Der Wald im Klimawandel: Dürre und Hitze bedrohen den Wald

15.08.2019

Stürme, lang anhaltende Hitze, Schädlinge und extreme Trockenheit. Der Klimawandel hat die Wälder des Forstamt Jesberg in den vergangenen 19 Monaten stark mitgenommen. Große Flächen sind bereits nahezu entwaldet. Vielerorts sterben sogar die alten Buchenwälder ab, weil sie dem zweiten Extremsommer in Folge nicht standhalten. Eine ökologische Katastrophe. Försterinnen und Förster sehen sich einer großen Aufgabe gegenüber: den Wald von morgen klimastabil wieder aufzubauen. Allein im Staatwald muss in den nächsten Jahren viel Geld investiert werden, um neue Bestände zu begründen. Dafür feilt HessenForst am Programm „Mischwald für morgen“. Das Ziel: Alle Waldfunktionen dauerhaft sichern, damit auch künftige Generationen die Vielfalt des Waldes als Lebensgrundlage behalten.

Januar 2018. Das Sturmtief Friederike wirft mehrere Tausend Festmeter (1) Fichte. Ab Februar setzt fast gleichzeitig eine bis September andauernde unvergleichliche Dürreperiode ein. Zusätzlich waren die Monate April bis September im Vergleich zum jeweils langjährigen Mittel deutlich zu warm. Optimale Brutbedingungen für die Fichtenborkenkäfer, die ihrerseits in 2018 tausende von Fichten zum Absterben bringen. Allein in der Fichte fallen so in 2018 im Forstamt Jesberg rd. 58.000 Festmeter Fichte den Witterungsextremen zum Opfer. Auch anderen Baumarten, wie z.B. der Rot-Buche sind deutliche Vitalitätsschwächen anzusehen. Ein vorzeitiger Laubabwurf ist bereits im Juli überall zu beobachten. Insgesamt lag die Jahresdurchschnittstemperatur in 2018 um 2,2 °C über dem langjährigen Mittel.

Einen Sommer später, im Jahr 2019, ist das Bild verheerend. Die Niederschläge in den Wintermonaten waren nicht ausreichend, um die leeren Wasserspeicher in den Böden aufzufüllen. Durch den zu milden Winter, konnten überdurchschnittlich viele Schädlinge vom Vorjahr überwintern. Die Monate Juni und Juli waren erneut viel zu trocken. Im Juli fielen in Hessen nur 55% der üblichen Niederschlagsmenge. Hinzu kamen neue Hitzerekorde über mehrere Wochen im Juni. Bereits bis Anfang August wurden die Schadholzmengen des Vorjahres fast egalisiert, rd. 57.000 Festmeter allein in der Fichte. Erschreckend ist das Bild vor allem in der Buche: Altbuchenbestände zeigen hektarweise Absterbe Erscheinungen. Dabei ist Hessen Buchenland. Auch Lärchen fallen vermehrt den Borkenkäfern zum Opfer. In der Kiefer führt die Witterung vermehrt zum Diplodia-Triebsterben (2) und bringt etliche Bäume zum Absterben. Das vermehrte Auftreten der aus Nordamerika eingeschleppten Rußrindenkrankheit am Berg-Ahorn, wird ebenfalls auf die extremen Sommer 2018 und 2019 zurückgeführt.

Aber auch dort, wo keine Bäume absterben, können Waldbesucher vielerorts in der Vitalität geschwächte Bäume beobachten. Je nach Luftfeuchte und Temperatur verliert die Pflanze Wassermoleküle an die Umgebung (Transpiration). Dieser Wasserverlust löst in den betroffenen Pflanzenteilen eine Saugwirkung aus, die Wasser aus den inneren Pflanzenteilen ansaugt. Das führt zu einem Transpirationssog, der bis an die Wurzel weitergegeben wird. Reicht die Wassermenge im Boden nicht aus, können die oberen Kronenbereiche nicht mehr mit Wasser versorgt werden, da mit zunehmender Höhe die Schwerkraft der Saugwirkung immer mehr entgegenwirkt. Das Ergebnis kann derzeit überall beobachtet werden: die Bäume trocknen von oben her ab. Baumarten, die da-zu in der Lage sind, bilden dann ersatzweise im unteren Stammbereich sogenannte Wasserreiser aus. Durch die trockenen Äste besteht überall eine erhöhte Gefährdung für Waldbesucher, denn wo zunehmend Kronenteile oder ganze Bäume absterben, kann es auch vermehrt zu Astabbrüchen kommen. Besonders bei windigem Wetter sollten Spaziergänge im Wald daher besser vermieden werden.

Für den Wald sind die Witterungsextreme der vergangenen 20 Monate eine ökologische Katastrophe. Waldbesitzer müssen enorme wirtschaftliche Verluste hinnehmen. „Und auch für uns Förster ist die gegenwärtige Situation nur schwer zu ertragen. Lange gepflegte Bestände sind plötzlich verschwunden, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Der Klimawandel ist für uns eine große Herausforderung. Jetzt gilt es den Wald wieder aufzubauen damit auch zukünftige Generationen von den vielfältigen Funktionen eines biodiversen und klimastabilen Mischwaldes profitieren können“, resümiert Forstamtsleiter Karl-Gerhard Nassauer. „Denn unser Wald ist auch morgen für uns Menschen von existenzieller Bedeutung als Lebensraum, für unsere Gesundheit und für unser Weltklima.“

1 – Ein Festmeter ist eine Volumeneinheit für Rohholz. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.

2 – Ursache für das Diplodia-Triebsterben ist ein natürlicher Weise an der Kiefer vorkommender Pilz, der bei normalen Witterungsbedingungen für die natürliche Astreinigung am Baum sorgt