Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Vöhl  –  Kurzportrait

Geologie und Geographie des Forstamtes Vöhl

Im Erdaltertum (Paläozoikum) vor 542 bis 251 Millionen Jahren vor unserer Zeit stoßen die tektonischen Platten Gondwana und Laurasia aufeinander. Im Karbon vor 345 Mio. Jahren faltet sich daraufhin das variszische Gebirge aus dem devonischen Meer empor. Dieser Gebirgszug reicht von der Ostküste Chinas über den gesamten eurasischen Kontinent bis zur USA und erreicht Höhen von über 4000 m. Das Gebirge besteht hauptsächlich aus Sedimentgesteinen, die sich im devonischen Meer abgelagert hatten. Je nach Sediment bildeten sich Tonschiefer, Kieselschiefer und Grauwacken. Die Gebirgsfaltung wird von vulkanischen Aktivitäten begleitet. Daher durchbrechen immer wieder Diabasvorkommen die Sedimentgesteine.

Bereits vor 250 Mio. Jahren ist das variszische Gebirge zu einem Plateau erodiert und wird von einem flachen Meer umspült. In dieser Zeit lagern sich Zechstein und Rotliegendes auf dem Meeresgrund ab. Das flache Meer verliert bald den Anschluss an das Weltmeer und trocknet wieder aus. Aber bereits 25 Mio. Jahre später wird das Gebiet erneut von einem Meer bedeckt. Das Gebiet des Rheinischen Schiefergebirges ragt als Insel aus dem Meer. Der großen Insel vorgelagert liegt die Insel Kellerwald. Die Sedimente, die sich in diesem Meer ablagern, werden später zum Buntsandstein.

Das Forstamt gliedert sich daher in zwei Naturräume. Im Westen und Süden sind der Kellerwald und die östlichen Ausläufer des Rothaargebirges. Bäche und Flüsse haben hier tiefe Täler in das variszische Gebirge geschnitten. Großflächig bedeckt Wald die häufig steilen Hänge und Bergrücken. Dabei zeigen sich je nach Ausgangsgestein kleinstrukturell große Unterschiede bei der Nährstoffversorgung der Böden und damit auch bei dem aufstockendem Wald.

Im Norden und Osten schließt sich das Waldecker Tafelland an. Der durch Zechstein und Buntsandstein geprägte Naturraum umfasst nachgerade den Rumpf des Kellerwalds. Im Gegensatz zur eher rauen Morphologie des Schiefergebirges ist die Landschaft der Waldecker Tafel eher sanft geschwungen. Hier säumt der historische Alte Wald die ehemalige Landesgrenze zwischen Waldeck und Kurhessen. Die im Vergleich zum dolomitischen Zechsteingebiet eher nährstoffarmen Böden auf Buntsandstein sind durch einen höheren Anteil an anspruchsloseren Baumarten, wie Kiefer und Eiche gekennzeichnet.

Bildergalerie Geologische Situation

Die geologische Situation im Forstamt Vöhl
Gefalteter Kieselschiefer über einer Diabasblase bei Bergfreiheit
Buntsandstein verbaut in der Kirche von Wellen
Zechsteinfelsen bei Ober-Werbe
Blick von Hundsdorf über den Kellerwald
Blick über das Edertal und auf den Alten Wald
 

Geographische Lage

Das Forstamt Vöhl umschließt mit seinen Waldflächen den Edersee. Dieser schlängelt sich über eine Länge von 28,5 km durch das Forstamt. Mit 11,8 m² Wasseroberfläche und einem Stauvolumen von über 200 Mio. Kubikmetern ist er der zweitgrößte Stausee Deutschlands. Der Edersee gehört zu den besonderen touristischen Destinationen in Hessen.

Der Forstamtsbereich Vöhl umfasst die politischen Gemeinden Lichtenfels, Vöhl, Waldeck, Edertal, Bad Wildungen und Haina (Kloster). Als Einheitsforstamt bewirtschaftet das Forstamt Vöhl nicht nur den Wald des Landes Hessen, sondern auch den der Kommunen und der meisten Privatwaldbesitzer und als Untere Forstbehörde trägt es dazu bei, dass die hohen Standards der multifunktionalen nachhaltigen Forstwirtschaft in Hessen über Besitzgrenzen hinweg gewährleistet werden. Spuren längst überwundener Grenzen, die Zeugnis ablegen von der Zeit der deutschen Kleinstaaterei, finden sich viele in den Wäldern. Da sind zum Beispiel die alten Grenzen zwischen dem Fürstentum Waldeck und dem Großherzogtum Hessen und Kurhessen oder zwischen Kurköln und Waldeck. Auch die ehemals hessischen Enklaven im Waldeckischen Territorium Eimelrod, Hemmighausen, Deisfeld und Höringhausen sind noch gut anhand ihrer Grenzsteine erkennbar.

Die Grenze zwischen dem Fürstentum Waldeck und Hessen (seit 1866 Preußen) verlor erst 1928/1929 mit dem Staatsvertrag über die Vereinigung Waldecks mit Preußen ihre Bedeutung.

Bildergalerie Geografie

Blick vom Knorreichenstieg über den Edersee
Grenzstein zwischen Großherzogtum Hessen und Fürstentum Waldeck
Blick über Altwildungen mit Schloss Friedrichstein