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Kassel, 05.05.2010

Eiszeit-Relikt in den Quellbächen des Nationalparks Kellerwald-Edersee entdeckt

Am 5. und 6. Mai 2010 veranstaltete HESSEN-FORST gemeinsam mit dem hessischen Umweltministerium in Bad Wildungen das "3. Hessische Naturwaldforum Buche". Waldökologen stellten aktuelle Forschungsergebnisse aus dem 2004 gegründeten Nationalpark Kellerwald-Edersee vor.

Die Quellbäche in den Buchenwäldern des Kellerwalds sind ein geheimnisvoller, bisher weitgehend unerforschter Lebensraum. Sie zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus. Insgesamt konnten in den rund 500 erfassten Quellen über 700 Arten festgestellt werden. Den Experten des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung gelangen dabei spektakuläre Tierartenfunde: Die nur zwei Millimeter große Dunkers Quellschnecke erreicht im Nationalpark ihre östliche Verbreitungsgrenze. Der in den ungestörten Buchenwaldquellen lebende Alpenstrudelwurm ist eine Leitart für absolut sauberes Wasser und wird als Eiszeitrelikt angesehen. Aus der Familie der Pilzmücken wurde neben zahlreichen Erstnachweisen für Hessen auch eine Art neu für Deutschland nachgewiesen.

Der Wald-Lebensraum spielt für viele seltene Tier- und Pflanzenarten eine zentrale Rolle. HESSEN-FORST trägt durch eine nachhaltige und multifunktionale Waldbewirtschaftung zur Sicherung der biologischen Vielfalt bei.

Hessen-Forst: Umfangreiche Naturschutzleitlinie ist in Vorbereitung
"Der vorliegende Entwurf der Naturschutzleitlinie von HESSEN-FORST für den Staatswald baut auf den guten Grundvoraussetzungen für die Biodiversität im hessischen Staatswald auf", führte Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von HESSEN-FORST aus. Ein modulares Schutzsystem sieht vor, durch ein Habitatbaumkonzept und die Ausweisung von Kernflächen des Naturschutzes einen erweiterten Beitrag zur Biodiversität zu leisten. "Dazu gehört auch, dass 40 hessische Forstämter Arten- und Habitatpatenschaften übernehmen", ergänzte Gerst. Beispielsweise habe das Forstamt Vöhl die Patenschaft für die Pfingstnelke und Geburtshelferkröte übernommen und sei damit besonders für diese beiden schützenwerten Arten verantwortlich.

Naturschutz in Hessen findet weltweit seine Entsprechung
Gerst verdeutlichte: "Nutzungsverzichte hier im Lande könnten aber auch zur Erhöhung des Nutzungsdrucks andernorts führen. Daher sieht sich HESSEN-FORST in der globalen Verantwortung, einen Gewinn an Biodiversität in Hessen nicht auf Kosten der Biodiversität in anderen Regionen der Erde zu erreichen." Grundprinzip der Naturschutzleitlinie sei deshalb, keine pauschalen Prozentzahlen für Naturschutzflächen auszuweisen. Sondern es gelte, die Flächen mit dem höchstmöglichen Mehrwert für den Naturschutz zu identifizieren, zu sichern und zu entwickeln.

Das Naturwaldforum beschäftigte sich darüber hinaus mit der Waldstruktur, den Pflanzengesellschaften und der Fledermausforschung im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Ein Blick in ukrainische Buchenurwälder sowie das Thema "Wälder als CO2-Senke" rundeten das Programm ab.

Hintergrund:
  1. Das Naturwaldforum Buche soll dazu beitragen, die aktuell laufende Bewerbung des Nationalparks Kellerwald-Edersee für das durch die UNESCO verliehene Prädikat "Weltnaturerbe" zu unterstützen. Neben vier weiteren naturnahen Buchenwäldern in Deutschland wurden die Wälder des hessischen Nationalparks für diese hochrangige Auszeichnung bereits nominiert.
  2. Auf mehr als 5.000 Hektar werden südlich des Edersees naturnahe Buchenwälder geschützt und erforscht. Damit handelt es sich um eines der größten natürlichen Vorkommen von Buchenwäldern in Mitteleuropa. In mehreren Forschungsprojekten wurden in den vergangenen Jahren Informationen und Daten über die Wälder am Edersee zusammen getragen. Im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 richtet sich das Interesse der Forscher auf die Pflanzen- und Tierarten des Nationalparks. Er gilt als ein Zentrum der Fledermausverbreitung in Hessen.

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