Artpatenschaften
Viele Tierarten, die an Waldlebensräume angepasst sind, und vor einigen Jahrzehnten aus Hessens Wäldern verschwunden waren, gelang es in
jüngerer, sich hier wieder anzusiedeln. Im Forstamtsbereich Vöhl sind dies zum Beispiel der Schwarzstorch, der Kolkrabe, die Dohle, Raufußkauz,
Wespenbussard, Mittelspecht, Wildkatze und Luchs. Diese Arten sind nicht etwa in Reservate oder Wildnisgebiete zurückgekehrt, sondern in Wälder,
die von Försterhand gepflegt werden und gleichzeitig auch der Holzerzeugung oder auch der Erholung dienen.
Trotz der beachtlichen Erfolge beim Schutz von Tieren und Pflanzen gibt es doch Spezialisten unter ihnen, denen mit einer pfleglichen Waldbehandlung
allein nicht geholfen werden kann.
Als Glanzlichter der Ederseeregion gelten zum Beispiel die Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus VILL.) und die Gelbbauchunke (Bombina variegata L.).
Für diese beiden seltenen und äußerst sensible Arten haben wir eine besondere Verantwortung übernommen.
Abb.: Pfingstnelke
Beide Arten sind hoch spezialisiert und sehr konkurrenzschwach, sie können sich nur schwer gegenüber Konkurrenten behaupten, wenn ihre
Lebensbedingungen nicht wirklich optimal sind.
Die Pfingstnelke findet sich fast ausschließlich an gut besonnten, trockenen Felsen. Sie erschließt sich magere Felsböden genauso wie kleine
Spalten und Risse im Gestein. Sie blüht von Ende Mai bis Ende Juni. Ihre auffälligen „pink“farbenen Blüten werden von Insekten bestäubt.
Sie ist wintergrün und weist deutliche Anpassungen an xerotherme Bedingungen auf (Wachsbelag auf kleinen Blättern, Polsterwuchs).
Krautige, stauden- oder strauchartige Konkurrenz kann durch die Beschattung ihrer Standorte die Wuchsbedingungen für diese Nelkenart, die an nur drei
Stellen in Hessen vorkommt, gravierend verschlechtern. Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht, die Nelkenstandorte durch behutsame Entnahme von Gehölzen
langfristig zu sichern.
Abb.: Gelbbauchunke (Foto: S. Sczepanski)
Die Gelbbauchunke ist ein Pionier bei der Besiedelung von neu entstandenen Gewässern, die keine oder nur geringe Vegetation, Fischfreiheit und starke
Besonnung aufweisen. Damit ist ihr Vorkommen auf Sonderstandorte wie Steinbrüche, Sandgruben oder verdichtete Bodenvertiefungen begrenzt. Durch Anlage
neuer Gewässer, oder Entbuschung und Entkrautung (Gewässerboden) älterer Teiche und Tümpel wollen wir die Reste der Gelbbauchunkenpopulation
im Forstamtsbereich stabilisieren.
Waschbär
Abb.: Waschbären (Foto: A. Barth)
In der wildbiologischen Literatur wird das Forstamt Vöhl häufig genannt, wenn es um Eroberung unserer Wälder durch die Waschbären geht.
Tatsächlich wurden hier am 12. April 1934 zwei Waschbär- Paare ausgesetzt. Diese haben vermutlich zusammen mit weiteren entkommenen Gehegetieren
Pelztierzuchtfarmen den Grundstein für eine Entwicklung gelegt, heutzutage mit einer hessischen Jahresstrecke von 16.000 Tieren ihr (vorläufiges?)
Ende gefunden hat. Die in den Akten des Forstamtes dokumentierte Aussetzung mag eins von verschiedenen Ereignissen sein, die den Grundstein für den heutigen
Waschbärbestand legten. Niemand zweifelt heute daran, dass die Waschbären zum festen Bestandteil unserer heimischen Fauna geworden sind.
