Verabschiedung der Forstwirte in der freien Natur

29.06.2020

Alle 25 Auszubildenden schlossen ihre Prüfungen erfolgreich ab

Es ist alles anders in Zeiten von Corona! Nach dem „Lockdown“ stand nicht fest, ob die Abschlussprüfungen der angehenden Forstwirtinnen und Forstwirte überhaupt durchgeführt werden könnten und von einer möglichen Abschlussfeier war man noch viel weiter entfernt. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt und die aus allen Teilen Hessens stammenden Auszubildenden konnten nicht nur ihre Prüfungen absolvieren, sondern doch noch feierlich am Forstlichen Bildungszentrum (FBZ) in Weilburg verabschiedet werden, wenn auch ganz anders als in den Vorjahren.

Die Corona-Hygiene- und Abstandsregeln bestimmten das Geschehen. Passend zum Beruf des Forstwirts fand die Verabschiedung erstmals im Außenbereich des FBZ statt, der mit seinem kleinen Teich, dem schattenspendenden Holzpavillon und den bunten Wildblumen einem sonnigen Naturpark glich und ein stimmungsvolles Ambiente für einen Berufszweig bietet, dessen Betätigungsfeld in Wald und Flur angesiedelt ist.

Anders als in den Vorjahren mussten die frischgebackenen Forstwirte diesmal auf die Anwesenheit von Familienangehörigen, Freunden und Vertretern ihrer Ausbildungsbetriebe verzichten. Die Abschlusszeugnisse und Urkunden wurden nicht überreicht, sondern ausgelegt und die Anwesenden saßen verteilt in dem weitläufigen Gelände. Dennoch war es den Verantwortlichen des FBZ gelungen, einen würdevollen Rahmen für die Feierlichkeiten zu schaffen und das herrliche Sommerwetter trug seinen Teil zum Gelingen bei. An dem Festakt nahmen neben Dr. Claudia Gutsche-Stohldreier von der Sachbereichsleitung Personalentwicklung und Beratung der Landesbetriebsleitung von HessenForst und André Nowotny (ebenfalls Landesbetriebsleitung HessenForst) auch die Mitglieder des Prüfungsausschusses sowie Vertreter der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg teil, mit der das FBZ im Rahmen der Forstwirtausbildung kooperiert.

Die feierliche Verabschiedung der jungen Forstwirtinnen und Forstwirte am Forstlichen Bildungszentrum fand in diesem Jahr erstmals unter freiem Himmel statt (Bild: Dr. Böttig)

Eröffnet und moderiert wurde die Verabschiedung von dem Leiter des Forstlichen Bildungszentrums Weilburg, Werner Wernecke, der noch einmal auf die besonderen Umstände der diesjährigen Prüfung einging und allen Beteiligten – sowohl den Prüflingen als auch den Prüfern – dankte, dass die Prüfungen, trotz der außergewöhnlichen Umstände, recht reibungslos über die Bühne gegangen seien. Besonders erfreut zeigte sich der leitende Forstdirektor darüber, dass alle 25 Absolventinnen und Absolventen bestanden haben. Und eine weitere gute Nachricht hatte Werner Wernecke noch parat: Alle, die die Ausbildung bei „HessenForst“ absolviert haben und deren Durchschnittsnote nicht schlechter als 3,49 sei, würden auch ein Übernahmeangebot erhalten.

„Danke!“, sagte Dr. Claudia Gutsche-Stohldreier als Vertreterin der Landesbetriebsleitung HessenForst all denen, die zu der qualifizierten Ausbildung der Forstwirte beigetragen haben. „Der Wald in Hessen lebt von Ihrer Arbeit!“, wandte sie sich an die Prüflinge und betonte, wie bedeutungsvoll der Beruf der Forstwirtin und des Forstwirts insbesondere in der heutigen Zeit ist. Denn nicht nur Corona sei derzeit eine große Belastung, auch der Wald und damit unsere Umwelt leide schon seit Jahren unter der zunehmenden Trockenheit und Käferplagen. Hier seien die Forstwirtinnen und Forstwirte vor große Herausforderungen gestellt.

