Inventur von Wildeinfluss im Wald

05.05.2021

Erfassung von Verbissschäden als Grundlage für die Abschussplanung.

Mitarbeiter des Forstamtes Groß-Gerau bei der Aufnahme der Verbissschäden
(Quelle: S. Baumgärtel, HessenForst)

„Buche 30 cm, verbissen. Buche 50 cm, nicht verbissen. Esche 20 cm, nicht verbissen……,“ schallt es durch den morgendlichen Wald. Mit einem Messstock vermisst Christian Kehrenberg vom Forstamt Groß-Gerau auf einer abgesteckten Probefläche im Staatswald kleine Bäumchen. Es werden Baumarten, Wuchshöhe und Vorhandensein oder Fehlen von frischen Wildverbissspuren protokoliert. Im Hintergrund befindet sich ein wilddicht abgezäuntes Kleingatter, das als Referenzfläche dient und ebenfalls aufgenommen wird. Aus dem Vergleich der Vegetation in und außerhalb der gezäunten Fläche ergeben sich Rückschlüsse auf den Einfluss von Rehen und Damwild auf die Waldvegetation. Zusätzlich werden Angaben zum Waldbestand, den langfristigen Bestandeszielen und der krautigen Vegetation erhoben. Auf Basis der Datenanalyse wird ein forstliches Gutachten erstellt, das den örtlichen Hegegemeinschaften und der Unteren Jagdbehörde als Grundlage für die zukünftige Abschussfestsetzung dient.

Forstamtsleiter Klaus Velbecker betont „Wald und Wild gehören zusammen, die Verhältnisse innerhalb der gezäunten Fläche sind somit auch nicht das Wunschziel der Förster. Es geht vielmehr darum, objektiv Daten zu erheben und daraus die Einflussnahme des Wildes auf die zukünftige waldbauliche Zielsetzung abzuleiten.“ Wichtigstes Ziel ist es, die natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten ohne Zaunschutz sicherzustellen. Ein Verbiss bis ca. 20 % kann toleriert werden, wenn die Anzahl der Baumarten, sowie die Höhenentwicklung der jungen Bäumchen im und außerhalb des Kleingatters ähnlich ist. Bei einem Verbiss von mehr als 20 % wird in der Regel der Abschuss so lange erhöht, bis das Ziel einer natürlichen Verjüngung der heimischen Baumarten erreicht wird. „Gerade Rehe sind Feinschmecker, sie verbeißen mit Vorliebe die seltenen Baumarten wie die Eiche und können so für eine Entmischung des Baumnachwuchses sorgen, daher auch die gezäunten Referenzflächen“, erklärt Velbecker. „Wir wollen langfristig stabile Mischwälder mit einer hohen Artenvielfalt“. Das aufwendige Weisergatter-Verfahren wird seit diesem Jahr im gesamten Hessischen Staatswald durchgeführt. Im von HessenForst betreuten Kommunal- und Privatwald wird vergleichbar die Verbissbelastung und die daraus resultierenden Abschussvorgaben beim Rehwild hergeleitet.