„Rheingauer“ Küstentanne – Saatgut für die Zukunft

15.08.2022

Die vergangenen heißen Tage und der ausbleibende Regen zeigen erneut: der Klimawandel findet statt. Dass diese klimatischen Entwicklungen in den Wäldern bereits erheblichen Schaden angerichtet haben, ist vielerorts zu sehen. Wie die Wälder von morgen klimastabiler gestaltet werden können, ist eine der zentralen Fragen, der sich Försterinnen und Förster stellen, um die positiven Effekte des Waldes als CO2-Senke aber auch die Funktion als wichtiger Rohstofflieferant weiter sicherstellen zu können.

Besonders die Küstentannen aus dem Bereich des Rheingaus sind seit jeher an trockene und warme Witterung gewöhnt. Dies macht sie für andere Regionen in Deutschland interessant. Mit ihrer hohen Wuchsleistung von bis zu 20 Kubikmetern / Hektar im Jahr bindet sie schnell CO2. Ihr Holz eignet sich hauptsächlich für die Herstellung von Paletten, jedoch ist sie ein robuster und relativ standsicherer Baum.

Damit auch andere forstwirtschaftliche Betriebe in Deutschland die Vorzüge der Rheingauer Küstentanne bei der Wiederaufforstung ihrer Kahlflächen nutzen können, läuft aktuell die Zapfenernte an der Großen Küstentanne, um deren Samen zu gewinnen. Dabei klettern Zapfenpflücker bis zu 40 m in die Kronen und ernten die Zapfen von Hand aus den Bäumen. Pro Baum können dabei bis zu 50 kg Zapfen zusammenkommen. Jedes Kilogramm Zapfen enthält ca. 40 Gramm Samen, die nach der Anzucht in der Baumschule nach 3 bis 4 Jahren im Wald ausgepflanzt werden. Jedoch wird nicht aus jedem Samen ein Baum: nur rund 50% entwickeln sich unter optimalen Bedingungen in der Baumschule zu einer kleinen Küstentanne. Der Anwuchserfolg in der Natur liegt weit darunter.

Die Saatgutgewinnung ist mit einigen Vorgaben versehen. Der hohe Aufwand von der Ernte über die Aussaat und Anzucht in der Baumschule bis zur Pflanzung im Wald wird nur für Saatgut betrieben, das aus zertifizierten Beständen stammt. Die Bäume aus diesen Beständen müssen bestimmten Qualitätsstandards genügen, die sie an ihre Nachkommen weitergeben sollen. Zudem sind für alle Baumarten Herkunftsgebiete ausgewiesen. Diese geben Aufschluss über die Eignung einer Baumart in einem Naturraum. Da die Küstentanne vergleichsweise anspruchslos ist, gibt es für sie nur zwei Herkunftsgebiete. Bei der Traubeneiche sind es, zum Vergleich, 14 Herkunftsgebiete.

Zapfenpflücker bei der Arbeit