Wildfleisch aus heimischen Wäldern

05.08.2022

Die Sommerzeit ist für viele Menschen Grillzeit. Dabei kommen mittlerweile unterschiedlichste Grillgerichte auf den Rost. Auch Wildfleisch erfreut sich zunehmend größerer Beliebtheit und ist eine interessante Abwechslung. Aber nicht nur zum Grillen ist Wildfleisch geeignet.

Wir wollen Ihnen aus diesem Grund ein kulinarisches Rezept vorstellen, um Ihnen zu zeigen, was man alles leckeres aus Wildfleisch machen kann.

Cervo Tonnato

Cervo Tonnato – Ein Rezept von Katrin von Bodelschwing (Foto: K. von Bodelsching)

Zutaten für 4 Personen

Für das Fleisch:

1 kg Keule vom Reh, Rot- oder Dammwild
2 Möhren
1 Zwiebel
2 Lorbeerblätter
1 Stange Sellerie
3 Gewürznelken
3 Pimentkörner
300 ml Weißwein
2 TL Salz

Für die Soße:

1 Dose Tunfisch im eigenen Saft
4 Sardellenfilets
2 sehr frische Eigelb
1 TL milden Senf
200 ml mildes Olivenöl
Sud
Zitronensaft
Salz, Pfeffer
Karpern

Außerdem:

Rucola
Petersilie
Karpern
Baguette

Zubereitung

Das Gemüse putzen, in grobe Stücke zerteilen und zusammen mit den Gewürzen und dem Fleisch in einen Topf geben, kaltes Wasser dazugeben, sodass das Fleisch gerade bedeckt ist. Nun das ganze zum Kochen bringen, dann erst den Wein hinzufügen und auf niedriger Stufe min. eine Stunde simmern lassen, bis das Fleisch gar ist. Das Fleisch im Sud abkühlen lassen.

Für die Soße die Eigelbe und den Zitronensaft mit dem Pürierstab aufschlagen. Währenddessen tropfenweise das Öl zufließen lassen, bis eine mayonaiseartige Soße entsteht. Den Thunfisch, die Sardellen und die anderen Zutaten hinzugeben und alles miteinander pürieren, auch die Kapern hinzugeben. Von dem abgekühlten Fleischsud so viel hinzugeben, bis die Soße die Konsistenz flüssiger Schlagsahne hat.

Wenn das Fleisch maximal lauwarm ist, mit einem scharfen Messer oder der Aufschnittschneidemaschine in 3mm dünne Scheiben schneiden. Die Scheiben flach auf einem großen Teller ausbreiten und mit der Soße begießen. Danach mindesten eine Stunde im Kühlschrank (besser einen halben Tag) ziehen lassen.

Mit Petersilie oder Rucola garnieren und zusammen mit frischem Baguette und einem Glas Weißwein genießen.

Ausbietung

01.08.2022

Der Landesbetrieb HessenForst lädt Sie zur Ausbietung von Nadelholz ein. Es handelt sich hierbei um einen Meistgebotsverkaufsverfahren frei Waldstraße.

Bitte beachten Sie die „Besonderen Bedingungen“ und der „AVZB HessenForst.

Der Zuschlag wird grundsätzlich dem höchsten, über den prozentualen Anteil errechneten Durchschnittspreis gewährt. Die Zuschlagserteilung behält sich HessenForst vor.

Mit Gebotszuschlag gilt des Holz als erworben. Im Anschluss wird ein gesonderter Vertrag auf Forstamtsebene erstellt. Danach wird das Holz in einem genau definierten Lieferzeitraum eingeschlagen und die vereinbarten Teilmengen bereitgestellt, sollten diese nicht bereits schon eingeschlagen sein.

Die Abrechnung des Holzes erfolgt nach RVWV Werksmaß oder dem von HessenForst ermittelten Waldmaß.

Die Besichtigung der Bestände während der Ausbietung ist nach Rücksprache mit dem Verkaufsforstamt generell möglich.

Bei Abrechnung über Werksmaß muss eine entsprechende Bürgschaft (Muster HessenForst) mit entsprechender Laufzeit und Höhe hinterlegt werden.

