Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Rüdesheim  –  Aktuelles

Die Fichte (Picea abies) - Baum des Jahres 2017

Fichten im Mischwald

Fichten_Buchen_Mischwald Foto: A. Dietz

Für das kommende Jahr 2017 wurde die Fichte (Picea abies, im Volksmund gelegentlich auch „Rottanne“ genannt) zum Baum des Jahres gewählt.
Obwohl die Gesellschaft dieser Baumart nach den waldarmen Zeiten nach zeitweiser Übernutzung der Wälder in den letzten Jahrhunderten und nach dem 2. Weltkrieg sehr viel verdankt und ihr den Namen „Brotbaum“ gab, gilt die Fichte aus verschiedenen Gründen seit einiger Zeit in der bisherigen Verbreitung als problematisch.

Ungünstige Standorte, klimatische Veränderungen wie sehr ungleiche Verteilung der Niederschläge innerhalb eines Jahres mit sehr heißen Temperaturen über längere Wochen, öfter auftretende Sturmereignisse machen ihr zu schaffen und ihre Schädlinge, hauptsächlich die Borkenkäfer, haben dann leichtes Spiel.

Die Fichte ist ein in Deutschland autochthoner Baum, der aber durch sein relativ hohes Bedürfnis nach (Niederschlags-)Wasser und nach einer kontinuierlichen Wasserversorgung über das ganze Jahr und wegen seiner flachen Wurzel mit den genannten Wetterextremen in Reinbeständen nicht so gut fertig wird. Vor allem der Reinanbau ohne Mischbaumarten führt oft zum Ausfall ganzer Bestände.

Daraus hat man in allen Forstbetrieben in Deutschland gelernt.
Bei uns im Rheingau werden Fichten immer in Mischung mit Laubholz (i.d.R. Buche) und der bezüglich ihrer Standortansprüche sehr viel anpassungsfähigeren Douglasie erhalten. Fichten haben ihren Platz in Zukunft auf den ausreichend wasserversorgten Standorten (das ist meist in den höheren Lagen des Rheingaus der Fall) und in Mischbeständen mit Buche und Douglasie auf eher skelettreichen Böden, die durch den Steingehalt im Boden dem Wurzelwerk der Fichte mehr Halt geben. In den Revieren Hallgarten, Eltville, Kiedrich und Schlangenbad werden auf den geeigneten Standorten die gesunden Fichtenbestände nach den Regeln der Dauerwald-Bewirtschaftung zu vertikal strukturierten Beständen umgebaut.

Als „Zeitmischung“ gedacht, erhöhen sie den Wert reiner Buchenbestände, erhöhen die Biodiversität und sind so eine Bereicherung für die Waldbestände, bilden ausgezeichnetes Holz für alle uns bekannten Verwendungen und werden meist in den ersten 2/3 der Umtriebszeit der Waldbestände bzw. in den angestrebten dauerwaldartigen Waldstrukturen mit einem
Zieldurchmesser von etwa 40 bis 50 cm im Zuge von Durchforstungen entnommen werden.

Doch hierbei ist keine Eile notwendig.
Der Umbau der Waldbestände in Richtung einer besser an die zu erwartenden Klimaveränderungen angepassten Zusammensetzung erfolgt in den für den Wald üblichen Zeiträumen.
Dabei werden Kahlschläge vermieden und entstandene Bestandeslücken in reinen Fichtenbeständen werden mit den jeweils angepassten Mischbaumarten aufgeforstet. In laubholzdominierten Waldbeständen wird auf passenden Standorten aber örtlich selbstverständlich auch die ankommende Fichten-Naturverjüngung in den zukünftigen Bestand übernommen. Durch die sogenannte „saubere Waldwirtschaft“ (das Vermeiden von Material wie Baumkronen, in dem Borkenkäfer brüten können) können wir viel zur Vermeidung von Borkenkäfer-Kalamitäten beitragen. So wird der Umbau zu Mischbeständen mit einem von Fachleuten geschätzten Fichtenanteil von zukünftig etwa bis 20 % führen.

In diesem Anteil wird uns aber die geschätzte und wunderbare Baumart Fichte mit all ihren Vorzügen erhalten bleiben. Jeder kennt die märchenwaldartigen Strukturen in Fichtenbeständen mit Gräsern, Laubholz-Unterstand, den Beer-Sträuchern wie Heidelbeere und Himbeere und zahlreichen Pilzen. In für die Fichte angepassten Waldstrukturen werden wir diese Baumart auf den richtigen Standorten als eine der wichtigsten heimischen Baumarten erfolgreich an die uns nachfolgenden Generationen übergeben können.

Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017

Waldkauz

Waldkauz Foto: M.Döring



























Manchmal hört man abends seinen Ruf: Kuwitt... Kuwitt...... uh..uhh..uhh....
Es ist der Waldkauz, der nun losfliegt, um auf Jagd zu gehen.

