Besucherandrang in Naturschutzgebieten

06.05.2021

Störungen in Schutzgebieten und Vermüllung der Landschaft nehmen zu.

Müllansammlung im Naturschutzgebiet (Quelle: HessenForst)

Seit Corona nehmen die beobachteten Verstöße gegen Verordnungen zum Schutz der Naturschutzgebiete drastisch zu. Hinzu kommt immer mehr illegal entsorgter Müll in der Landschaft. Insbesondere an den Wochenenden werden die Schutzgebiete verstärkt zur Erholung aufgesucht. Dabei kommt es derzeit häufig zu Problemen mit nicht angeleinten Hunden, mit Besuchern, die Wege verlassen oder die Pflanzen entnehmen. „Die meisten Arten reagieren nicht, wenn sich Menschen auf Wegen bewegen, sobald sie diese aber verlassen, werden sie als Feind wahrgenommen. Dann flüchten Tiere und lassen notfalls sogar Ihren Nachwuchs im Stich“, so Ralph Baumgärtel, im Forstamt Groß-Gerau zuständig für die Schutzgebiete entlang des Rheins. Viele empfindliche Arten finden sich nur in den Naturschutzgebieten, wo in der Regel ein striktes Wegegebot gilt. Störungen sind da besonders schwerwiegend für die Artengemeinschaft.

Deutlich zunehmend ist die Verschmutzung von Waldparkplätzen, Schutzhütten und sogar Beobachtungsständen. Dort finden Picknicks und Zusammenkünfte statt, an deren Ende große Mengen Müll zurückgelassen werden. Das Aufstellen von mehr Mülltonnen im Außenbereich ist keine Option und führt nach Aussage des Forstamtes Groß-Gerau eher zu noch mehr Müll in der Landschaft. Der Aufwand für die Mitarbeiter von HessenForst für die Entsorgung von Freizeitmüll ist in diesem Jahr stark gestiegen.

Die Problematik betrifft nicht nur die traditionell hoch frequentierten Rheinauenschutzgebiete, sondern nahezu alle Schutzgebiete im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Groß-Gerau. Im Mönchbruch werden illegal Pflanzen gesammelt, die großen Wiesen betreten und auch in den Frankfurter Schutzgebieten ist eine Zunahme der Besucher zu beobachten. Forstamtsleiter Klaus Velbecker hat Verständnis für die Menschen, die in diesen Zeiten ins Freie drängen, bemängelt aber im gleichen Zug das fehlende Verständnis mancher Zeitgenossen für den Naturschutz. „Gerade im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet müssen wir die besonderen Belange des Naturschutzes durchsetzen.“ An den Wochenenden und Feiertagen organisiert das Forstamt Groß-Gerau die amtliche Naturschutzwacht, die in einigen Gebieten den Besuchern als Ansprechpartner zur Verfügung steht und illegales Verhalten unterbinden soll.