Aktuelle Ausbietungen:

ForstamtBesondere BedingungenMengeBieterzettelÜbersicht Verkaufslose
WetzlarTitelblatt & Besondere Bedingungenca. 70 Fm Küstentanne

ca. 40 Fm Tsuga
Bieterzettel
RüdesheimTitelblatt & Besondere Bedingungenca. 180 FM BucheBieterzettel
Herborn & Frankenberg-VöhlTitelblatt & Besondere Bedingungenca. 7850 RM NadelholzBieterzettelHerborn Schelderwald

Herborn Siegbach

Frankenberg-Vöhl Rodenbach

Frankenberg-Vöhl Bromskirchen

Jagd: was dürfen, können, wollen wir?

25.07.2022

Claus Peter Müller von der Grün im Interview mit Jörg van der Heide

»Jagd, richtig ausgeübt, ist eine wesentliche Voraussetzung für einen stabilen Mischwald der Zukunft«, sagt Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Forstbetrieb und Dienstleistung bei HessenForst sowie stellvertretender Leiter des Landesbetriebs. »Vor allem in der Phase der Wiederaufforstungnach den Schäden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer sind angepasste Wildbestände absolut erfolgsentscheidend. Sind sie nicht angepasst, muss notwendiger Weise jagdlich eingegriffen, sprich durch höhere
Abschüsse reduziert werden.« Denn der übermäßige Wildverbiss behindere oder verhindere die Entwicklung von klimastabilen Mischwäldern, wie sie die Forstwissenschaft empfehle und wie sie HessenForst anstrebe. »Die Pflicht zur Wiederbewaldung nach § 6 des Hessischen Waldgesetzes, die Grundpflichten des § 3 des Hessischen Waldgesetzes und die Grundsätze ordnungsgemäßer Forstwirtschaft stehen im Einklang mit den Vorgaben und Zielen des Hessischen Jagdgesetzes«, erläutert Jörg van der Heide. Ziel sei es nicht, einen möglichst zahlreichen, sondern einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu erhalten und dabei die berechtigten Interessen der Land- und Forstwirtschaft zu beachten. Das heißt, die Jagd ist so auszuüben, dass übermässige Wildschäden vermieden werden und die wesentlichen Baumarten sich ohne Schutz verjüngen können. Daraus folge die Pflicht zur Regulation des Wildbestands, ohne die der notwendige Waldumbau und die Wiederbewaldung gar nicht, oder nur mit erheblicher Verzögerung und hohem finanziellen Aufwand zu erreichen seien.

Der Verbiss habe unmittelbare Auswirkungen auf die Bäume, aber auch auf den gesamten Lebensraum Wald. Zunächst mindere der Verbiss den Höhenzuwachs der Bäume und führe zum Verlust an Biomasse und Zuwachs. Besonders gefährdet seien Baumarten wie zum Beispiel Eichen, Edellaubbäume, Weißtanne und Douglasie, die im Waldumbau zum klimaresilienten Wald unverzichtbar seien.

Voraussetzung für den klimastabilen Wald seien ökologisch verträgliche, standortgerechte Kombinationen mehrerer Mischbaumarten und eine möglichst hohe Biodiversität. Der Verbiss mindere die Vielfalt an Baumarten, da er zum völligen Verschwinden – also zum flächigen Verlust – bestimmter Baumarten und damit zur Entmischung führen könne. Das Wild entmische den Wald regelrecht, und das Ziel des klimastabilen Waldes werde nicht erreicht. »Hinzu kommen weitere Auswirkungen auf die Konkurrenzverhältnisse der Baumarten untereinander und auf die Begleitvegetation, die eingehender wissenschaftlich untersucht werden«, schildert Jörg van der Heide.

Der Verlust der Terminalknospe durch Verbiss führt an jungen Bäumen (hier:
Fichte) zu Vitalitäts- und Qualitätseinbußen. (Foto: T. Ullrich)

Allein schon der Umgang mit den großen, freien Waldflächen, die mit und nach den Stürmen entstanden seien, sei eine Herausforderung. Entwickelten sich diese Flächen schrittweise zu Dickungen, werden diese Flächen zu einem »Eldorado für wiederkäuendes Schalenwild und zu einem hervorragenden Wildeinstandsgebiet, um den Nachwuchs aufzuziehen«, warnt Jörg van der Heide. Diese Flächen müssten, rechtzeitig jagdlich erschlossen – also mit Jagdeinrichtungen versehen und durch Schneisen bejagbar gemacht – werden.

