Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Reinhardshagen  –  Naturschutz

Naturschutz

Fliegender Schwarzstorch im Sommer. (Foto: Marco Vöbbel)

Der Schwarzstorch, ein scheuer, heimischer Wald-Bewohner im Reinhardswald. (Foto: Marco Göbel)

Der heimische Wald liefert uns einen wertvollen umweltfreundlichen Rohstoff, das Holz.
Der Wald ist gleichzeitig der artenreichste Lebensraum in Hessen. Nirgendwo sonst finden sich so viele, oft auch seltene und empfindliche Tier- und Pflanzenarten. Viele ehemals in Hessen ausgestorbene Arten sind in unsere Wälder zurückgekehrt: Schwarzstorch, Kolkrabe, Uhu, Wildkatze, Biber, Fischotter und Luchs fühlen sich jetzt wieder heimisch.

Wir wissen, dass Hessens Wälder für viele Arten ein wertvoller Lebensraum sind. Für beide wichtigen Funktionen des Waldes – die Nutzung und den Artenschutz – übernehmen wir die Verantwortung und berücksichtigen es in unserer täglichen Arbeit.

1. Europäisches Schutzgebietsnetz

Wir vom Forstamt Reinhardshagen erarbeiten als Partner der Oberen Naturschutzbehörde Managementpläne für die Natura-2000-Gebiete. Diese umfassen im Forstamt mit den Flora-Fauna-Habitaten (5.240 Hektar) rund 25 % der Staatswaldfläche.
Die durch die obere Naturschutzbehörde veröffentlichten Managementpläne können im NaturegViewer des Landes Hessen eingesehen werden.

Das Forstamt betreut außerdem 18 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von ca. 1.062 Hektar – davon befinden sich rund 354 Hektar im Staatswald (1,7 % der Staatswaldfläche).

2. Naturschutzleitlinie

Wir bewirtschaften den Staatswald nach den Grundsätzen des naturnahen Waldbaus. Dadurch sind wir in der Lage, Naturschutzanliegen sehr gut in unsere tägliche Arbeit zu integrieren.

Eine wichtige zusätzliche Grundlage für den Naturschutz im Forstamt ist die Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald. Diese enthält vier Säulen:

Säule 1: Naturschutzkonzept

Säule 2: Habitatbäume

Säule 3: Kernflächen

Säule 4: Arten- und Habitatpatenschaften

3. Totholz

Viele, oft auch seltene Waldarten, wie holzzersetzende Pilze, Käfer und andere meist un-scheinbare Kleinstlebewesen finden ihren Lebensraum im Totholz . Totholz ist daher ein weiterer wichtiger Stützpfeiler der Biodiversität.
Studien wie die Bundeswaldinventur zeigen eine deutliche Erhöhung der Totholzmenge innerhalb der letzten Jahrzehnte. In nahezu allen Beständen ist daher gegenwärtig Totholz in den unterschiedlichsten Dimensionen vorhanden.
Der Schwerpunkt der weiteren Totholzanreicherung im Forstamt wird zukünftig in den Habitatbaumgruppen und Kernflächen liegen sowie in schwer zugänglichen Bereichen, wie zum Beispiel den Steillagen.

4. Weitere Naturschutz-Pflegeflächen im Forstamt

Neben den Kernflächen und ausgewiesen Naturschutzgebieten gibt es bei uns im Staatswald Biotope, die wir aus Naturschutzgründen beständig pflegen und nur eingeschränkt bewirtschaften.

Waldränder
Waldränder bieten vielen Säugetieren, Vögeln, Insekten, Reptilien und Amphibien einen abwechslungsreichen, oft sonnigen oder feuchten Lebensraum. Im Idealfall sollen Waldränder stufig aufgebaut und von verschiedenen Strauch- und Baumarten durchsetzt sein, um einer Vielzahl von Arten einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Deshalb bedürfen sie einer besonderen Pflege. Dazu werden sie gezielt durchforstet oder aber auch aktiv mit selteneren Gehölzarten angereichert. Im Staatswald des Forstamts sind ca. 200 Kilometer Waldränder kartiert.

Waldwiesen
Waldwiesen sind wertvolle Biotope für vielerlei Pflanzenarten wie Orchideen oder seltene Gräser. Insbesondere innerhalb großer Waldgebiete sind es gerade die eingestreuten Waldwiesen, die den Waldtieren einen wichtigen Nahrungsraum bieten. Weil diese Waldwiesen aber aus landwirtschaftlicher Sicht oft wenig Beachtung finden, da sie meist wenig ertragreich sind und oft auch schlecht zu bewirtschaften und ebenso schlecht zu erreichen sind, müssen sie durch den Forstbetrieb oft mit besonderem finanziellem Aufwand aktiv offengehalten werden und somit vor dem Zuwachsen bewahrt werden
Im Staatswald des Forstamtes existieren ca. 500 Hektar Waldwiesen in ganz unterschiedlicher Flächengröße und Form.

Historische Waldbewirtschaftungsformen
Auf ca. 400 Hektar sind alte Huteeichenbestände zu finden, die als besondere historische Waldnutzungsform erhalten werden. Der bekannteste und älteste ehemalige Hutewald ist das heutige Naturschutzgebiet „Urwald Sababurg“, in dem z. T. über 500 Jahre alte Eichen stehen.
Diese Nutzungsform zum Zwecke der Viehbeweidung hat mit dem Aufkommen der geregelten Forstwirtschaft ab 1865 an Bedeutung verloren und wird heute nicht mehr praktiziert.

Summe der Naturschutzflächen im Staatswald des Forstamtes Reinhardshagen

NutzungseinschränkungNaturschutzkategorieHektar
Nicht forstlich genutzte FlächenKernflächen Naturschutz
Habitatbaumflächen
1.620
150
Naturschutzpflegeflächen innerhalb und außerhalb von NaturschutzgebietenNaturschutzgebiet
Natura-2000-Schutzgebietsflächen
354
4.409
Weitere Naturschutz-Pflegeflächen500
Gesamtsumme Hektar
in % der Waldfläche
6.813
32,8

Rückfragen

Für Rückfragen steht Ihnen unser Forstamtsteam gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner für Naturschutzangelegenheiten ist:

Herr Wilfried Bettenhausen
Tel.: 05544 / 95 10 28
E-Mail