Übersicht der hessischen Forstämter

Forstamt Wolfhagen  –  Naturschutz

Naturschutz

Moor Essigberg mit Wasser. Blick zum Essigbergturm.

Für das Essigbergmoor haben wir die Habitatpatenschaft übernommen (Foto: W. Schmidt)

Der heimische Wald liefert uns einen wertvollen umweltfreundlichen Rohstoff, das Holz. Der Wald ist gleichzeitig der artenreichste Lebensraum in Hessen. Nirgendwo sonst finden sich so viele, oft auch seltene und empfindliche Tier- und Pflanzenarten.

Viele ehemals in Hessen ausgestorbene Arten sind in unsere Wälder zurückgekehrt: Schwarzstorch, Kolkrabe, Uhu, Wildkatze, Biber, Fischotter und Luchs fühlen sich jetzt wieder heimisch.
Wir wissen, dass Hessens Wälder für viele Arten ein wertvoller Lebensraum sind. Für beide wichtigen Funktionen des Waldes – die Nutzung und den Artenschutz – übernehmen wir die Verantwortung und berücksichtigen sie in unserer täglichen Arbeit.

1. Europäisches Schutzgebietsnetz

Hessens Wälder sind wertvolle Lebensräume, hier ein Buchenbestand von etwa 90-jährigen Buchen und Naturverjüngung. (Foto: F. Scheler / HessenForst)

Hessens Wälder sind wertvolle Lebensräume, hier ein Buchenbestand von etwa 90-jährigen Buchen und Naturverjüngung. (Foto: F. Scheler / HessenForst)

Wir vom Forstamt Wolfhagen erarbeiten als Partner der Oberen Naturschutzbehörde Managementpläne für die Natura-2000-Gebiete. Diese umfassen im Forstamt mit den Flora-Fauna-Habitaten (6.500 Hektar) und den Vogelschutzgebieten (850 Hektar) rund 1/3 der Waldfläche in der Region. Bezogen auf die Staatswald-Betriebsfläche (6.650 Hektar) beträgt der Natura-2000-Anteil genau 55 Prozent (3.676 Hektar).
Die durch die obere Naturschutzbehörde veröffentlichten Managementpläne können im Natureg-Viewer des Landes Hessen eingesehen werden.

Das Forstamt betreut außerdem 32 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von ca. 945 Hektar - davon befinden sich rund 267 Hektar im Staatswald (4 Prozent Staatswald-Betriebsfläche).

2. Naturschutzleitlinie

Habitatbäume werden mit einem „H“ dauerhaft gekennzeichnet. (Foto: L. Postl / HessenForst)

Die Naturschutzstrategie von HessenForst trägt wirksam zu den Biodiversitätszielen des Landes Hessen bei. Habitatbäume werden mit einem „H“ dauerhaft gekennzeichnet. (Foto: L. Postl / HessenForst)

Wir bewirtschaften den Staatswald nach den Grundsätzen des naturgemäßen Waldbaus. Dadurch sind wir in der Lage, Naturschutzanliegen sehr gut in unsere tägliche Arbeit zu integrieren.

Eine wichtige zusätzliche Grundlage für den Naturschutz im Forstamt ist die Naturschutzleitlinie für den hessischen Staatswald.

Diese enthält die folgenden vier Säulen:

Säule 1: Naturschutzkodex

Säule 2: Habitatbäume

Säule 3: Kernflächen

Säule 4: Arten- und Habitatpatenschaften

3. Totholz

Totholz ist Lebensraum für unzählige Arten, hier für einen Baumpilz. (Foto: T. Ullrich / HessenForst)

Totholz ist Lebensraum für unzählige Arten, hier für einen Baumpilz. (Foto: T. Ullrich / HessenForst)

Viele und oft auch seltene Arten im Wald wie holzzersetzende Pilze, Käfer und andere meist unscheinbare Kleinstlebewesen finden ihren Lebensraum im Totholz. Totholz ist daher ein weiterer wichtiger Stützpfeiler der Biodiversität.

Studien, wie die Bundeswaldinventur, zeigen eine deutliche Erhöhung der Totholzmenge innerhalb der letzten Jahrzehnte. In nahezu allen Beständen ist daher gegenwärtig Totholz in den unterschiedlichsten Dimensionen vorhanden.

Der Schwerpunkt der weiteren Totholzanreicherung im Forstamt wird aber zukünftig in den Habitatbäumen und Kernflächen sowie schwer zugäng-lichen Bereichen wie den Steillagen liegen. Die Flächen für die Totholz-mehrung haben im Forstamt einen Umfang von ca. 2.000 Hektar.