»Nun wird nicht mal eben so drauf los gejagt. Die Jagd auf wiederkäuendes Schalenwild, im Schwerpunkt sind das die Rehe und das Rotwild, erfolgt auf der Grundlage behördlich festgesetzter Abschusspläne«, stellt Jörg van der Heide klar. Die Abschussplanung berücksichtige die Ergebnisse des Vorjahres, die Entwicklung von Verbiss- und Schälschäden sowie die Befunde der von den Forstämtern erstellten forstlichen Gutachten. Die frischen Schälschäden werden in einem festgelegten Stichprobenraster erhoben und die jeweiligen Ergebnisse zu Schadprozenten auf Ebene eines Rotwildgebietes zusammengeführt. Als wirtschaftlich akzeptabel gilt eine Schadenquote bei Buchen von maximal 0,5 Prozent im Jahr und bei Fichten von höchstens 1,0 Prozent. »Das klingt wenig«, räumt Jörg van der Heide ein, »aber auf einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren betrachtet, heißt das, dass im Extremfall rechnerisch alle Bäume einmal von Schälschäden befallen worden sind. In Folge der Schälschäden kommt es zum Eindringen von Pilzen und damit zu Fäule. Das Holz verliert an Wert, und der Baum wird mitunter brüchig.« Die Schäden können Waldbestände destabilisieren und führten neben den ökologischen auch zu erheblichen wirtschaftlichen Vermögenschäden. Diese Aspekte müsse die jeweilige Untere Jagdbehörde bei der Festsetzung der vorgelegten Abschussplanvorschläge beachten und die verschiedenen Interessen der Grundeigentümer, Jäger, Förster, Landwirte und des Naturschutzes untereinander abwägen. »Am Ende wünschen wir uns für jeden Jagdbezirk einen transparent festgesetzten Mindestabschuss, der es uns erlaubt, die für den gewünschten Waldzustand nötigen Effekte zu erzielen«, schildert Jörg van der Heide seine Erwartungen an das Verfahren. Dies gelinge zunehmend besser und entwickele sich in die richtige Richtung. 2011 noch wurden bei HessenForst je 100 Hektar Wald 5,3 Rehe erlegt, 2012 waren es 6,5 und heute sind es fast 10. »Damit kommen wir in einen Bereich, in dem die Regulation überhaupt erst beginnt, wirksam zu werden«, beurteilt Jörg van der Heide die Entwicklung. Die Frage, warum dies gelinge, beantwortet er mit drei Gegenfragen: »Dürfen wir? Können wir? Wollen wir?« Und freilich sollten wiederum alle drei Gegenfragen in der Praxis mit einem »Ja« beantwortet werden.

In Folge von Schälschäden dringen Pilze ins Holz junger Bäume ein. Sie verändern die Holzeigenschaften, verursachen Verfärbungen oder destabilisieren das Holz. Es verliert an Wert. (Foto. T. Ullrich)

Das »Dürfen« lege der Gesetzgeber fest. Dieser habe das Regelwerk (Jagdverordnung, SchalenwildRL) angepasst und die Bestimmungen über Jagd sowie Schonzeiten neu festgelegt. Früher durften z.B. Rehböcke nur zwischen dem 16. Mai und 15. Oktober bejagt werden, heute zwischen dem 1. April und dem 31. Januar des folgenden Jahres, nennt Jörg van der Heide ein Beispiel.

Das »Können« schließe das »Wissen« ein. Es gehe nicht nur um technische Innovationen wie den Einsatz von Wärmebildtechnik und Klettersitzen, sondern auch um die Berücksichtigung wildbiologischer und methodischer Erkenntnisse. Das Wissen auf dem aktuellen Stand zuhalten, bleibe eine Daueraufgabe. Heute werde das Konzept der Intervalljagd mit zeitlicher und räumlicher Schwerpunktbejagung im April und Mai, einer Pause im Juni und Juli, und einer Wiederaufnahme der Jagd im August verfolgt. Jagdeinrichtungen stehen nicht mehr nur an Schneisen und freien Flächen, die das Wild – weil hell und ohne Deckung – als Gefahr empfinde und schnell überquere, sondern an strukturreicheren Standorten, die dem Wild Sicherheit vermittelten und wo es langsamer ziehe. Die Bewegungsjagden haben sich nach Jörg van der Heides Worten in Ihrer Qualität ebenfalls erheblich weiterentwickelt. Anstatt menschlicher Treiber, die ein Gebiet einmal durchkämmen, werden heute Hunde eingesetzt, die die Fläche immer wieder großräumig und systematisch absuchen. Schon die Auswahl der Hunde und deren Zahl werde vor Beginn der Jagd bedacht.

