Nachwuchs beim Schwarzstorch

30.07.2020

Zweiter Horst und fünf Jungstörche

Im Reinhardswald hat sich ein zweites Schwarzstorchpaar niedergelassen.

Die Beobachtungen lassen keine Zweifel: Auf dem Horst stehen drei vollbefiederte und kurz vor dem Ausflug stehende Jungstörche. Schwarzstörche sind ausgesprochen heimlich. Vor menschlichen Blicken verborgen hat der große Vogel in vielen Anflügen Äste und Vegetation zu einem mächtigen Horst zusammengetragen. Durch Zufall wurde der Horst entdeckt als bereits die Altvögel mit dem Brutgeschäft begonnen hatten.

„Wir haben immer darauf gewartet und gehofft, dass sich vielleicht ein zweites Schwarzstorchpaar im Reinhardswald zur Familiengründung niederlässt“, so Wilfried Bettenhausen vom Forstamt und Ansprechpartner für den Naturschutz. Immer wieder wurden uns Sichtungen von Schwarzstörchen gemeldet. Erst letztes Jahr hat das Forstamt einen weiteren Kunsthorst errichtet. Aber darauf hat sich das neue Storchenpaar nicht eingelassen, sondern an anderer Stelle seinen Horst im Original in einer hohen Buche gebaut.

Das seit Jahren etablierte Storchenpaar ist seit dem letzten Jahr auf einen Kunsthorst umgezogen. Das Forstamt hatte diesen vorsichtshalber bauen lassen, weil der Originalhorst so groß geworden war, dass die Statik des tragenden Astes nicht mehr sicher war. Der künstliche Bau wurde auch in diesem Jahr wieder angenommen. Zwei kräftige Jungstörche stehen auch da zum Ausflug bereit.

„Immerhin ein kleiner Lichtblick in unserer so angegriffenen Waldregion in der Spitze Nordhessens“, so Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen über den weiteren Bruterfolg des schwarzen Storches. „Der Reinhardswald als großer Waldlebensraum ist ein Hotspot für seltene Arten. Bleibt zu hoffen, dass das neue Storchenpaar sich in seinem Brutrevier etabliert“, so Kahle weiter. „Nachfragen nach den Aufenthaltsorten bei Forstamt sind zwecklos. Die Horstbereiche sind geschützt und nur der Naturschutzbehörde und Vogelschutzwarte bekannt“, ergänzt Kahle.

Hintergrund
Das Forstamt Reinhardshagen hat eine Artenpatenschaft für den Schwarzstorch (wissenschaftlicher Name: Ciconia nigra – schwarzer Schreitvogel) übernommen. Als sehr störungsempfindliche Art hat das Forstamt daher ein besonderes Augenmerk auf den Vogel gerichtet.
So werden in der Waldbewirtschaftung im Bereich bekannter Horstbäume auf weitgehende Holznutzung verzichtet, Nahrungsbiotope angelegt und Bachtäler in eine naturnahe Bestockung umgewandelt.

Zwei junge Schwarzstörche stehend auf dem Kunsthorst. Ein Vogel ist rechts verdeckt durch einen Buchenast. Die Jungen sind bereits voll befiedert. Die helle, gräuliche Färbung an den Stelzenbeinen und den Schnabel unterscheidet sie von den Altvögeln mit der markanten rötlichen Färbung an diesen Körperteilen.
Die Aufnahme mit dem Handy durch ein Fernrohr entstand Anfang Juli d. J.
Foto: Burghard Ritter / HessenForst