Waldschutz mit moderner Technik und ohne Chemie

09.07.2020

Seit den letzten Stürmen und Dürrejahren hat der Borkenkäfer die Fichte in Mitteleuropa fest im Griff. Millionen Festmeter (Fm) und tausende Hektar (ha) sind den eifrigen Käfern schon zum Opfer gefallen. Nach wie vor wird mit allen Mitteln versucht, der Invasion entgegenzutreten. Hierbei ist der Einsatz von Insektiziden die letzte Wahl, um ein Übergreifen auf noch lebende Bäume zu verhindern.

Im Versuch das Schlimmste zu verhindern, setzt das Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus seit 2019 dabei auf eine neue Technik, mit der bereits über 20.000m³ aufgearbeitet wurden.

Es handelt sich um einen herkömmlichen Harvester (Vollernter) der mit einem speziellen Entrindungskopf  (debarking head) ausgestattet ist. Nach dem Fällvorgang wird der Baum mehrfach durch das Aggregat laufen lassen. Durch die besondere Form der Vorschubwalzen und Entastungsmesser, wird der Baum dabei in Drehung versetzt und entrindet. Durch die Walzen wird ein Großteil der Elterntiere abgetötet und durch die Entrindung trocknen die Eier, Larven und Puppen innerhalb weniger Stunden aus und sterben ab.  Auf diese Weise kann der Befallsdruck auf angrenzende, noch gesunden Bäume gesenkt werden. Neben der chemiefreien Bekämpfung der Borkenkäfer, hat das Entrinden weitere Vorteile. Das Holz trocknet schneller aus und auch das Gewicht der Rinde entfällt beim Transport ins Sägewerk. Somit kann bei gleichem Gewicht je LKW mehr Holz (Festmeter) transportiert werden, was wiederum den Co2-Ausstoß reduziert und das Klima schont. Durch das Belassen der Rinde im Wald werden die in ihr enthaltenen Nährstoffe dem Waldkreislauf wieder zugeführt und stehen damit der nächsten Baumgeneration erneut zur Verfügung.

Laut dem Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) sind derzeit in ganz Deutschland etwa 40 solcher Entrindungsköpfe im Einsatz, Tendenz steigend.

Nähere Informationen finden Sie unter kwf-online.de.

Harvester mit Entrindungskopf (Video: A. Weis)