Das »Wollen« spielt für Jörg van der Heide die vermutlich größte Rolle. Die Zahl der geforderten Abschüsse wurde kontinuierlich erhöht und Abschusspläne wurden großräumig in Gruppen oder ganzen Hegegemeinschaften zusammengefasst. »Vor allem aber«, beschreibt Jörg van der Heide den Wandel, »haben wir die Jagd mehr und mehr aus ihrem tradierten Wertemustern gelöst und sie von selbstgesetzten Beschränkungen befreit. Fragen wir uns heute, was unser Auftrag ist, so stellen wir
fest: unser Auftrag ist es, den Wald mit all seinen Wirkungen zu erhalten, den klimarobusten, stabilen Mischwald zu pflegen, zu schützen und zu entwickeln, ihn nachhaltig zu bewirtschaften. Dazu braucht es einen professionellen Jagdbetrieb auf fundierter wildbiologischer Grundlage und einen selbstkritischen Blick für die mit der Jagd selbst verbundenen Auswirkungen auf das Verhalten der Wildtiere im Ökosystem Wald, damit Wald mit Wild eine Zukunft hat «

Der Wald hat 36 neue Forstwirte

21.07.2022

Feierliche Verabschiedung im Forstlichen Bildungszentrum

Dr. Hendrik Horn überreichte 36  „frischgebackenen“ Forstwirtinnen und Forstwirten aus ganz Hessen nach bestandener Prüfung Anfang Juli ihre Urkunden und Abschlusszeugnisse. Sein besonderer Dank galt allen, die die Auszubildenden auf ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss begleitet und diese unterstützt haben. An den Feierlichkeiten nahmen auch der Regionalleiter der Region Mitte und Vorsitzende des Lenkungsgremiums Personal von „HessenForst“ Harald Dersch, die Mitglieder des Prüfungsausschusses sowie Vertreter der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg teil, mit der das Forstliche Bildungszentrum (FBZ) im Rahmen der Forstwirtausbildung kooperiert.

(Foto: HessenForst)

Harald Dersch betonte die Bedeutung des Forstwirtberufs gerade in der heutigen Zeit, in der die Wälder unter Wassermangel und Krankheiten leiden und stark angegriffen sind. „Wir stehen vor großen Aufgaben und müssen den Anforderungen im Wald fachlich gut begegnen, daher brauchen wir Sie, wir brauchen Ihre Fachkompetenz!“, betonte der Regionalleiter. Der Wald sei für alle wichtig, sowohl in seiner Funktion als Lebens- und Freizeitraum, aber auch in seiner ökologischen Bedeutung. Abschließend konnte Dersch verkünden, dass „HessenForst“ allen staatlichen Prüflingen, die einen Abschluss mit einem Notendurchschnitt bis 3,49 erreicht hätten, ein Übernahmeangebot machen würde, aber auch für die nicht staatlichen Auszubildenden gäbe es im Zuge nachfolgender Ausschreibungen Chancen auf Stellen bei HessenForst. Den Klassenbesten Theresia Heßling, die ihre Ausbildung mit der Durchschnittsnote 1,43 abgeschlossen hat und damit auch Jahrgangsbeste war, sowie Felix Muth, der es auf einen Schnitt von 1,59 brachte, wurde als Anerkennung für ihre gute Prüfung traditionsgemäß eine Forstaxt mit persönlicher Gravur verliehen.

Waldbrandgefahr

18.07.2022

Hohe Waldbrandgefahr

Angesichts des heißen Wetters besteht hohe Waldbrandgefahr in Hessen.

Außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Für die im Einzelfall erforderliche Schließung von Grillstellen in besonders brandgefährdeten Waldgebieten bzw. Waldrandbereichen wird bereits jetzt um Verständnis gebeten.

Waldbrandgefahr geht ebenfalls von liegen gelassenen Flaschen und Glasscherben, aber insbesondere auch entlang von Straßen durch achtlos aus dem Fenster geworfenen Zigarettenkippen aus. Alle Waldbesucherinnen und –besucher bitten wir zudem, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Pkws dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen.

Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet.

Bei Waldbrand: 112
Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

Klima im Wandel! Jagd im Wandel?

Wildtiermanagement für den Wald der Zukunft

Claus Peter Müller von der Grün im Interview mit Prof. Dr. Niko Balkenhol

Der Mensch nimmt – zumal im Anthropozän – auf vielfältige und komplexe Weise Einfluss auf das gesamte Ökosystem und mithin auch auf den Wald, die Offenflächen und den Wildbestand; und
ohne Frage ist die Jagd ein Instrument des Wildtiermanagements und mittelbar des Waldbaus. Aber die Vorstellung, allein mit der Jagd die Wildbestände regulieren zu können, ist aus wissenschaftlicher Sicht äußerst diskussionswürdig. Sicherlich hat die Jagd einen Einfluss auf die Entwicklung von Wildbeständen, doch kann dieser von vielen komplexen und interagierenden Faktoren überlagert werden. Teilweise wissen wir noch zu wenig über diese komplexen Zusammenhänge, um mit hinreichender wissenschaftlicher Genauigkeit verlässliche Aussagen über die Jagd als wirksames waldbauliches Instrument treffen zu können. Weitere Forschung ist dringend nötig und vor allem eine Erfolgskontrolle im bisherigen Wildtiermanagement ist essentiell. Das ist das Fazit eines Gesprächs, mit Prof. Dr. Niko Balkenhol über die Frage nach der »Jagd im Klimawandel«.

Der Austausch mit dem Wissenschaftler ruft die Erkenntnis in Erinnerung, dass unsere Kulturlandschaft schon seit so langer Zeit vom Menschen geprägt wird, dass der anthropogene Einfluss aus unserem Ökosystem nicht mehr wegzudenken ist. Erkenntnisse, die in der weithin unberührten Natur Nordamerikas oder des nördlichen Skandinaviens über das Leben von Wildtieren und deren Rückkehr in die Natur gewonnen werden, können wir daher nicht oder nur bedingt auf die mitteleuropäische Kultur-
landschaft übertragen, berichtet Balkenhol. So wird zum Beispiel der Wolf, der nach Deutschland zurückkehrt, seinen Hunger nicht allein an Wildtieren stillen, sondern auch an Weidetieren, die ihm hier – im Gegensatz zu weniger vom Menschen genutzten Landschaften – gleichsam dargeboten werden.

Lebensräume veränderten sich vielerorts innerhalb kürzester Zeit grundlegend. (Foto: K. Bartsch)

Das Reh- und Schwarzwild, beschreibt Balkenhol eine von vielen Wechselwirkungen, seien Gewinner der modernen Kulturlandschaft. Bis zur Revolution 1848 sei das Rehwild eher selten gewesen. Doch die im
historischen Verlauf zunehmend ertragsoptimierte Landwirtschaft biete nicht nur dem Wild mehr Nahrung, sondern begünstige mit dem Stickstoffeintrag in die Natur auch das Wachstum des Waldes. Im Rückblick auf die vergangenen 100 bis 150 Jahre nehme in ganz Europa die pflanzliche Biomasse zu, und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werde immer mehr Strecke gemacht. Dies liege einerseits daran, dass es tatsächlich mehr Wild gebe, aber auch daran, dass in vielen Teilen Europas das Schalenwild dezimiert werden soll und daher immer stärker bejagt werde. Doch allein die stärkere Bejagung führe nicht zu einem Rückgang der Populationen.

