Wälder leiden unter Jahrhundertsommer

27.02.2019

HessenForst: Im Wald wird 2019 viel Betrieb sein – und er wird sich verändern

Der Klimawandel ist da – das hat der Dürresommer 2018 noch einmal verdeutlicht. Neben Sturm „Friederike“ im Januar setzten Dürre und Hitze den Bäumen zu. Auch die Massenvermehrung des Borkenkäfers hat bereits in 2018 enorme Schäden am Wald verursacht – weitere Folgeschäden sind in 2019 sowie den Folgejahren zu erwarten. Die Auswirkungen werden für alle, die im Wald unterwegs sind, sichtbar sein und spürbar bleiben.

Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst, macht deutlich, was im Wald zu erwarten ist: „Um den Wald zu schützen und die Schäden zu begrenzen, müssen wir vom Borkenkäfer befallene Bäume fällen. Deshalb werden verstärkt Holzerntemaßnahmen stattfinden, Wege zeitweise gesperrt sein und viele LKW das Holz abtransportieren. Wir bitten alle Sportler und Erholungssuchenden um Verständnis für diese Schutzmaßnahmen“. Wegen des Ausmaßes der erwarteten Borkenkäfer-Massenvermehrung rechnen die Forstleute damit, dass sich das gewohnte Bild des Waldes verändert. Allein in 2018 musste HessenForst im Landeswald über zwei Millionen Kubikmeter Fichtenholz wegen Sturmwurf und Borkenkäferbefall ernten. Fast dreimal soviel wie in Normaljahren. Auch in 2019 wird mit einem erheblichen Schadholzanfall gerechnet.

Borkenkäfer
Klein, aber für Bäume gefährlich: Aus einem Borkenkäfer können sich pro Jahr bis zu 30.000 neue Käfer entwickeln. (Foto: U. Brandes, HessenForst)

Wald vor Käfern schützen
Dort wo Borkenkäfer Nadelwälder befallen, werden künftig auch abgestorbene Bäume stehen bleiben müssen. Denn Fichten ohne Nadeln und Rinde können den Borkenkäfern nicht mehr als Brutraum dienen. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, frisch befallene Bäume konsequent zu ernten. Das erfordert unsere ganze Einsatzkraft. Nur so können wir den weiteren Befall vermindern“, beschreibt Gerst die Lage. Die Brut der Käfer entwickelt sich unter der Rinde – die Larven sollen mit dem gefällten Holz aus dem Wald herausgefahren werden, bevor sie ausschlüpfen. 
Die Försterinnen und Förster müssen den Befall frühzeitig erkennen, denn die Massenvermehrung der nur 4 mm großen Schädlinge läuft rasant. Aus einem Käferweibchen können über den Sommer hinweg bei trockener und warmer Witterung bis zu 30.000 neue Käfer entstehen. „Die Bäume sind vom letzten Jahr geschwächt und der Wasserspeicher im Boden hat sich noch nicht ausreichend gefüllt. Wenn noch ein trocken-heißer Sommer folgt, wäre das für den Wald eine Katastrophe“, so Gerst. 

Viele Baumarten leiden unter Dürre
Nicht nur die Fichte kämpft mit den Witterungsextremen. In Süd- und Mittelhessen sind viele Kiefern von einem Pilz befallen, der die Triebe und später auch den ganzen Baum absterben lässt.
Buchen besiedeln den größten Teil des hessischen Waldes. Sie zeigen nach Erfahrungen der Waldexperten die Folgen erst ein bis zwei Jahre nach der Trockenheit.
Auch viele junge Bäume der nächsten Waldgeneration hat es getroffen. Sie konnten mit ihren kleinen Wurzeln schon früh kein Wasser mehr erreichen. Wenn im Frühjahr das Laub austreibt, wird sich zeigen, wie viele Jungpflanzen vertrocknet sind.

Mischwald gegen Klimaextreme 
Für die Forstleute ist diese Situation eine große Herausforderung. „Wir unternehmen alles, um die Schäden am Wald in Grenzen zu halten und hoffen, dass uns viel Regen dabei unterstützt“, richtet Michael Gerst den Blick in die Zukunft. Denn der Jahrhundertsommer 2018 hinterlässt den Försterinnen und Förstern auch für die nächsten Jahre zukunftsweisende Aufgaben: Auf entstandenen Kahlflächen werden sie dafür sorgen, dass artenreiche Mischwälder die kommende Waldgeneration bilden. „Seit rund 30 Jahren fördern wir Mischwälder“, betont Gerst. „Wir sind davon überzeugt, dass ein Mix aus verschiedenen klimarobusten Nadel- und Laubbäumen den Wald am besten auf die Risiken des Klimawandels vorbereitet“. 

Große personelle, organisatorische und finanzielle Anstrengungen seien notwendig, um den Wald fit zu machen für die zu erwartenden Klimaänderungen. „Bei der Wiederbewaldung kommt der Jagd eine besondere Bedeutung zu“, betont Gerst, „denn nur bei angepassten Wildbeständen können sich artenreiche, klimarobuste Mischwälder entwickeln“.