4. Weitere Naturschutz-Pflegeflächen im Forstamt

Neben den Kernflächen und ausgewiesen Naturschutzgebieten gibt es bei uns im Staatswald Biotope, die wir aus Naturschutzgründen beständig pflegen und nur eingeschränkt bewirtschaften. Dazu gehören Waldränder und Waldwiesen sowie Historische Waldbewirtschaftungsformen:

HessenForst betreut neben dem hessischen Wald auch eine große Anzahl von Waldwiesen. (Foto: M. Mahrenholz / HessenForst)

HessenForst betreut neben dem hessischen Wald auch eine große Anzahl von Waldwiesen. (Foto: M. Mahrenholz / HessenForst)

Waldränder
Waldränder bieten vielen Säugetieren, Vögeln, Insekten, Reptilien und Amphibien einen abwechslungsreichen, oft sonnigen oder feuchten Lebensraum. Im Idealfall sollen Waldränder stufig aufgebaut und von verschiedenen Strauch- und Baumarten durchsetzt sein, um einer Vielzahl von Arten einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Deshalb bedürfen sie einer besonderen Pflege. Dazu werden sie gezielt durchforstet oder aber auch aktiv mit selteneren Gehölzarten angereichert. Im Staatswald des Forstamts sind ca. 181 Kilometer Waldaußenränder kartiert.



Nicht nur der finanzielle Aufwand für die Forstbetriebe ist hoch, damit Waldwiesen aktiv offen gehalten und somit vor der Wiederbewaldung bewahrt werden können. (Foto: L. Karner / HessenForst)

Nicht nur der finanzielle Aufwand für die Forstbetriebe ist hoch, damit Waldwiesen aktiv offen gehalten und somit vor der Wiederbewaldung bewahrt werden können. (Foto: L. Karner / HessenForst)


Waldwiesen
Waldwiesen sind wertvolle Biotope für vielerlei Pflanzenarten wie Orchideen oder seltene Gräser. Insbesondere innerhalb großer Waldgebiete sind es gerade die eingestreuten Waldwiesen, die den Waldtieren einen wichtigen Nahrungsraum bieten. Da diese Waldwiesen aber aus landwirtschaftlicher Sicht kaum Beachtung finden –, weil sie meist wenig ertragreich sind, oft auch schlecht zu bewirtschaften und ebenso schlecht zu erreichen –, müssen sie durch den Forstbetrieb oft mit besonderem finanziellen Aufwand aktiv offengehalten und somit vor dem Zuwachsen bewahrt werden.
Im Staatswald des Forstamtes findet man 650 Hektar Huteweiden und Waldwiesen ganz unterschiedlicher Flächengröße und Form.





Eichenhutewald im Firnsbachtal. Ein Hutewald ist eine traditionelle Waldnutzungsform, bei der Wald als Weide bis Ende des 19. Jahrhunderts genutzt wurde. (Foto: T. Arend / HessenForst)

Eichenhutewald im Firnsbachtal. Ein Hutewald ist eine traditionelle Waldnutzungsform, bei der Wald als Weide bis Ende des 19. Jahrhunderts genutzt wurde. (Foto: T. Arend / HessenForst)

Historische Waldbewirtschaftungsformen
Noch Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hatte die Eiche als Bauholz und für die Schweinemast eine gewisse Bedeutung. In den Waldrandlagen des Habichtswalds zur Stadt Kassel hin und zu weiteren Anrainergemeinden hat die Eiche heute noch einen guten Anteil in den Buchenwäldern.
Einzelne Relikte einer historischen Form der Eichen-Bewirtschaftung – den Eichenhutewald – findet man noch im Waldrandbereich am Auslauf des Firnsbachtals im südlichen Habichtswald. Diese Bestände sind nicht nur aus kulturhistorischen, sondern auch aus ökologischen Gesichtspunkten wertvoll und werden vom Forstamt erhalten.

Summe der Naturschutzflächen im Staatswald des Forstamtes Wolfhagen

NaturschutzeinschränkungNaturschutzkategorieHektar
Nicht forstlich genutzte FlächenKernflächen Naturschutz405
Nicht forstlich genutzte FlächenHabitatbaumflächen100
Naturschutzpflegeflächen innerhalb und außerhalb von NaturschutzgebietenNaturschutzgebiete im Staatswald92
Naturschutzpflegeflächen innerhalb und außerhalb von NaturschutzgebietenNatura-2000-Schutzgebietsflächen3.676
Weitere Naturschutz-Pflegeflächen im Saatswald191
Gesamtsumme4.464
Anteil an der Waldfläche im Staatswald67 %

Für Rückfragen steht Ihnen unser Forstamtsteam gerne zur Verfügung.
Ihr Ansprechpartner für Naturschutzangelegenheiten ist:

Reinhard Vollmer
Tel.: 0175 5726321
E-Mail: Reinhard Vollmer