Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Lampertheim  –  Kurzportrait

Wald, Klima und Vegetation

Das Forstamt Lampertheim betreut außer Staatswald und Privatwald die Waldungen von 16 Kommunen des Kreises Bergstraße.

An der Nahtstelle der beiden Wirtschaftsräume Rhein-Main im Norden und Rhein-Neckar im Süden hat der Wald neben der klassischen Wirtschaftsfunktion wichtige Schutzfunktionen (Wasser-, Klima-, Lärm, Boden- und Biotopschutz) mit zu erfüllen. Von herausragender Bedeutung ist vor allem die Gewährleistung der Erholungsfunktion in dem bevölkerungsreichen Ballungsraum. Angebote für Wander-, Reit- oder Radfahrwege gewährleisten ein ungetrübtes Walderlebnis.

In der Rheinebene sind der Fortbestand des Waldes als Hochwald und damit seine für die Region so wichtigen Waldfunktionen durch erhebliche Absterbe- und Auflösungsprozesse gefährdet. Auslöser und Anstoß einer bis heute andauernden Störungskette waren die Grundwasserförderungen, die Ende der 1960er Jahre erheblich intensiviert wurden und zu weitreichenden Grundwasserabsenkungen geführt haben. Weitere Faktoren wie z.B. Waldzerschneidungen, der stattfindende Klimawandel und Forstschädlinge (Maikäfer, Schwammspinner, Mistel) verschärfen die Situation. Die Erhaltung des Waldes als Hochwald und die Sicherung seiner Funktionen vor allem für den Naturschutz, die Naherholung, den Trinkwasser- und Klimaschutz stehen dabei im Vordergund. Insgesamt wird die Waldbewirtschaftung erheblich beeinträchtigt durch Auswirkungen auf die Art der Holznutzung, die Baumartenwahl und die Waldpflege.
Hier erhalten Sie ein Infoblatt zum Thema Wald und Grundwasser. [PDF, 205 KB]

Die gesamte Forstamtsfläche selbst liegt innerhalb des UNESCO Geoparks Bergstraße-Odenwald, der sich die Aufgabe gestellt hat, die Schönheit, Eigenart und Vielfalt der Landschaft zu erhalten und dem Menschen Naturnähe zu ermöglichen.

Im vorderen Odenwald

Vorderer Odenwald

Wenn man den Beginn der Vegetationszeit und den der Baumblüte beobachtet, dann besteht naturräumlich von der Rheinebene über die Bergstraße in den Odenwald hinein eine zeitliche Differenz von 2 Wochen. Während in den höheren Lagen des Odenwaldes meist noch winterliches Wetter vorherrscht, steht die Bergstraße schon Ende März bis Anfang April in voller Blüte. Hier gedeiht auf den Hängen Wein, im Windschatten der Berge reift Obst jeder Art, auch Mandeln, Aprikosen und Pfirsiche finden sich.
Besonders zu erwähnen sind in der Ebene Spargel- und Tabakanbau. Der Spargelanbau in Lampertheim hat eine lange Tradition und ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Selbst auf der Speisekarte von den Atlantik überquerenden Luftschiffen wurde er als Delikatesse angepriesen. Erste Spargeläcker wurden um 1900 angelegt. Der Tabakanbau fand bereits 1686 erste urkundliche Erwähnung. Bis in die 60-Jahre hinein waren viele Bewohner Lampertheims und der näheren Umgebung in einer florierenden Tabakindustrie beschäftigt. Das Museum der Stadt Lorsch widmet diesem Thema eine eigene Abteilung.

Drei Landschaftselemente prägen das Waldbild des Forstamtes. Am Rhein beginnend nach Osten verlaufend das flache Ried, die von Weinbergen gesäumte Bergstraße und der waldreiche Odenwald.
Das Erscheinungsbild des Waldes in der „sandigen“ Ebene ist vor dem Hintergrund der laufenden Waldschadensprozesse zweigeteilt. Im nährstoffärmeren Südteil dominiert die Kiefer, im Norden laubholzbetonte Mischbestände aus Stieleiche, Buche und Edellaubholz.
In dem sich räumlich anschließenden Odenwald finden sich klimatisch typische Mittelgebirgsverhältnisse. Die Buchenwälder des vorderen, granitgeprägten Odenwaldes sind wegen ihres hervorragenden Wuchses wegen berühmt. Eingestreute Eichen und Edellaubhölzer, die reiche Kraut- und Strauchflora führen in der stark gegliederten Landschaft zu abwechslungsreichen Bildern.
Auf dem nährstoffärmeren Buntsandstein des hinteren Odenwaldes sind Nadelhölzer vorherrschend.

Das Forstamt Lampertheim betreut, aufgeteilt in 10 Reviere, rund 16.500 Hektar Wald. Nach dem Prinzip des Einheitsforstamtes werden alle Waldbesitzarten gleichermaßen bewirtschaftet. Im Einzelnen handelt es sich dabei um rund 8.250 ha Staatswald (50%), 6500 ha Kommunalwald (39%) und 1750 ha Privatwald (11%).
Geschichtlich bedingt finden wir den Staatswald überwiegend in den Revieren der Rheinebene und den mehr kleinparzellierten Privatwald im vorderen Odenwald.
Der Privatwald im odenwälder Teil des Forstamtes ist einem Flickenteppich vergleichbar. Geprägt von einer Vielzahl von Klein- bzw. Kleinstprivatwaldbesitzern. Im Durchschnitt hat jeder der ca. 1100 Besitzer nur 1,6 Hektar Wald. Um überhaupt einen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Wald ziehen zu können, haben sich die Privatwaldbesitzer in der Forstbetriebsgemeinschaft Starkenburg organisiert. Der privatrechtliche Zusammenschluss ermöglicht neben dem gemeinsamen Verkauf größerer Holzmengen (8.000 Festmeter im letzten Jahr) auch den sinnvollen Einsatz moderner Forsttechnik. Gesteuert wird dieser Prozess über eine jährlich stattfindende Informationsveranstaltung zu Beginn der Einschlagssaison und den zeitintensiven Einsatz der örtlich zuständigen Revierleitung.