„Ich freue mich, dass die Abschlusszeugnisübergabe doch in einem feierlichen Rahmen stattfinden kann, denn Abschlüsse macht man nicht so häufig im Leben, zu Zeiten von Corona halt eben anders.“ Dr. Ulla Carina Reitz, die Schulleiterin der Wilhelm-Knapp-Schule, ging ebenfalls auf die Besonderheit der Situation ein. „Sie haben sich online auf die Prüfungen vorbereitet und diese zu einer Zeit absolviert, wo ein eklatanter Ausbruch des Virus immer noch wahrscheinlich war. Sie haben Nerven bewahrt und das Beste aus der Situation gemacht.“ Was bleibt, sei ein Bewusstsein, dass eine solche Pandemie immer wieder auftreten kann, ein Bewusstsein, dass wir unsere Lebensumstände verändern müssen, dass das Leben mehr ist als das Streben nach immer weiter, immer höher, immer mehr, unterstrich die Oberstudiendirektorin. Ihr besonderer Dank galt dem Ausbildungsteam vom Forst ebenso wie den Lehrkräften der Weilburger Berufsschule, die im Forstbereich unterrichten, und sie zeigte sich erfreut über die sehr gute Kooperation von FBZ und WKS. Gemeinsam hätten sie die Auszubildenden durch die Jahre ihrer Ausbildung begleitet und sie gefördert.

Martin Hennemuth war als Vertreter des Gesamtpersonalrats und Mitglied des Prüfungsausschusses von den Prüfungsleistungen begeistert und freute sich über das Gesamtergebnis. Er habe bei den Prüfungen einen tollen Umgang der Absolventinnen und Absolventen mit dem Wald im Bereich der Jungbestandspflege gesehen, betonte der Personalratsvertreter. Die 25 neuen Forstwirtinnen und Forstwirte seien hochqualifizierte Arbeiter, die eine tolle Ausbildung absolviert hätten, fügte er hinzu. „Kommen Sie immer gesund nach Hause!“, wünschte der Personalratsvertreter den jungen Forstwirtinnen und Forstwirten abschließend und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass er viele von ihnen bei der Meisterprüfung wiedersehen werde.

Lob und Dankesworte für die erbrachten Leistungen bildeten einen Aspekt der Ansprache von Christian Reiter, der als amtierender Vorsitzender des Prüfungsausschusses federführend für die Organisation und Durchführung der Prüfungen verantwortlich war. Aber der Arbeitslehrer am FBZ schlug auch kritische Töne an. Zunächst zeigte sich Christian Reiter erfreut, über das äußerst erfolgreiche Abschneiden der 25 Prüflinge, von denen 17 ihre Ausbildung mit der Note „Gut“ abgeschlossen hätten und zehn eine Eins vor dem Komma stehen haben. Auch dankte er dem Prüfungsausschuss und allen Beteiligten für den reibungslosen Ablauf der Prüfungen. Nachdenklicher wurde Christian Reiter, als er einen Ausblick zur derzeitigen Situation in Deutschland und der Welt wagte. Zwar würde die Corona Pandemie zurzeit alles überlagern, aber auch die Unruhen in den USA verdeutlichten, wie weit weg wir manchmal von einer aufgeklärten, zivilisierten und nächstenliebenden Welt seien. „Wo Minderheiten, die wie in den USA ja schon einen erheblichen Teil der Bevölkerung stellen, ausgegrenzt werden, entsteht ein Nährboden, der jede Gesellschaft ins Unheil stürzt, auch und insbesondere die Mehrheiten“, hob der Prüfungsausschussvorsitzende hervor. Diese Ausgrenzung fange damit an, dass man einander nicht mehr zuhöre und den Respekt vor der Meinung des Gegenübers verlieren würde und die Menschen in Gruppen – nach Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht – einteilt. Hier stellte Christian Reiter wieder den Bezug zu den Forstwirten her. Auch diese könne man ohne viel zu differenzieren einer Gruppe zuordnen, die für die Bewirtschaftung des Waldes zuständig sei und der man unterstellen könnte, dass sie hinsichtlich des Waldes nur ihre eigenen Ziele verfolgen würde. „Aber auch wir, die Gruppe der ‚Green lives‘, sollten nicht aufhören für unsere Ideale einzutreten und den Menschen zu vermitteln, dass Wald für uns mehr ist als Holzacker, sondern seine Pflege und sein Erhalt in all seiner Vielfalt unser Antrieb ist“, unterstrich der Arbeitslehrer. „Ich wünsche Euch die Offenheit Menschen zuzuhören, deren Meinung zu tolerieren“ und „[…] die Gabe Euch in Euer Gegenüber hineinversetzen zu können […] bevor Ihr Euch eine Meinung bildet“, gab er den jungen Forstwirtinnen und Forstwirten abschließend mit auf den Weg.

