Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Darmstadt  –  Naturschutz

Naturschutz

Der Naturschutz ist eine uns wichtige Funktion des Waldes. (Foto: A. Schilling)

Der Naturschutz ist eine uns wichtige Funktion des Waldes. (Foto: A. Schilling)

Der heimische Wald liefert uns einen wertvollen umweltfreundlichen Rohstoff, das Holz. Der Wald ist gleichzeitig der artenreichste Lebensraum in Hessen. Nirgendwo sonst finden sich so viele, oft auch seltene und empfindliche Tier- und Pflanzenarten. Viele ehemals in Hessen ausgestorbene Arten sind in unsere Wälder zurückgekehrt: Schwarzstorch, Kolkrabe, Uhu, Wildkatze, Biber, Fischotter und Luchs fühlen sich jetzt wieder heimisch. Wir wissen, dass Hessens Wälder für viele Arten ein wertvoller Lebensraum sind. Für beide wichtigen Funktionen des Waldes – die Nutzung und den Artenschutz- übernehmen wir die Verantwortung und berücksichtigen es in unserer täglichen Arbeit.

1. Europäisches Schutzgebietsnetz

Wir vom Forstamt Darmstadt erarbeiten als Partner der Oberen Naturschutzbehörde Managementpläne für die Natura-2000-Gebiete. Diese umfassen im Forstamt mit den Flora-Fauna-Habitaten (3.277 Hektar) und den Vogelschutzgebieten (174 Hektar) rund 50 Prozent der Staatswaldfläche.
Die durch die obere Naturschutzbehörde veröffentlichten Managementpläne können im Natureg-Viewer des Landes Hessen eingesehen werden.
Das Forstamt betreut außerdem 20 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von rd. 1.105 Hektar - davon befinden sich rd. 529 Hektar im Staatswald (7 Prozent der Staatswaldfläche).

2. Naturschutzleitlinie

Wir bewirtschaften den Staatswald nach den Grundsätzen des naturnahen Waldbaus. Dadurch sind wir in der Lage, Naturschutzanliegen sehr gut in unsere tägliche Arbeit zu integrieren.

Eine wichtige zusätzliche Grundlage für den Naturschutz im Forstamt ist die Naturschutzleitlinie für den hessischen Staatswald. Diese enthält vier Säulen:

Säule 1: Naturschutzkodex

Säule 2: Habitatbäume

Säule 3: Kernflächen

Säule 4: Arten- und Habitatpatenschaften

3. Totholz

Stehendes und liegendes Totholz sind wichtige Stützpfeiler der Biodiversität (Foto: A. Schiliing)

Stehendes und liegendes Totholz sind wichtige Stützpfeiler der Biodiversität (Foto: A. Schiliing)

Viele, oft auch seltene Waldarten, wie holzzersetzende Pilze, Käfer und andere meist unscheinbare Kleinstlebewesen finden ihren Lebensraum im Totholz. Totholz ist daher ein weiterer wichtiger Stützpfeiler der Biodiversität.
Studien, wie die Bundeswaldinventur, zeigen eine deutliche Erhöhung der Totholzmenge innerhalb der letzten Jahrzehnte. In nahezu allen Beständen ist daher gegenwärtig Totholz in den unterschiedlichsten Dimensionen vorhanden.
Der Schwerpunkt weiterer Totholzanreicherung im Forstamt wird künftig in den Habitatbaumgruppen und Kernflächen, sowie schwer zugänglichen Bereichen, wie den Steillagen liegen.
Diese Flächen haben im Forstamt einen Umfang von rd. 450 Hektar mit einem Potential der Totholzanreicherung von insgesamt rd. 900 Festmeter pro Jahr.

4. Weitere Naturschutz-Pflegeflächen im Forstamt

Neben den Kernflächen und ausgewiesen Naturschutzgebieten gibt es bei uns im Staatswald Biotope, die wir aus Naturschutzgründen beständig pflegen und nur eingeschränkt bewirtschaften.

Waldränder
Waldränder bieten vielen Säugetieren, Vögeln, Insekten, Reptilien und Amphibien einen abwechslungsreichen, oft sonnigen oder feuchten Lebensraum. Im Idealfall sollen Waldränder stufig aufgebaut und von verschiedenen Strauch- und Baumarten durchsetzt sein, um einer Vielzahl von Arten einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Deshalb bedürfen sie einer be-sonderen Pflege. Dazu werden sie gezielt durchforstet oder aber auch aktiv mit selteneren Gehölzarten angereichert. Im Staatswald des Forstamts sind rd. 154 Kilometer Waldränder kartiert.