Dem Forstamt als Stabsstelle der Landesbetriebsleitung Hessen Forst zugeordnet ist die Projektgruppe Grundwasser. Sie wurde 2005 ins Leben gerufen und hat die Aufgabe, die Thematik zwischen Waldschäden und Grundwasserentnahmen aufzuarbeiten, schwerpunktmäßig im Hessischen Ried, aber auch vereinzelt in anderen Teilen Hessens. Ihr Ziel ist es, den Wald als funktions- und leistungsfähiges Ökosystem zu erhalten bzw. wiederherzustellen und für die Waldeigentümer einen ausreichenden Schutz des (in der Regel) öffentlichen Waldvermögens zu sichern. In Frage kommen Waldumbau und Wiederaufspiegelung des Grundwasserspiegels (Infoblatt) [PDF, 205 KB] sowie verursacherbezogene finanzielle Unterstützungen für die betroffenen Waldeigentümer. Derzeit liegt ein Aufgabenschwerpunkt in der Unterstützung des Runden Tisches für das hessische Ried (Link zum Runden Tisch), der in seiner Entstehung auch auf die fachliche Tätigkeit der Projektgruppe Grundwasser und der sie unterstützenden Forstämter im hessischen Ried zurückzuführen ist.

Rarität Schwarznuss

Schwarznuß im Forstamt Lampertheim

Schwarznuß im Steiner Wald

Das Forstamt Lampertheim betreut die größten Schwarznussvorkommen Deutschlands. Die Vorkommen selber finden wir zum überwiegenden Teil im Naturschutzgebiet Steiner Wald. Dabei handelt es sich um ein schmales Waldgebiet am östlichen Rheinufer in der Nähe der Gemeinde Biblis. Der Name Steiner Wald wird von der ehemaligen Burg Stein hergeleitet. Das Areal der Burg war seit der Römerzeit besiedelt. Nach 1900 wurde der ehemals waldfreie Burgbereich, der nach deren Zerstörung später niederwaldartig betrieben wurde, in klassischen Hochwald umgewandelt. Im Zuge dieses Umbaus kam die Schwarznuss. Auf den vor Ort für die Nuss optimalen Wuchsbedingungen (tiefe, lockere, gut wasserversorgte, nährstoffreiche Böden) zeigt sie ein zum Teil besseres Wachstum als die einheimischen Laubhölzer. Mittlerweile verjüngt sie sich von selbst.
Für den Forstmann ist neben dem schnellen Wachstum das äußerst wertvolle Holz von Bedeutung. Das Holz selber wird nur auf Meistgebotsterminen veräußert. Spitzenerlöse lagen in der Vergangenheit bei bis zu 5.000 € pro Kubikmeter.

Die Tierwelt

Mittelspecht

Mittelspecht bei der "Arbeit"

Die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur des Forstamtes bietet eine Vielfalt an Lebensräumen und somit auch eine artenreiche Fauna.
Als Besonderheiten der Ebene sind an das Rheinökosystem gebundene Vogelarten wie Fischadler, Haubentaucher, Rohrdommel oder die auf Sandtrockenrasen und Binnendünen lebenden Ziegenmelker oder Neuntöter zu nennen. Für den wärmeliebenden, an trockene nicht zu dicht baumbestandene Gebiete mit spärlicher Vegetation angepassten Wiedehopf hat das Forstamt eine Patenschaft gemäß HessenForst eigenen Naturschutzleitlinien übernommen. Eine weitere Patenschaft besteht für den Mittelspecht. Er benötigt Bäume mit einer groben Rinde und Bestände mit einem reich strukturierten Totholzvorkommen. Bedingungen wie er sie in den alten Eichenbeständen des Forstamtes vorfindet.
Der Odenwald mit seinen vielen Feldgehölzen, eingesprengten Wiesen und Heckenrainen ist die Heimat von kleinen Räubern wie Fuchs, Marder, Iltis und Wiesel. Tag- und nachtaktive Greife z. B. Uhu oder Wanderfalke ziehen ihre Kreise, Fledermäuse segeln in der Abenddämmerung an Waldrändern entlang. An Uferabbrüchen naturnaher Bäche hat sich der selten gewordene Eisvogel wieder eingefunden.
An jagdbarem Schalenwild finden sich zahlreich Reh- und Schwarzwild. Hier ist es für das Forstamt wichtig, deren Bestände zahlenmäßig so zu regulieren, das der vor allem in der Ebene durch bereits erwähnte Faktoren geschädigte Wald auch für zukünftige Generationen naturnah erhalten bleibt.

Geschichtliches aus der Region

Zeugnisse aus der Steinzeit belegen, dass die Bergstraße und der Odenwald schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt waren. Das einst von Kelten bewohnte Land geriet unter die Herrschaft der Römer. Die Bergstraße war in dieser Epoche als „Via strata montana“ ein wichtiger Handelsweg. Im Mittelalter gewannen Klöster an Einfluss. Zu erwähnen ist das Kloster Lorsch mit der so genannten „Königshalle“ aus der Karolingerzeit. Heute Weltkulturerbe.
Sagen und Dichtung verklären den Odenwald. Er war Jagdgebiet der Burgunder. Nach der Sage erschlug Hagen hier den Recken Siegfried. Auch das Heldenepos „Parsival“ wurde im Odenwald geschrieben.
www.kloster-lorsch.de