Weitere Infos zum Thema Waschbär:
Possierlicher
Ganove oder Problembär? (PDF-Datei, 760 kB)
Waschbär
- kleiner Feldversuch mit großer Wirkung (PDF-Datei,
600 kB)
Naturschutzprojekt
Der Staatswald Vöhl ist mit ca. 500 ha Waldfläche in den Steilhangwäldern am Edersee am Naturschutzgroßprojekt „Kellerwald –
Region“ beteiligt:
Naturräumliche Situation
Die Steilhangwälder nördlich des Edersees gehören zum unterkarbonischen Nordrand des Kellerwaldrumpfes. Lediglich im Übergangsbereich zur
nordwesthessisches Triaslandschaft findet sich ein relativ schmales Zechsteinband mit Dolomiten und Kalkgestein. Die Orografie ist geprägt durch eine hohe
Reliefenergie:
Höhendifferenzen von über 200 Metern können bei 150 bis 200 Metern Horizontaldistanz erreicht werden, da der Ederfluss und seine
Nebenbäche sich tief in das Tonschiefer- und Grauwackegestein eingegraben haben und so eine kleinräumig wechselnde Geländemorphologie geschaffen
haben, die von Plateaus, über Rücken- und Rippen, Mulden, Gräben und Hängen unterschiedlichster Neigung das gesamte Spektrum möglicher
Geländeausformungen beinhaltet.
In einem subatlantisch- subkontinental getönten Übergangsklima werden Jahresdurchschnittsniederschläge von 550 bis 600 mm bei einer mittleren
Jahrestemperatur von 8,5° C erreicht. Ein unterschiedlich hoher Basengehalt des silikatischen Ausgangssubstrates trägt zu einer zusätzlichen
standörtlichen Differenzierung bei.
Komplex unterschiedlichster Waldgesellschaften
Die kleinräumige Heterogenität der Standorte bedingt den Abwechslungsreichtum der Waldvegetation mit einem gewissen Schwerpunkt bei den extrazonalen
Pflanzengesellschaften. Die nachfolgende Auflistung der Waldgesellschaften mag einen Eindruck vom Waldgesellschaftsmosaik der Ederseehänge geben:
Waldgesellschaften der Edersee-Steilhänge
| Luzulo Fagetum |
Hainsimsen-Buchenwald |
| Galio odorati Fagetum |
Waldmeister-Buchenwald |
| Hordelymo Fagetum |
Waldgersten-Buchenwald (Zechstein) |
| Carici-Fagetum |
Seggen-Buchenwald (Zechstein) |
| Seslerio-Fagetum |
Blaugras-Buchenwald (Zechsteinfelsen) |
| Tilio Acerion |
Edellaubholz-reiche Schlucht- und Hangwälder |
| Galio sylvatici Carpinetum |
Waldlabkraut-Hainbuchenwald |
| Stellario Carpinetum |
Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald |
| Stellario nemori Alnetum |
Hainsternmieren-Bacherlenwald |
| Carici remotae Fraxinetum |
Bacheschenwald |
| Luzulo Quercetum petraeae |
Hainsimsen-Traubeneichenwald |
| Genisto Quercetum (anthericetosum) |
Färberginster-Traubeneichenwald |
Abgerundet wird das Vegetationsensemble der Steilhänge durch Felsspalten- und Felsrasengesellschaften, sowie beeindruckende Grauwacken- Blockhalden, die
herrliche Ausblicke auf den Edersee gewähren.
Abb. FFH-Gebiet „Steilhänge nördlich des Edersees” (Quelle: Regierungspräsidium Kassel)
Aufgrund der für das Waldwachstum eher ungünstigen bis widrigen Standort- Klima- Konstellationen herrschen mattwüchsige Bestände vor.
