Borkenkäfer-Kalamität – Wir im Forstamt Rüdesheim setzen seit Jahrzehnten auf den integrierten Waldschutz

17.05.2019

Das bundesweite Problem der Borkenkäfer-Massenvermehrung, das zu großen Verlusten bei den Fichtenwäldern führt, macht auch vor dem Rheingauer Wald nicht Halt. Eine große Zahl der Fichtenbestände ist vom Borkenkäfer (meist vom Buchdrucker, aber auch von anderen Borkenkäferarten) befallen. Vielerorts zeigen die sich rot verfärbenden Fichten den Befall an und lassen dann alle Nadeln fallen.

Um den Schaden für den Wald und für die waldbesitzenden Kommunen so gering wie möglich zu halten, setzt das Forstamt Rüdesheim schon immer auf den sogenannten integrierten Waldschutz, bei dem neben dem Ausnutzen aller ökologischen Wirkungen eine Kombination aus waldbaulichen, biologischen, mechanisch/technischen oder im Ausnahmefall auch chemischen Maßnahmen zur Anwendung kommt.  Hier spielen neben den bekannten forstlichen Maßnahmen, die derzeit im Akutfall ergriffen werden, sehr wichtig auch die helfenden natürlichen Gegenspieler der Borkenkäfer eine besondere Rolle.

Borkenkäfer sind auch natürliche Nährtiere für andere Tiere im Wald. Am besten bekannt als Fressfeinde für Insekten sind Vögel und hier besonders die Specht- und Meisen-Arten. Die Vogelarten sind in diesem Frühjahr bestens versorgt und können ihre Brut mit gutem Erfolg aufziehen und so eine große Zahl von Insekten vertilgen. Allerdings kann die Vogelpopulation nicht so schnell auf eine Insekten-Massenvermehrung reagieren. Da können andere Insektenarten deutlich mehr leisten, da auch sie von der milden Witterung des letzten Jahres profitiert haben und in großer Zahl vorhanden sind. Die wichtigsten Helfer gegen die Borkenkäfer haben wir in den Waldameisen.  Die verschiedenen Arten der Waldammeisen können mit großer Energie und sehr zeitnah auf die Massenvermehrung anderer Insekten reagieren und so zum Beispiel die Borkenkäfer und deren Larven zur Versorgung ihrer eigenen Völker absammeln. Jetzt bewährt sich die stetige Rücksichtnahme auf diese kleinen Helfer und der absolute Schutz der Ameisenvölker bei den forstbetrieblichen Arbeiten. In Waldbeständen mit mehreren Ameisenhaufen der Großen Roten Waldameise oder besonders der Kleinen Roten Waldameise (Formica polyctena)  ist ein deutlich geringerer Befall mit Borkenkäfern zu beobachten.