Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Rüdesheim  –  Besonderheiten

Ausgeprägte natürliche Vielfalt des Waldes

Durch die Lage des Waldes, der sich von den Hochlagen des Rheingau-Gebirges mit einer Höhe von 619 m. ü. N.N. ("Kalte Herberge"; im Anschluss an den Taunus-Kamm) bis zum Rheinufer (hier sind es etwa 74 m. ü. N.N.) erstreckt, kommt es zu einer Vielzahl natürlicher Waldgesellschaften und Lebensräume mit einer großen Artenvielfalt.

Blick auf den Rhein

Rheinblick

Besonders sind die Auenwaldbereiche, die thermophilen Eichenwälder entlang der Steilhänge zum Rheintal hin, aber auch die durchaus leistungsstarken Laub- und Nadelholzbestände, die in den verschiedensten Mischungsformen im gesamten Forstamtsbereich vorkommen, zu nennen.
Schroffe Landschaftseinschnitte mit sehr steilen Hängen, vereinzelt auftretende Basaltdurchbrüche, Schutthalden und besonders auch das Wispertal stellen weitere Bereicherungen des Waldes und des Landschaftsbildes dar.
Im Bereich des Forstamts sind auch einige Rheininseln als Vogelschutzgebiete in unserer Betreuung. Diese Inseln werden etwa im Bereich zwischen Wiesbaden und Rüdesheim "Aue" genannt. Bei Assmannshausen liegt eine Kiesbank mit dem Namen Klemens-"Grund". Weiter flussabwärts ab Lorch nennt man die Inseln "Werth".




Wald- und Forstgeschichte

Der Wald des Rheingaus mit dem Niederwald und dem Rheingauer Gebück, um nur zwei Beispiele zu nennen, hat eine lange und wechselhafte Geschichte, die ihn noch heute in seinem Erscheinungsbild prägt.
Näheres erfahren Sie hier: [PDF, 124 KB]


Sonderstandorte im Forstamtsbereich

Der Auenwald

Auenwald1

Auch entlang des Rheins im Rheingau, der als Bundeswasserstrasse und im engen Mittelrheintal nur relativ schmale Uferzonen hat, gibt es noch Auenwald-Bereiche, die beachtet und gefördert werden. So findet man im Bereich zwischen Rüdesheim und Oestrich-Winkel zum Beispiel das Hartholzauen-Projekt "Lachaue" ; hier wurde ein einige ha großes Landstück aus der Bewirtschaftung genommen und zu einer naturnahen Hartholz-Aue entwickelt. Während Weichholz-Auen überwiegend von Kräutern, Sträuchern und Weiden bewachsen sind und jährlich mehrmals für längere Zeiträume überlutet werden, stehen die Flächen der Hartholzauen nur etwa ein- bis zweimal im Jahr für 3 bis 4 Wochen unter Wasser. Die wichtigsten Baumarten sind die Stieleiche, die Feld-Ulme, Flatterulme, Gemeine Esche und der Berg-Ahorn.
In der zweiten Baum- und Strauchschicht findet man u. a. den Feldahorn, die Wildäpfel und Wildbirnen, den roten Hartriegel, den Gemeinen Schneeball, den Schwarzen Holunder und auch den Weißdorn.
In mehreren Stufen wurden die standorttypischen Gehölze eingebracht. Rückschläge mussten wir immer dann hinnehmen, wenn nach einem Hochwasser der Eisgang die Pflanzen zerstört hat. Für den Wiederaufbau einer intakten Hartholzaue muss man einige Jahre einplanen. Wegen der starken Konkurrenz durch die Bodenflora ist Freischneiden unumgänglich.

Forstliche Forschung zur Waldnutzung

Seit mehr als 130 Jahren beobachten Forstwissenschaftler Hessens "Grüne Lunge"

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Fragen wie "Wie kommt unser Wald mit dem Klimawandel zurecht?" oder "Wie sollen Försterinnen und Förster den Wald pflegen, damit er möglichst stabil wächst?" stellen sich und sollen durch die forstliche Forschung beantwortet werden. Diese angewandte Forschung liefert uns für die tägliche Praxis wertvolle Hinweise.

Die älteste Versuchsfläche der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, die auch für Hessen zuständig ist, liegt im Forstamt Rüdesheim (Staatswald Abt 44; ehemals Oberförsterei Lorch).
Solche Versuchsflächen wurden eingerichtet, um durch Beobachten und Messen der nach festen Regeln bewirtschafteten Waldbestände über lange Zeiträume Erfahrungen für die zukünftige forstliche Waldbehandlung zu gewinnen. Versuchsflächen werden in der Regel so ausgewählt, dass man Waldbestände, die unter verschiedenen Wuchsbedingungen wachsen, und ihre Wuchsleistungen über über lange Zeiträume vergleichen kann, wenn man sie nach einem gleichen Verfahren durchforstet.

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Bei unserer Versuchsfläche handelt es sich um einen Traubeneichen-Buchen-Ertragsversuch. Der Bestand selbst ist aus dem Jahr 1813 und ist aus Saat entstanden.
Gerade bei der Eiche, die sehr alt werden kann und nicht so schnell wächst, sind langfristige Versuche sehr wichtig. Die "Umtriebszeit", die vom Keimen der einzelnen Eiche bis zu ihrer Entnahme im Zuge einer forstlichen Maßnahme bis zu 250 Jahre dauern kann, macht eine kontinuierliche und langfristige Betreuung der Bestände erforderlich.
Im Jahr 1885 wurden die Fläche und die darauf stehenden Bäume erstmals eingerichtet und vermessen. Bis zum heutigen Tag fanden 23 ertragskundliche Aufnahmen statt, deren Ergebnisse auch für die Aufstellung die sogenannten "Ertragstafeln" für die Berechnung z.B. der forstlichen Nachhaltigkeit verwendet wurden. Die so gewonnenen Erfahrungen sind die unverzichtbare Arbeitsgrundlage für die waldbauliche Pflege- und Nutzungsplanung.
Bei der Aufnahme werden die Durchmesser und Höhen der vorhandenen Waldbäume ermittelt und auch der Gesundheitszustand der Bäume und ihr Belaubungsprozent finden Beachtung. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei diesen Aufnahmen ist das Beobachten der Wechselwirkungen zwischen den Baumarten und der gegenseitigen Beeinflussung der Bäume untereinander durch ihr unterschiedlich schnelles Wachstum. Auch der Waldboden mit seiner Flora und der gesamte Standort werden in die Aufnahme mit einbezogen.
Rückrechnungen aus den Daten und Zuwachsmessungen sichern die langfristige nachhaltige Nutzung der Bestände.