Die mit einem wirtschaftlichen Alter von 213 Jahren in der mittelfristigen Forstbetriebsplanung beschriebenen Traubeneichen im Bereich der Steilhänge
der Kahlen Hardt erreichen kaum eine Höhe von 5 Metern. Ähnliches gilt auch für die Buche, die allenfalls an flacher geneigten Hängen
normales und in Muldenlagen gutes Wachstum zeigt: insgesamt keine Verhältnisse, bei denen man „Urwald-Riesen” erwarten kann.
Lebensraumtypen im FFH-Gebiet „Steilhänge nördlich des Edersees”
| 5130 |
Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen |
| 6110 * |
lückige, basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi) |
| 6210 * |
naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) |
| 8150 |
kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropas |
| 8210 |
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation |
| 8220 |
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation |
| 8230 |
Silikatfelsen mit Pioniervegetation des Sedo-Scleranthion oder des Sedo albi-Veronicion dillenii |
| 9110 |
Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) |
| 9130 |
Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) |
| 9150 |
Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion) |
| 9160 |
Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Hainbuchenwald (Carpinion betuli) [Stellario-Carpinetum] |
| 9170 |
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) |
| 9180 * |
Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) |
* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen
Aus überregionaler Sicht stehen im Bereich der Totholz besiedelnden Käfer die in jüngster Zeit so bezeichneten Urwaldreliktarten im Fokus.
Diese Arten deuten auf eine lange und durchgängige Habitat- und Strukturtradition ohne damit etwa die Existenz eines „Naturwaldes mit natürlichem
Bestandesaufbau ohne jeden anthropogenen Einfluss in Vergangenheit und Gegenwart” zu belegen, finden sie sich doch zum Teil auch in alten Parkbaum-
oder Alleebeständen, bzw. in Hute- oder Mittelwaldresten.
Zielstellung: Oligo-Hemerobie
Die Gebietsüberwachung und Aufgaben des Schutzgebietsmanagements, wie Besucherlenkung und –information, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen
und die Verkehrssicherung nimmt das Forstamt im Auftrag und nach enger Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel
wahr. Dies gilt sowohl für die seit jeher betreuten Naturschutzgebiete, die nunmehr in der FFH- Gebietskulisse aufgegangen sind, wie auch für die
FFH-Gebiete selbst. Vor allem aber werden auch jenseits der Schutzgebiete in beträchtlichem Umfang „Renaturierungen” betrieben, d. h.
Wälder werden durch waldbauliche Steuerung in ihrer Baum- und Strauchartenzusammensetzung den natürlichen Waldgesellschaften näher gebracht
(Oligo-Hemerobie). Hierzu konnten nicht nur aus unterschiedlichen Quellen Fördermittel akquiriert werden, sondern der Landesbetrieb HESSEN-FORST
demonstriert hier besonders auch durch eigenen Personal- und Mitteleinsatz die übernommene Verantwortung für die biologische Vielfalt. Die Erhaltung
und angemessene Steigerung der biologischen Vielfalt ist ein gleichrangiges unter sechs Kriterien für eine nachhaltige Waldwirtschaft auf die sich die
Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa im Jahr 1993 in Helsinki verständigt hat. Die Bewahrung der Biodiversität ist längst zum
immanenten Bestandteil des Zielsystems für den Landesbetrieb Hessen-Forst geworden. Nach ihr wird nicht nur bei externen Audits im Rahmen der Forstzertifizierung
geschaut, sondern sie genießt nach den Richtlinien für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswaldes sogar Vorrang im Falle der Kollision mit anders
gelagerten Zielsetzungen. Damit kommt der Landesbetrieb auch der in der Betriebssatzung verankerten besonderen Gemeinwohlverpflichtung nach.