Der Waldkauz (Strix aluco) gehört zu den in Europa weiter verbreiteten Eulenarten. Er lebt in Siedlungen, Parks, Friedhöfen und lichten Wäldern. Dort hält er sich tagsüber in seinem Unterschlupf auf und geht dann nachts auf die Jagd nach Kleinsäugern wie Mäusen und Ratten, Insekten und nach Kleinvögeln, die er an ihren Schlafplätzen fängt.
Mit etwa 40 cm Höhe ist er nur etwas größer als die Waldohreule, mit seinen rund 600 g aber dabei etwa doppelt so schwer. Seine Spannweite beträgt bis zu 105 cm.

Was können wir für den Waldkauz tun?

Der Waldkauz nutzt Baumhöhlen, Felsnischen, auch Gebäude, Nester anderer Vögel (z.B. die Nester von Krähen) und in seltenen Fällen sogar verlassene Kaninchenbaue zum Brüten und für den Aufenthalt am Tage. Wegen seiner Bedeutung für das Kurzhalten von Kleinsäugern wie Mäusen und Ratten können wir das Vorkommen des Waldkauzes durch das Angebot von Nisthöhlen fördern.
Diese nimmt er meist gerne an. Denn gelegentlich fehlen doch ausreichend Baumhöhlen. Sollte er die vom Menschen angebotene Höhle einmal nicht annehmen, so haben wir auch etwas Gutes für andere Vogelarten und auch Fledermäuse bewirkt: die Hohltaube zum Beispiel brütet gerne in dieser Art Nistkasten.
Die einfache Bauanleitung [PDF, 138 KB] zeigt die grundlegenden Maße und die Vorgehensweise beim Bau. Kleine Abweichungen sind erlaubt und mindern den Erfolg in der Regel nicht.
Eines aber ist bei allen Wildtieren wichtig: auch wenn es sehr verlockend ist, den "eigenen" Kauz am selbst gebauten Nistkasten zu beobachten: schaut man zu oft nach und wird die Störung zu stark, verlässt der Kauz den Kasten und die gute Idee ist zum Scheitern verurteilt.

Sturmschäden nach Sommergewitter - nun beginnt das Aufräumen

Sommergewitter fügt dem Rheingauer Wald großen Schaden zu

Sommergewitter

Windwurf nach Sommergewitter Foto A. Dietz

Das starke Sommergewitter in der Nacht zum 1. August hat durch Gewiitterböen mit gewaltiger Kraft zahlreiche Waldbestände im Rheingauer Wald geschädigt.
Zum Teil sind auf größeren Flächen ganze Waldbestände umgeworfen oder umgebrochen worden.
Besonders in den Wäldern am Südabhang des Rheingaugebirges traten die Schäden auf.
Gleich am Montagmorgen begannen die Aufräumarbeiten, um zunächst die Waldwege zu öffnen. Denn nur dann können wir die Schäden beurteilen und die Schadenshöhe beziffern.
Innerhalb der ersten Tage läuft dann das ganze Programm zur Bewältigung dieses Windwurfs an.
HessenForst hat für solche Vorkommnisse die Erfahrungen der letzten Jahre gesammelt und in einem Handbuch den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt.
Klare Ablaufpläne und Checklisten stellen ein zügiges und zielgerichtetes Vorgehen sicher.
Denn bei aller Aufregung und Eile steht die Sicherheit der Bevölkerung und aller eingesetzten Mitarbeiter und Unternehmer immer an erster Stelle.

Bis zum Wochenende 11.08.2017 wird in enger Abstimmung mit den waldbesitzenden Kommunen das Programm zur Schadensbewältigung, das uns viele Monate beschäftigen wird, erstellt. Unter Beachtung von Natur- und Artenschutz und der Zertifizierungsregelungen soll so das angefallene Holz wertschöpfend und zügig vermarktet werden. Dazu werden zu den bisher eingesetzten auch noch weitere qualifizierte Forstunternehmen beschäftigt werden.

Obwohl die Waldwege weitgehend wieder begehbar sind, bitten wir trotzdem aus Sicherheitsgründen für die Waldbesucher darum, die Waldbestände nicht zu betreten, auch über den Waldwegen auf noch hoch in den Bäumen hängende Äste und Kronenteile zu achten und auf jeden Fall nicht in die Nähe der arbeitenden Forstmaschinen und Mitarbeitern zu gehen (es herrscht unter hängenden Bäumen im Windwurf-Verhau zur Zeit akute Lebensgefahr!).

Bitte beachten und respektieren Sie auch die jeweiligen Absperrungen durch Warnbänder und Schilder und wenden Sie sich bei Fragen jederzeit gerne an das Forstamt Rüdesheim unter der Nummer 06722-942712.