Der Eingriff des Menschen ins globale Ökosystem verändert das Klima. Der Klimawandel hat wiederum direkte und indirekte Effekte auf den Lebensraum der Wildtiere und damit auch auf deren Populationen.
Die Winter werden wärmer und die Übergangszeiten milder. Der Klimawandel lässt die »Wintermortalität« unter den Wildtieren sinken, obschon es dazu kaum valide Zahlen gebe, wie Balkenhol eine der ungezählten ausstehenden Forschungsaufgaben im Gespräch anklingen lässt. Auch die Entwicklung der Pflanzen nach der Winterpause setze heute je nach Region um zehn bis 30 Tage früher ein, womit den
Wildtieren und ihrem Nachwuchs immer früher im Jahr ein größeres Nahrungsangebot zur Verfügung stehe. Schon habe sich der »Setzzeitpunkt« beim Rotwild verschoben: Hirschkühe in Schottland bringen den Nachwuchs heute etwa zwei Wochen früher zur Welt, als noch in den 1980er Jahren. Indirekte Effekte auf die Wildtierpopulation haben die extremen Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme, Dürre und die Folgen des Schädlingsbefalls. Auf den großen Schadflächen ist die Bejagung zunächst oft erschwert, gleichzeitig stellt sich rasch eine Naturverjüngung ein, die dem Wild beste, relativ holzfreie Nahrung bietet. Untersuchungen aus dem Nationalpark Bayrischer Wald zeigen nach Balkenhols Worten, dass diese Veränderung des Lebensraums keinen Kurzzeiteffekt nach sich zieht, sondern die Schadereignisse
für das Rotwild zu einer Lebensraumverbesserung für mindestens 25 Jahre führen. Nicht allein wegen des schon seit mehr als hundert Jahren verbesserten Nahrungsangebots für die Wildtiere, sondern auch
wegen der direkten und indirekten Effekte des Klimawandels werden die Wildtierbestände also weiterhin wachsen, folgert Balkenhol.

Die Jagd, sagt der Wissenschaftler, werde sich darauf einstellen müssen, denn ohne Jagd seien die waldbaulichen Ziele eines klimaresilienten Mischwalds nicht zu erreichen. Die Jagd wiederum, fordert
Balkenhol, sei umfassender als bisher zu betrachten und zu gestalten. Es gehe um Wildtiermanagement. Es gelte, »die Tiere in Raum und Zeit zu steuern«. Die Jagd sei nur eines von vielen Instrumenten im Wild-
tiermanagement. Auf bestimmten Flächen, auf denen zum Beispiel aufgeforstet wird, sei das Wild intensiv zu bejagen. Das Wild müsse das Mortalitätsrisiko realisieren. Balkenhol spricht von einer »Landschaft
der Angst«. Zugleich sollten dem Wild aufweniger sensiblen Flächen sowie außerhalb des Waldes Ruheräume zum Ausweichen gewährt werden. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz werde zum Beispiel Rotwild intensiv im Wald bejagt, die umliegenden Offenlandflächen dienten als jagdfreier Entlastungsraum. Aufgrund des räumlich heterogenen Jagd drucks verlässt das Wild den Wald und nutzt stattdessen die naturschutzrelevanten Offenflächen, die durch die Fraßeinwirkung noch gefördert werden. Das bedingt eine »Win-Win«-Situation für Wild und Artenschutz. Balkenhol spricht von einer »Raumplanung« für die Wildpopulationen, die weit über den Wald hinausgeht.

Mithin fordert der Wissenschaftler die Plastizität oder Lernfähigkeit der Wildtiere ins Kalkül zu ziehen. Die Tiere realisieren eine Gefahr und geben das Wissen teilweise auch an die nachfolgende Generation
weiter. Im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee befasste sich eine Studentin in ihrer Masterarbeit mit Störversuchen. Sie hat Rotwild mit Sendern ausgestattet und festgestellt, dass Besucher, die auf den
Wegen bleiben, die Tiere nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben die Menschen aber nicht auf den Wegen und bewegen sich in Richtung der Tiere, setzt das Rotwild zu einer teils kilometerweiten Flucht an. Außerdem meidet das Rotwild tagsüber die Nähe zu Wegen. Somit beeinflussen nicht nur Jäger
und ihre Waffen das Verhalten von Wildtieren, sondern auch Waldbesucher, und insbesondere dann, wenn diese sich nicht an das Wegegebot halten.

Tiere ändern ihre Lebensweise und passen sich an veränderte Umweltbedingungen an. Die Amsel ist schon seit Dekaden kein scheuer Waldvogel mehr, Hasen leben nicht nur auf steppenähnlichen Flächen,
sondern auch im Wald, Wildkatzen leben nicht nur im Wald, wie man früher dachte, und Rehwild frisst nach neuen Erkenntnissen wesentlich häufiger Gräser, als dies in alten Textbüchern beschrieben wird.
Unverzichtbar ist es aus Sicht des Wildtierwissenschaftlers Balkenhol, ein Erfolgsmonitoring im Wildtiermanagement aufzubauen, damit vermeintliches Wissen und Forschungshypothesen in der mit Emotionen und tradierten Vorstellungen hoch aufgeladenen Jagd endlich verifiziert oder falsifiziert werden können.