Waldwiesen

Besonderer Lebensraum: Feuchtwiese (Foto: A. Schilling)

Besonderer Lebensraum: Feuchtwiese (Foto: A. Schilling)

Waldwiesen sind wertvolle Biotope für vielerlei Pflanzenarten wie Orchideen oder seltene Gräser. Insbesondere innerhalb großer Waldgebiete sind es gerade die eingestreuten Wald-wiesen, die den Waldtieren einen wichtigen Nahrungsraum bieten. Weil diese Waldwiesen aber aus landwirtschaftlicher Sicht oft wenig Beachtung finden, da sie meist wenig ertragreich sind und oft auch schlecht zu bewirtschaften und ebenso schlecht zu erreichen sind, müssen sie durch den Forstbetrieb oft mit besonderem finanziellem Aufwand aktiv offengehalten werden und somit vor dem Zuwachsen bewahrt werden.
Im Staatswald des Forstamtes findet man rd. 300 Hektar Waldwiesen ganz unterschiedlicher Flächengröße und Form.


Historische Waldbewirtschaftungsformen
Darmstadts Wälder haben eine wechselhafte Geschichte. Prägend waren Phasen unkontrollierter Waldnutzung (Bau- und Brennholz, Waldweide, Köhlerei) oder der übersteigerten Jagdleidenschaft der Landgrafen. Zeugnisse aus dieser Zeit sind das Jagdschloss Kranich-stein mit seinem Jagdzeughaus, das Saufanghäuschen Alexanderburg, der Jagdpavillon Dianaburg, die Fasaneriemauer und 3 gemauerte Jagdschirme.
Im 19. Jahrhundert entdeckten der Landesfürst und Darmstadts Bürger den Erholungs- und Freizeitwert ihres Waldes. Wanderungen aus der Stadt auf schönen, schattigen Waldwegen, Eisenbahnfahrten in den Odenwald oder die nah gelegene Bergstraße kamen in Mode. An-lagen, die sich in einer Vielzahl von Brünnchen, Tempeln, Hütten, Aussichtspunkten oder Na-mensbäumen widerspiegeln, gewannen spürbar Einfluss auf die Waldgestaltung. Das Gesetz zur Erhaltung der Naturdenkmäler war das älteste forstliche Edikt.
Die Schönheit des Waldbildes, die Maßregel bei jeder wirtschaftlichen Maßnahme im Wald zu erwägen, wie die Ausführung auf das Landschaftsbild wirke, die Pflege des schönen Waldes durch die Regeln der Waldästhetik und die Einführung der naturgemäßen Waldwirtschaft prägen Darmstadts Wälder.
„Die Zukunft Darmstadts liegt wesentlich in seinem Walde, in seiner Erhaltung, in der stetigen, sorgsamen bis ins einzelne gehenden verständnisvollen Pflege des Forstes in seiner Umgebung, in der Erhaltung des Charakters von Darmstadt als Waldstadt“ (Zitat von C. Wilbrandt, 1902).

Summe der Naturschutzflächen im Staatswald des Forstamtes Darmstadt

NutzungseinschränkungNaturschutzkategorieHektar
Nicht forstliche genutzte FlächenKernflächen Naturschutz416
Nicht forstliche genutzte FlächenHabitatbaumflächen54
Naturschutzpflegeflächen innerhalb und außerhalb von NaturschutzgebietenNaturschutzgebiete im Staatswald529
Naturschutzpflegeflächen innerhalb und außerhalb von NaturschutzgebietenNatura-2000-Schutzgebietsflächen3.277
Weitere Naturschutz-Pflegeflächen im Staatswald400
Gesamtsumme in Hektar4.676
in % der Waldfläche im Staatswald67

Für Rückfragen steht Ihnen unser Forstamtsteam gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner für Naturschutzangelegenheiten ist:

Monika Göbel (Funktionsbeschäftigte Naturschutz)
Tel.: 06151-4091-38
E-Mail: Monika.Goebel@forst.hessen.de