Biotop verbessernde Maßnahmen an den Ederseesteilhängen
| Ziel |
Maßnahme |
| Wiederherstellung von Tilio- Acerion- Wäldern in den Hangschluchten zum Edertal |
Auszug von Koniferen (Europäische Lärche), Stabilisierung des Bestands an Bergulmen (Ulmus glabra HUDS.) durch Anpflanzung von Material,
das aus Beerntung autochthoner Altbäume gewonnen wurde |
| Sanierung offener Felsflurgesellschaften (Diantho- Festucetum pallentis) |
Auszug beschattender Altfichten, Zurückdrängen von Douglasien-Anflug |
| Pflege von Hainsimsen- Buchenwäldern, Eichen- Hainbuchenwäldern und Eichenwaldgesellschaften (Luzulo- und Genisto tinctoriae-Quercetum) |
Auszug, bzw. Ringeln von Kiefern (Pinus sylvestris L. und P. nigra ARNOLD), Freistellung seltener Baum- und Straucharten, wie Elsbeere (Sorbus
torminals CRANTZ), Mehlbeere (Sorbus aria (L.) CRANTZ), Cotoneaster integerrimus MEDIK.), Kreuzdorn (Rhamnus catharticus L.) u.a. |
| Stabilisierung von Fragmenten des Eschen- Bachrinnenwaldes (Carici remotae-Fraxinetum) und des Hainsternmieren- Erlenwaldes (Stellario- Alnetum) |
Beseitigung von Fichtenaufforstungen, Verbesserung des Lichtregimes durch Rücknahme von angrenzenden Bestandesrändern |
| Gewinnung von Vermehrungsgut seltener autochthoner Baumarten und Pflanzung Schutz von Waldorchideen in Kalk-Buchenwäldern (Hordelymo- Fagetum, Carici- Fagetum) |
Samenernte, bzw. Gewinnung von Pfropfreisern bei Bergulme, Elsbeere, Sorbus-Hybriden, Wildbirne |
| Schutz von Waldorchideen in Kalk-Buchenwäldern (Hordelymo- Fagetum, Carici- Fagetum) |
Waldbauliche Steuerung des Lichtregimes |
| Anlage und Pflege von Waldrändern |
Zulassen von Sukzession, Anreicherung mit blühfreudigen heimischen Strauch- und Baumarten, waldbauliche Pflege von Raritäten |
| Erhaltung von Waldwiesen |
Mahd, stickstofffreie Düngung |
Systemstabilität für biologische Vielfalt
Ein stringentes „Implementierungssystem” stellt sicher, dass die Erhaltungsziele für die besonderen Lebensräume
sowie Tiere und Pflanzen erreicht werden: Dies beginnt mit der Forsteinrichtungsplanung (mittelfristige Betriebsplanung): sie übernimmt Basisinformationen
und den Planungsteil der Natura 2000-Maßnahmenpläne und definiert so den Rahmen für die jährliche Wirtschaftsplanung. Auf der operativen
Ebene gewährleisten standardisierte Arbeitsaufträge mit obligatorischen Angaben zu den relevanten Schutzgütern des Naturschutzes nicht nur,
dass sämtliche an den Arbeitsprozessen Beteiligte die Schutzziele im Blick behalten, sondern auch, dass diese ihrerseits Verantwortung übernehmen
und so ggf. vorhandene „Lücken im System” erkennen und schließen (neu entstandene oder übersehene Strukturen mit Habitatqualität).
Selbstverständlich erfolgt dazu eine lückenlose Dokumentation und eine Einbeziehung der lokalen und regionalen Stakeholder (Naturschutz, Kommunalpolitik, Tourismus)
Urwald oder Wunschbild-Projektion?
