Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Reinhardshagen  –  Besonderheiten

Forstgutsbezirk Reinhardswald

Große Waldgebiete, Truppenübungsplätze und Wasserflächen, auf denen sich wegen der wenigen Bewohner kein geordnetes Gemeinwesen entwickeln konnte, wurden im 19. Jahrhundert zu Forstgutsbezirken erklärt.
Der Forstgutsbezirk Reinhardswald umfasst mit einer Fläche von 18.300 Hektar nahezu den gesamten Reinhardswald. Er ist nach Frankfurt/ Main die zweitgrößte Flächengemeinde in Hessen und der größte der drei hessischen Forstgutsbezirke (Kaufunger Wald und Spessart). Im Gutsbezirk selbst leben zurzeit nur zwei Einwohner, die die Gaststätte "Tillyschanze" oberhalb von Hann. Münden betreiben.

Der Gutsbezirk hat seinen Verwaltungssitz in den Räumen des Forstamtes. Er wird vom Forstamtsleiter Reinhardshagen in Personalunion verwaltet. Der Vorsteher des Gutsbezirks = Bürgermeister wird nicht wie andere Kommunalbeamte gewählt, sondern vom Landkreis ernannt. Wesentliche Aufgaben sind u.a. die Erhebung von Steuern, Müllbeseitigung, die Einwohnerbetreuung, Aufgaben der Ortspolizei, Standesamt und die Aufgaben als Träger öffentlicher Belange.

Wildschutzgebiet

Der historische Ursprung des Wildschutzgebiets Reinhardswald ist eng gekoppelt an die mittelalterliche Hochblüte der Jagd, die sich besonders um das Jagdschloss Sababurg konzentrierte. Der heutige Tierpark Sababurg war ursprünglich zur höfischen Jagd eingerichtet worden. Die von einer hohen Mauer umgebende knapp 100 ha große Fläche reichte später nicht aus. Es folgte eine großzügige Erweiterung in den Reinhardswald hinein.

Heute ist die Fläche in Form des Wildschutzgebiets Reinhardswald mittels Verordnung ausgewiesen. Sie bezieht sich mit 10.000 ha nahezu auf den gesamten südlichen Reinhardswald. Das Gebiet ist mit einem zwei Meter hohen Zaun umgeben.
Unabhängig von den allgemeinen forstlichen Leistungen wird der jagdlichen Nutzung des Gebietes eine größere Bedeutung zugestanden.

Fichten-Klumpse

Ein Altfichtenkranz als Rest eines Klumpses (Foto: Ulrich Malz)

Diese 1840 eingeführte eigenwillige Anbauform stellt einen Kompromiss zwischen den Forderungen der Forstwirtschaft und dem damals geltenden Huterecht dar. Hierbei wurde ein 16 m² großer Quadrat- bzw. Dreiecksverband "aufgehügelt" und mit einem tiefen Graben gegen Wild und Hutevieh versehen. Auf den Außenrand des Grabens pflanzte man Fichten, während in die Mitte dieser so genannten Klumpse als Zugeständnis an die Huteberechtigten ein Eichenheister gesetzt wurde.

Nach der forstwirtschaftlichen Nutzung der Fichten sollten so die erwachsenen Eichen in die Mastproduktion übergehen. Da die Eichen zumeist vorzeitig von den Fichten überwachsen bzw. genutzt wurden, kann man heute oft nur einen Altfichtenkranz als Rest der Klumpse finden. Sie zeigen, dass locker im Freistand stehende Fichten auch in Plateaulagen über lange Zeiträume Stürmen standhalten können.

Flora und Fauna

Der Reinhardswald ist bekannt für seinen Reichtum an seltenen Tier- und Pflanzenarten. Neben den bekannten Schalenwildarten Rot-, Reh- und Schwarzwild begeistert vor allem das gesicherte Vorkommen von Wildkatze, Kolkrabe, Hohltaube, Baumfalke, Roter Milan und Schwarzstorch. Eine große zoologische Rarität bilden die in freier Wildbahn lebenden rd. 20 Stück weißes Rotwild.

Naturschutzfachlich einmalig sind die ca. 450 ha umfassenden rd. 200 jährigen Huteeichenbestände, die als besondere historische Waldnutzungsform erhalten werden. Die bekannteste Parzelle dieses Waldtyps ist das Naturschutzgebiet "Urwald Sababurg".

Friedwald

Eine Bestattungszeremonie im FriedWald - inmitten der Natur (Foto: Eberhard Albrecht)

Friedwälder bieten die Möglichkeit, Urnen außerhalb klassischer Friedhöfe in naturnaher Waldumgebung an Baumwurzeln beizusetzen. Besonderes Kennzeichen der Friedwälder sind der völlige Verzicht auf Grabpflege, -Gestaltung und -Schmuck.

Der erste der zwischenzeitlich 21 Friedwälder Deutschlands wurde am 7. November 2001 im "Forstgutsbezirk Reinhardswald" eingerichtet. Alte Huteeichenbestände, mächtige Buchen und deren Nachwuchs prägen zusammen mit Birken und Lärchen das Bild. Adlerfarnhorste, Pfeifengrasfluren und Erlenbrüche unterstreichen die Urwüchsigkeit dieses Waldes.

Lassen sie sich bei regelmäßig stattfindenden Waldführungen durch kompetente Forstbedienstete über das FriedWald - Konzept unterrichten. Sollten sie sich dann für die Baumbestattung entschieden haben, werden Sie bei der Suche und Auswahl Ihres Wunschbaumes von einem Förster begleitet und beraten.

Bei Fragen zum Thema FriedWald wenden Sie sich bitte an unseren Friedwaldförster Herrn Stucke. Informationen rund um den Friedwald bekommen sie auch auf der Internetseite www.FriedWald.de.