Forstminister Dietzel: „Den jüngeren Bäumen geht es deutlich besser, die Wälder erholen sich wieder langsam“
„In diesem Jahr zeichnet sich eine gewisse Erholung - insbesondere bei den jüngeren Bäumen – des hessischen Waldes ab. Wir hoffen, dass sich dieser Trend in allen Altersklassen fortsetzen wird. Nach dem Rekordsommer 2003 verschlechterte sich der Waldzustand in den beiden Folgejahren 2004 und 2005 doch erheblich, deshalb sind wir sehr froh heute eine gewisse Verbesserung konstatieren zu können“, sagte heute der Hessische Umwelt- und Forstminister, Wilhelm Dietzel, anlässlich der Vorstellung des 23. Waldzustandsberichtes 2006 im Hessischen Forstamt Chausseehaus. „Trotz einer mehrwöchigen warmen Witterung im Juni und Juli 2006 und einer deutlich stärkeren Fruchtbildung der Waldbäume als im Jahr zuvor hat sich der Kronenzustand leicht verbessert. Besonders bei den jungen bis 60-jährigen Bäumen ist durch den Rückgang der Kronenverlichtung eine weitgehende Regeneration festzustellen“, erläuterte Dietzel.
Für den Waldzustandsbericht 2006 wurde im Juli und August von geschulten Fachleuten der Kronenzustand von etwa 6.000 Bäumen erfasst. „Hierbei handelt es sich um eine Stichprobenaufnahme auf einem acht mal acht Kilometer großen Raster, die so angelegt ist, dass eine den tatsächlichen Waldverhältnissen entsprechende Darstellung sichergestellt wird“, so der Minister. Inwieweit die „Rekordtemperatur“ des Juli 2006 zu Folgeschäden in den kommenden Jahren führt bleibe abzuwarten. Die insgesamt überdurchschnittlichen Niederschläge der Monate März bis Mai 2006 hätten jedoch für relativ gute Startbedingungen zu Vegetationsbeginn gesorgt, so dass bis zum Aufnahmezeitpunkt noch keine gravierenden Auswirkungen sichtbar waren.
Zu den Ergebnissen:
Der mittlere Nadel-/Blattverlust aller Baumarten und Altersstufen beträgt 2006 landesweit 24 % gegenüber 26 % im Vorjahr und hat sich somit leicht verbessert. Hauptverantwortlich dafür ist die deutliche Besserung des Kronenzustandes bei den jungen Bäumen von 17 % auf 12 % mittlerer Kronenverlichtung in diesem Jahr. Die älteren Bäume stagnieren mit 30 % auf dem relativ hohen Niveau der letzten beiden Jahre.
Bei Betrachtung der einzelnen Hauptbaumarten ist ein ähnlicher Trend erkennbar: Die ältere Buche verbleibt - trotz eines hohen Anteils fruchttragender Buchen (76 % in 2006 gegenüber 1 % in 2005) - mit 32 % mittlerer Blattverlust auf dem Wert des Vorjahres. Die seit 1988 vorliegende Zeitreihe der so genannten „Fruktifikationsintensität“, dies bedeutet die Intensität des jährlichen Fruchtbehangs, deutet auf eine etwa alle zwei Jahre wiederkehrende stärkere Fruchtbildung der Buche hin. Dies steht im Zusammenhang mit der Häufung warmer Jahre wie auch einer erhöhten Stickstoffversorgung der Bäume und führt immer wieder zu einer zusätzlichen Belastung des Stoffhaushalts der Bäume.
Die Situation der älteren Kiefer ist mit 27 % mittleren Nadelverlustes gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Der Nadelverlust der älteren Fichte ging von 30 % (2005) auf 29 % leicht zurück.
Nach der sprunghaften Verschlechterung des Kronenzustandes der älteren Eiche im vergangenen Jahr hat sich dieser in 2006 wieder leicht gebessert (2005: 34 %; 2006: 31 % mittlere Kronenverlichtung). „Besonders hervorzuheben ist in diesem Jahr die gute Belaubung der jungen Eiche, die mit 12 % mittlerer Blattverlust (2005: 22 %) wieder ein günstiges Niveau erreicht hat“, erklärte Minister Dietzel. Positiv auf die Entwicklung der gesamten Eiche hat sich der Rückgang starker Fraßschäden durch Eichenwickler und Frostspanner ausgewirkt, obwohl die Fraßfläche in der Summe nochmals angestiegen ist. Dies bedeutet, dass zwar mehr gefressen wurde, dies aber mit einer geringeren Intensität, so dass die Fraßschäden weniger stark waren als prognostiziert.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich der Zustand des hessischen Waldes in diesem Jahr leicht verbessert hat, die Kronenschäden sich insgesamt aber noch auf einem hohen Niveau befinden. Die Absterberate über alle Baumarten und Alter hinweg hat sich im Vergleich zum Vorjahr (0,6 %) erfreulicherweise auf 0,3 % verringert und entspricht damit dem relativ niedrigen Mittelwert des Zeitraumes 1984 - 2006. In hessischen Wäldern sind somit großflächige Absterbeerscheinungen nicht zu befürchten.
