Verantwortungsbewusste Entscheidung

25.10.2019

Zusätzliche Herausforderungen durch Verkehrssicherungsmaßnahmen

Die Dürrejahre 2018 und 2019 stellen die Forstbetriebe vor Herausforderungen, die historisch kaum ein Vorbild haben. Nur 1540 soll es schlimmer gewesen sein. Auch im hessischen Wald hat die Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen und als Folge dessen nahm die Borkenkäferkalamität dieses Jahr eine Dynamik an, die auch die Wissenschaft nicht vorhergesehen hatte und die uns alle vor bisher – abermals – nicht da gewesene Herausforderungen stellt.

HessenForst hat in diesem wie im vorigen Jahr dem Forstschutz die höchste Priorität zukommen lassen. In einem Kraftakt hat der Landesbetrieb in den ersten drei Quartalen 2019 in Zusammenarbeit mit Holzernteunternehmen, Holzrückern und Fuhrleuten die vierfache Menge Fichtenholz gegenüber Normaljahren aufgearbeitet und die Borkenkäfergradation nach Kräften einzudämmen versucht.

Dank an alle Beteiligten

Allen Beteiligten, insbesondere auch der ausgezeichneten Forstunternehmerschaft, dankte Landesbetriebsleiter Michael Gerst für ihr Engagement, das die gemeinsamen Erfolge überhaupt erst möglich machte und in der Folge Fichtenbestände sicherte.

Landesbetriebsleiter Michael Gerst (Foto: A. Fischer)

Doch die Veränderung ist in ihrem Ausmaß und ihrer Dynamik so neu und groß, dass der Landesbetrieb ein Verharren in überkommenen Strukturen der Krisenbekämpfung nicht verantworten kann: „Wir beweisen Mut zur Entscheidung. Denn seit Mitte September zeichnete sich ab, dass die zweite Käfergeneration wohl überwiegend in der Bodenstreu überwintern wird. Eine dritte Generation, die sich in den Vorjahren gebildet hatte, blieb aus. Das heißt: Auch die Natur reagiert für uns unerwartet auf die grundlegenden klimatischen Veränderungen.“ sagte Michael Gerst. „Zudem war die Aufnahmefähigkeit des Holzmarktes absehbar überfordert. Wir zogen die notwendige Konsequenz: Aufgrund der sehr hohen Aufarbeitungsdynamik der letzten Monate haben wir das Tempo, mit dem wir die Schäden begrenzen, bewusst angepasst, und unsere Forstämter aufgefordert, im 4. Quartal 2019 keine neuen Aufträge zur Käferholzaufarbeitung mehr zu erteilen und bestehende Vertragskontingente über die Herbst- und Wintermonate auf die notwendigen waldschutzrelevanten Maßnahmen zu konzentrieren.“

Eine ungekannte Dynamik

Die kurzfristige Anpassung von Aufarbeitungsumfang und -geschwindigkeit war notwendig. Weil die zweite Käfergeneration wohl überwiegend in der Bodenstreu überwintert, kann ein wirkungsvolles Abschöpfen der hohen Befallsdichten durch fortgesetzt hohe Aufarbeitung kaum mehr gelingen. Über diese Grundsatzentscheidung hat der Landesbetrieb die Forstunternehmer direkt über HessenForst Technik und die Forstämter informiert. „Die Entscheidung fiel kurzfristig, und sie trifft die Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, die in längeren Zeiträumen disponieren wollen und müssen. Gleichwohl war die Entscheidung richtig. Wir werden uns wohl darauf einstellen müssen, in den kommenden Jahren immer häufiger mit bisher ungekannten Situationen und Dynamiken konfrontiert zu werden.“ sagte Gerst. HessenForst wird schneller und anders entscheiden müssen als unter den früheren, relativ stabilen Verhältnissen. Insofern ist die Schnelligkeit in der Entscheidung eine zunehmend geforderte Qualität, die in der Forstwirtschaft zwar als ziemlich neu erscheint, aber unerlässlich werden dürfte.

