Gefahr in Wäldern nimmt zu HessenForst besorgt – Klimastress lässt Bäume absterben

12.08.2019

Das Dürrejahr 2018 hat dem Wald stark zugesetzt. Bereits seit dem letzten Jahr befallen Borkenkäfer und Pilze mit bisher nicht dagewesener Aggressivität Nadelwälder. Nun zeigen auch die Laubbäume, wie sehr sie unter der Dürre gelitten haben und sterben ab. Försterinnen und Förster von HessenForst weisen darauf hin: Durch absterbende Bäume steigen auch die Gefahren im Wald. Trockene Äste oder ganze Bäume können schon bei leichtem Wind zu Boden stürzen. Beim Waldbesuch ist besondere Vorsicht geboten.

„Wir hatten nach der letztjährigen Dürre befürchtet, dass wir in diesem Jahr auch bei Buchen und anderen Laubbäumen Probleme beobachten müssen – doch das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der jetzt Schäden auftreten und Bäume sterben, überrascht uns“, so Stefan Ambraß, Leiter vom Forstamt Wetzlar. „Es beginnt in der Baumkrone – nach dem Austrieb der Blätter im Frühjahr wurden erste Stellen trocken und binnen weniger Wochen starben die Bäume ab“, schildert Ambraß die kritische Lage. In ganz Hessen sind solche Absterbeerscheinungen zu beobachten. Wurzeln wurden durch die ausgetrockneten Böden geschädigt, die Rinde teilweise durch Sonnenbrand verletzt. Am Ende sind es Pilze, die den geschwächten Bäumen das Leben kosten. Die Pilze zersetzen das Holz und machen es brüchig. Je nach Befall brechen dann Kronenteile oder auch ganze Stämme ab. Ambraß: „Dadurch entstehen Gefahren, die allen Waldbesucherinnen und Waldbesuchern bewusst sein müssen. Nur entlang öffentlicher Straßen und an Park-, Spiel- oder Grillplätzen beseitigen wir akute Gefahren schnellstmöglich. Innerhalb des Waldes können und müssen wir diese nicht beseitigen.“ Wer sich im Wald bewegt, sollte deshalb immer auch den Blick nach oben richten und den Pausenplatz nicht unter trockenen Baumkronen auswählen. „Auch die vorübergehende Sperrung von Waldwegen und -flächen wegen zu hoher Gefahr durch absterbende Bäume ist nicht ausgeschlossen. Das machen wir nicht gern – aber für diese Maßnahmen bitte ich die Bevölkerung bereits jetzt um Verständnis und darum, Sperrungen immer zu akzeptieren.“

Kampf gegen Borkenkäfer

Auch die Borkenkäfer sind in diesem Jahr wieder ein riesiges Problem. Nach dem milden Winter bieten jetzt – bei warmen Temperaturen und noch immer trockenen Waldböden – geschwächte Fichtenwälder gute Vermehrungsgrundlagen. Der Diplodia Pilz lässt Kiefernwälder mancherorts großflächig sterben, der sogenannte Rußrinden-Pilz setzt dem Ahorn zu, Eschen leiden weiterhin am von Pilzen verursachten Triebsterben.

„Seit Monaten machen wir alles in unserer Macht stehende, um den Wald zu erhalten, doch die Situation ist einfach extrem“, sagt Ambraß. „Den Wald umzubauen dauert lange. Seit Jahrzehnten arbeiten wir auf klimastabile Wälder hin. Doch jetzt entstehen große Kahlflächen die den schrittweisen Waldumbau erschweren.“ Junge Waldbäume wachsen  am liebsten unter den schützenden Baumkronen ihrer Elterngeneration heran. Manche mit mehr, manche mit weniger Schatten – doch die pralle Sonne oder Spätfrost auf offenen Flächen ist immer ein Risiko. Hinzu kommt die auf Freiflächen oft üppige Vegetation aus Gräsern, Brombeere oder Farnen, die für junge Setzlinge lebensbedrohliche Konkurrenz sein kann oder natürliche Waldverjüngung verhindert.

Das warme Klima begünstigt auch die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners. Bei diesem grauen und ca. 3 cm großen Falter stellen die Raupen teilweise eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar. Im Zeitraum Mai bis Juli treten die meist nachtaktiven Raupen an Eichen auf. Am Tage und zur Häutung sammeln sich die Raupen in Gespinstnestern und wandern gegen Abend In langen Reihen zu ihren Fraßplätzen. „Diese Form der Fortbewegung ist Grund für den Namen „Prozessionsspinner“. In den Gespinstnestern sammeln sich die giftigen Brennhaare der Raupen. Diese stellen über Monate hinweg eine gesundheitliche Gefahr dar, denn Hautkontakt oder Einatmen der Brennhaare können juckende, entzündliche Rötungen und Atemnot verursachen“, sagt Ambraß. Die Nester können von Spezialfirmen abgesaugt werden. Weil dies sehr aufwendig ist und es unmöglich ist, sämtliche Nester im Wald ausfindig zu machen, wird diese Maßnahme üblicherweise nur an besonderen Stellen wie Waldkindergärten oder in bewohnten Gebieten durchgeführt. Daher kann nicht vermieden werden, dass man im Wald auf Nester des Eichenprozessionsspinners trifft. „In diesem Fall sollte sich der Waldbesucher den Nestern nicht nähern und direkten Kontakt unbedingt vermeiden“ rät Stefan Ambraß. Verwechselt werden können die Nester mit den Gespinsten der Gespinstmottenarten, die Triebe und Zweige an Bäumen und Sträuchern einspinnen.  

Für Rückfragen steht Ihnen das Forstamt Wetzlar unter der Rufnummer 06441 – 67901 – 0 oder die Pressestelle von HessenForst unter der Rufnummer 0561 3167-167 gerne zur Verfügung.