„Der Wald in der Rhein-Main-Ebene bleibt allerdings weiterhin unser Sorgenkind!“, betonte Forstminister Dietzel. Zwar hat sich auch in diesem Gebiet der Kronenzustand im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert, trotzdem bleibt der Waldzustand in Teilbereichen der Rhein-Main-Ebene sehr angespannt. Seit 1984 liegt die durchschnittliche Kronenverlichtung aller Baumarten jeweils deutlich höher als im Landesdurchschnitt. Besonders drastisch ist dies bei der für diese Region charakteristischen Eiche festzustellen: So ging der durchschnittliche Blattverlust der älteren Eiche zwar von 48 % (2005) auf 44 % (2006) zurück, liegt aber immer noch um 13 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt.
Das bislang existierende Rhein-Main-Sanierungsprojekt wird daher in ein Rhein-Main-Walderhaltungsprogramm (RMWEP) überführt werden. Während der Projektlaufzeit hatte man erkannt, dass die Sanierung der Wälder in der Rhein-Main-Ebene nicht durch ein zeitlich begrenztes Projekt zu bewältigen ist. Die Walderhaltung und Waldsanierung in der Rhein-Main-Ebene ist eine Daueraufgabe, die von einer langfristigen und umfassenden Strategie getragen werden muss. Der Landesbetrieb HESSEN-FORST erarbeitet momentan in Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt einen Programmentwurf. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt nimmt seit dem 1. Februar 2006 u.a. die Aufgaben der forstlichen Umweltkontrolle und des Waldschutzes in den Ländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wahr.
Mit erhöhter Aufmerksamkeit ist nach wie vor die Entwicklung der Waldböden zu verfolgen. Der extreme Rückgang der Schwefeldioxidkonzentration in der Luft ist ein Erfolg der bundesweiten emissionsmindernden Maßnahmen seit Mitte der 80-er Jahre und führte zu einer enormen Reduktion des Sulfateintrages (um bis zu 85 %). Dies bedeutete eine große Entlastung des ökosystems Wald hinsichtlich seiner Säurebelastung. Dennoch verbleiben die Stickstoffeinträge - trotz einer insgesamt leicht rückläufigen Tendenz - auf einem zu hohen Niveau. Die aktuellen Gesamtsäureeinträge liegen somit immer noch deutlich über dem Puffervermögen der hessischen Waldböden. Es ist daher unerlässlich, die Schadstoffeinträge weiter zu reduzieren.
Weiterhin sind aber auch alle anderen wirkungsvollen Maßnahmen zu nutzen, die der Stabilisierung des hessischen Waldes dienen. Dazu zählen der bereits seit Jahren vom Landesbetrieb HESSEN-FORST vorangetriebene Aufbau stabiler Mischbestände sowie der weitgehende Verzicht auf Kahlschläge.
Die Bodenschutzkalkung ist auf allen wenig gepufferten Standorten ein zusätzliches Instrument zur zumindest vorübergehenden Stabilisierung der Waldböden. Künftige Säureeinträge sollen durch die Ausbringung von drei Tonnen Kalk je Hektar abgepuffert und so die Waldböden vor weiterer Versauerung geschützt werden. Das Waldökosystem wird durch den Ausbringungszeitpunkt und die geringe Menge nur wenig gestört. „Im Jahr 2007 sind trotz schwieriger Haushaltslage 1,8 Mio. € für Kalkungsmaßnahmen im Staats-, Körperschafts- und Privatwald vorgesehen“, sagte der Minister und verwies auf die beeindruckende Bilanz von fast 343.000 Hektar gekalkter Waldfläche in Hessen (seit 1986).
„Die nach wie vor anhaltende Beeinträchtigung der Wälder durch Umwelteinflüsse und die Befunde der Waldökosystemstudie Hessen zeigen, dass die Beobachtungen zur Zustandsentwicklung des Waldes unverändert wichtig sind und fortgesetzt werden müssen“, betonte Minister Dietzel abschließend. Den aktuellen bundesweiten überlegungen über eine mögliche änderung des Erhebungszeitraumes steht Hessen jedoch ergebnisoffen gegenüber. Hierzu wurden die Fachgremien beauftragt entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Beim gegenwärtigen Stand der Fachgespräche auf EU- wie auf Bundesebene ist eine abschließende Entscheidung in der Frage der Jährlichkeit der Waldzustandserhebung noch nicht sinnvoll.
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