Ebenso schnell kommuniziert wie entschieden

Sobald die Entscheidung zur Anpassung der Aufarbeitungskapazitäten getroffen war, hat der Landesbetrieb sie auch kommuniziert. Dennoch ist klar, dass die Information für jene, die nicht unmittelbar an der Entscheidung beteiligt waren, kurzfristig und überraschend kam. HessenForst will im Dialog besser werden und arbeitet intern an neuen Wegen für einen Fortschritt bei der Auftragsdisposition und -abwicklung in Ausnahmesituationen wie in diesem Jahr. Gerst ergänzt: „Dieser Vorsatz wird uns aber nie von der Verantwortung entbinden, wenn es sein muss, schnell zu entscheiden.“

Die Arbeit geht nicht aus

Noch im laufenden Jahr möchte der Landesbetrieb die Ausschreibungen für Holzerntearbeiten im ersten Quartal 2020 anstoßen. Der tatsächliche Beginn der Arbeiten orientiert sich an den Erfordernissen des jeweiligen Forstamtes. Die Herbst- und Wintermonate nutzt HessenForst zur Begrenzung von Waldschutzrisiken durch gezielte Aufarbeitung. Angesichts der hohen Käferpopulation erwarten die Forstleute eine weiterhin sehr kritische Waldschutzsituation. Die gravierenden und seit dem Sommer dramatisch zunehmenden Schäden an Buchen erfordern zudem kurzfristig umfangreiche Verkehrssicherungsmaßnahmen, z. B. entlang von Straßen. Da das gesamt Ausmaß kaum abgeschätzt werden kann und nach dem trockenen Sommer auch im kommenden Frühjahr mit weiter absterbenden Buchen gerechnet wird, sind normale Holzerntearbeiten zurückgestellt.

Erst kam der Sturm, dann die Dürre und dann der Käfer: die aktuelle Waldsituation war nicht vorhersehbar. (Foto: U. Brandes)

HessenForst trägt Gesamtverantwortung

HessenForst schützt und bewirtschaftet den Wald. Zugleich trägt der Landesbetrieb eine Gesamtverantwortung, die über die primären Aufgaben hinausgeht. Er setzt die Haushaltsmittel, die die Bürger erwirtschaftet haben und die ihm der Gesetzgeber überantwortet hat, zielgerichtet nach den haushaltsrechtlichen Prinzipien und fachlich sinnvoll ein. Und nicht anders. „Wir finden in diesem Zusammenhang keine forstfachliche oder betriebswirtschaftliche Begründung dafür, weiterhin Aufarbeitungskosten für unvermarktbare Holzsortimente zu produzieren, ohne bei der Bekämpfung des Borkenkäfers überhaupt noch nennenswerte Effekte erzielen zu können. Diese klare Entscheidung treffen wir in Verantwortung gegenüber dem Land und seinen Bürgern. Und wir danken der Landesregierung und dem Haushaltsgesetzgeber, dass sie rasch reagiert und die Mittel für den Holzeinschlag mit dem aktuellen Nachtragshaushalt 2019 schon aufgestockt haben.“ Betont der Landesbetriebsleiter. Darüber hinaus habe man weitere überplanmäßige Mittel zum Schutz des Waldes beantragt, über deren Zuweisung noch entschieden werde. Diese Mittel seien begrenzt. Die Anstrengungen, den Folgen des Klimawandels zu begegnen und zugleich den Einsatz für seine Entschleunigung zu verstärken, dürften die Auseinandersetzung um die knappen Haushaltsmittel keinesfalls entschärfen.

Dank der klaren Entscheidung, mit den anvertrauten Ressourcen in der Erfüllung der Aufgaben verantwortungsbewusst umzugehen, bleibt der Landesbetreib HessenForst für alle Beteiligten ein zuverlässiger Partner.