als so genannten "Flugsand" vor Ort auf den Terrassen ab. Auf diese Weise entstanden flächige "Flugsanddecken" oder Dünen mit einer Höhe von bis zu 8 m. So verlaufen im nördlichen Forstamtsbereich breite Dünengürtel z. B. zwischen Kelsterbach und Königstädten oder zwischen Mörfelden und Nauheim.

Neben dem Wind verfrachteten auch lokale Bäche im Quartär feinkörnige Sedimente in den hiesigen Bereich, so dass eine Wechsellagerung zwischen "äolichen" und "fluviatilen" Sedimenten als "basale Wechselfolge" eintrat. Die auf die Überflutungsereignisse der Bäche zurückzuführenden "Hochflutsedimente" sind im Norden des Forstamtes bis zu 60 cm mächtig. 9 Tsd. Jahre vor unserer Zeitrechnung wehte zudem aus der Eifel vulkanische Asche, so genannter "Laacher-Bimstuff", in das Gebiet. Im Laufe der nächsten Tsd. Jahre durchmischten sich die obersten Ablagerungen. Hieraus entstand ein Decksediment, welches das maßgebliche Ausgangssubstrat unserer heutigen Böden bildet.

Die Rohböden der damaligen Zeit wurden zunächst von baumlosen Tundren besiedelt. Mit zunehmender Erwärmung des Klimas folgten vor 7 Tsd. Jahren die ersten Kiefern-Birkenwälder. Fortan hat sich das Vegetationsbild mehrfach in wärmeren und kälteren Zeitphasen verändert.

In den letzten 2 Tsd. Jahren übte vor allem der Mensch mit zunehmender Ausprägung Einfluss auf die Vegetation. Sein enorm großer Holzverbrauch führte dazu, dass die Wälder im 19. Jahrhundert stark verlichtet und heruntergewirtschaftet waren. In dieser Zeit der "Holznot" wurde eine Kehrtwende mit umfangreichen Aufforstungsbestrebungen eingeleitet. Diese bilden die Grundlage für die Entstehung unserer heutigen Wälder sowie einer geregelten und nachhaltig ausgerichteten Forstwirtschaft. Der Wald von heute ist somit in aller Regel nicht auf natürliche Weise sondern durch die prägende Hand des Menschen und den dem jeweiligen Zeitgeist der Gesellschaft unterliegenden Zielvorstellungen entstanden. Es ist bemerkenswert, dass diese intensive Einflussnahme ausgesprochen vielfältige Waldökosysteme mit sehr hohem naturschutzfachlichem Wert hervorgebracht hat. Die gestalterische und vom Nutzungsansatz geprägte Tätigkeit des Menschen hat den im Forstamtsbereich gelegenen Wäldern somit keinesfalls geschadet sondern seine heute festgestellte sehr hohe Schutzwürdigkeit maßgeblich hervorgerufen.


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