Immer wieder finden sich Feststellungen, nach denen die Steilhangwälder am Nordufer des Edersees rund 100 ha wirklichen Urwaldes
umfassen. Eine solche Hypothese ist allerdings nur dann zu verifizieren, wenn bekannt ist, auf welche Urwald- Definition sich der Autor bezieht. Legt man
die Definition von BRÜNIG und MAYER (1990) zugrunde, relativiert sich manches: Danach ist ein Urwald (primeval forest) ein „Naturwald mit
natürlichem Bestandesaufbau ohne jeden anthropogenen Einfluss in Vergangenheit und Gegenwart”. Auch bei etwas großzügigerer
Begriffsbestimmung bleiben Fragen offen. Die schwerwiegendste ist dabei, wie die Glanzlichter des Gebiets, nämlich der xerotherme Eichenwald der
Kahlen Hardt und des Buchen- Krummwuchsbestandes der Mühlecke in einer Entfernung von weniger als 3 Kilometern von der Bericher Eisenhütte
anthropogen unbeeinflusst bleiben konnten. Deren Bau muss unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg begonnen worden sein, als die Wälder
im Bereich der Erzgruben in Nordwaldeck abgenutzt waren, das erforderliche Energieholz im Kontaktbereich zu den Bergwerken nicht mehr zu Verfügung
stand und man daher die Verhüttung in eine waldreichere Gegend verlagerte. Wie energieintensiv die Eisenverhüttung war und immer noch ist,
beschreiben POTT und SPEIER für das benachbarte Siegerland und das Lahn-Dill- Bergland. Danach war für die Herstellung von einer Tonne Eisen
die 15 bis 17-fache Gewichtsmenge an Holz erforderlich.
Seltenheit und Einzigartigkeit
Das Vorkommen von an Wärme und Trockenheit angepassten Eichen- Hangwäldern ist selbstverständlich nicht auf das Gebiet
um die Edertalsperre beschränkt. An Mosel, Nahe und am Mittelrhein finden sich beeindruckende Eichenwälder mit Felsenahorn (Acer monspessulanum L.),
die mit Elsbeere, Mehlbeere, der Straußblütigen Wucherblume gemeinsame Ordnungskennarten der Quercetalia pubescenti- petraeae aufweisen. Hier wie
dort grenzen z.B. Schwalbenwurz und Zypressenwolfsmilch gegenüber den Buchenwäldern ab. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Nähe zu den
Eichen-Hainbuchenwäldern (Galio- Carpineten). Diese kommt durch Arten wie Vogelkirsche, Elsbeere oder Wildbirne zum Ausdruck. Im Hinblick auf die
Artenausstattung sind die Ahorn oder Buchsbaum geprägten Eichenwälder im Weinbauklima gegenüber den Luzulo- Querceten und Genisto-Quercetum
Nordhessens deutlich facettenreicher. Liegt die Besonderheit der Steilhangwälder am Edersee vielleicht überwiegend in dem Umstand, dass sie an
einen Nationalpark angrenzen? Oder dass man Nationalpark- Besuchern, die den dortigen Buchenwäldern noch über Jahrzehnte die „menschliche
Hand” ansehen werden, wenigstens etwas Wildnis- Anmutung bieten will?
Schutz gewährleistet
Lange bevor in der Region der amtliche und ehrenamtliche Naturschutz auf die Wertigkeit der Steilhangwälder am Edersee aufmerksam
wurde, hatte das Forstamt Vöhl bereits mit Biotop verbessernden Maßnahmen begonnen. Mit der Erschließung der Kernbereiche durch den
„Knorreichenstieg”, einem „Naturwald”- Wanderpfad jenseits ausgebauter Forstwege, wurden schließlich auch breitere Kreise
auf das Gebiet aufmerksam und der Tourismus begann, die Naturschönheiten in Marketingkonzepte einzubeziehen. Schutzgebietskonzepte wurden entweder
durch das Forstamt initiiert, oder wesentlich mit gestaltet. Die eingesetzten Eigenmittel und akquirierten Fremdmittel (Gebietsmanagement, Artenschutz,
naturschutzrechtliche Kompensation) belaufen sich mittlerweile auf einen siebenstelligen Betrag. Biotop- und Artenschutz sind hochrangige Ziele auch
jenseits der Schutzgebietskulisse. Sie werden im Rahmen eines durchgängigen „safety nets” (EU- Kommission) von der politischen über
die Management- bis hin zur operativen Ebene gewährleistet und sind daher exemplarisch für die Kampagne 2010 zur Bewahrung der biologischen Vielfalt,
der Hessen als erstes Bundesland beigetreten ist.