Im Anschluss erfolgte die Vergabe der Prüfungszeugnisse und Forstwirturkunden inklusive des „Europäischen Motorsägenzertifikats“ der höchsten Stufe durch Werner Wernecke, Christian Reiter und Astrid Weber, die seitens der Wilhelm-Knapp-Schule in beiden Abschlussklassen als Klassenlehrerin fungierte. Den Jahrgangsbesten Lukas Valentin (Klasse 17 A) und Marc Katzenmeyer (Klasse 17 B), die beide ihre Ausbildung mit der Durchschnittsnote 1,53 abgeschlossen haben, wurde als Anerkennung für ihre Verdienste traditionsgemäß eine Forstaxt mit persönlicher Gravur verliehen.

Die beiden besten Prüflinge Lukas Valentin (3. von links) und Marc Katzenmeyer (5. von links) erhielten für ihre herausragenden Leistungen eine Forstaxt mit Gravur. Mit den Geehrten freuen sich von links Martin Hennemuth (Gesamtpersonalrat), Dr. Claudia Gutsche-Stohldreier ( Landesbetriebsleitung HessenForst), Astrid Weber (Klassenlehrerin), Christian Reiter (Prüfungsausschussvorsitzender) und Werner Wernecke (Leiter des Forstlichen Bildungszentrums Weilburg)

Als neue Forstwirte wurden verabschiedet:

Klasse 17.A (Klassenlehrerin Astrid Weber): Nils Battermann, Korbach (Waldeckische Domanialverwaltung), Fabian Becker, Marsberg (Waldeckische Domanialverwaltung), Phillip Becker, Wetter (Forstamt Frankenberg), Torben Geßner, Spangenberg (Forstamt Melsungen), Moritz Janus, Herleshausen (Forstamt Kirchhain), Philipp Nöchel, Frankenberg (Forstamt Frankenberg), Eric Rothenbusch, Hüttenberg (Gemeinde Hüttenberg), Maximilian Schmidt, Neunkirchen (Stadt Herborn), Jakob Sporer, Meißner (Forstamt Hessisch-Lichtenau), Lukas Valentin, Bischoffen (Forstamt Kirchhain), Zacharias Vitt, Kirchhain (Forstamt Kirchhain), Peter Nikolai Wolanski, Gießen (Stadt Wetzlar).

Klasse 17.B (Klassenlehrerin Astrid Weber): Christian Albrecht, Eichstruth (Forstamt Fulda), Florian Buschbeck, Kelkheim (Forstamt Königstein), Julius Eckhardt, Heppenheim (Forstamt Lampertheim), Philipp Engert, Mörlenbach (Stadt Lampertheim), Tobias Fleck, Bad Arolsen (Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus), Marc Katzenmeyer, Grasellenbach (Forstamt Lampertheim), Laura Körbl, Büdingen (Forstamt Schotten), Tim Lohrbächer, Grasellenbach (Wissenschaftsstadt Darmstadt), Chantal Mester, Frankfurt (Forstamt Lampertheim), Carsten Michel, Grebenau-Schwarz (Forstamt Fulda), Jan-Hendrik Edmond Röttger, Hellenhahn-Schellenberg (Forstamt Weilburg), Moritz Wiederstein, Hergenroth (Stadt Idstein), Lennart Wurzer, Wiesbaden (Stadt Wiesbaden).