Schließlich, räumt Balkenhol ein, sei im Wildmanagement auch der unmittelbare anthropogene Faktor, der Einfluss und das Verhalten des Menschen zu berücksichtigen. Unter den Jägerinnen und Jägern vollziehe sich ein Einstellungswandel. Immer mehr junge Menschen jagten nicht der Trophäen wegen, sondern weil sie zu Fleisch gelangen wollten, das nicht aus einer für sie fragwürdigen Massentierhaltung stamme. Und die Waldeigentümer – wie die Landesforsten – sollten sich fragen, ob das Erzielen einer hohen Pachteinnahme für ein bestimmtes Revier das richtige strategische Ziel sei, oder ob eine waldbauliche
Zielsetzung der Jagd in der Gesamtschau nicht den weit größeren Gewinn für den biodiversen, klimaresilienten und nachhaltig bewirtschafteten Wald und damit auch für die Staatskasse bringe.

Mähwiesen im Wald zeigen den Einfluss des Menschen auf das Ökosystem. (Foto: C. Conradt)

Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

04.07.2022

Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

Umweltministerin Priska Hinz hat heute zusammen mit Stefan Nowack, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei HessenForst im Staatswald bei Hofheim im Taunus die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald vorgestellt.

„Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald leistet genau das und ist bundesweit vorbildlich,“ sagte Umweltministerin Priska Hinz. „Der Schutz der Artenvielfalt wird bei der Waldbewirtschaftung zukünftig noch stärker berücksichtigt. Das weltweite Artensterben bedroht das Leben, wie wir es kennen. Es gilt neben der Klimakrise als die größte Bedrohung für die Menschheit. Deswegen unternehmen wir große Anstrengungen, bedrohte Arten zu schützen und Lebensräume wiederherzustellen. Dort, wo das Land als Eigentümer handelt, gilt das in besonderem Maße.“

„Die neue Naturschutzleitlinie stellt die konsequente Weiterentwicklung unserer bisherigen naturschutzfachlichen Ziele und Standards dar. Insbesondere die lokalen Naturschutzkonzepte werden den Naturschutz vor Ort noch einmal für die Öffentlichkeit transparenter und betrieblich operationaler gestalten. HessenForst dankt allen, die in dem breit angelegten Prozess der Weiterentwicklung mitgewirkt und mit ihren Beiträgen dafür gesorgt haben, dass das Werk in heutiger Form in dieser hohen Qualität vorliegt“, sagte Stefan Nowack, Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst.

Die vier Säulen der neuen Naturschutzleitlinie

1. Mehr Habitatbäumen als Schlüssel der Artenvielfalt

Ein Kernstück der neuen Naturschutzleitlinie ist die Erhöhung der Anzahl an Habitatbäumen von bisher drei auf durchschnittlich zehn Bäume pro Hektar in Laubbaumbeständen über 100 Jahre. In Natura 2000-Schutzgebieten (Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU) werden es sogar fünfzehn Bäume pro Hektar. Habitatbäume spielen eine entscheidende Rolle im bewirtschafteten Wald. Sie ergänzen sonst kaum vorhandenen Strukturen der Alters- und Zerfallsphasen eines Naturwalds. Habitatbäume sind daher in der Regel ältere Bäume, die besondere ökologische Merkmale, sogenannte Mikrohabitate, besitzen. Sie bieten Lebensraum für eine große Bandbreite an Arten. Abblätternde Rinde wird so als Wochenstube der Mopsfledermaus genutzt, Hirschkäfer siedeln sich in Totholz an und Baumhöhlen unterschiedlicher Größe bieten Platz etwa für Raufußkauz, Siebenschläfer oder Hohltaube.

2. Schutz seltener Tiere stärken

Der Wald ist Lebensraum für viele Arten, die selten geworden sind und deswegen eines besonderen Schutzes bedürfen. Darunter sind Vogelarten und Waldfledermäuse, die besonders hohe Ansprüche an die Höhlen- und Nischenausstattung des Waldes stellen. Auch an dieser Stelle wird der Artenschutz in der neuen Naturschutzleitlinie durch eine Optimierung bestehender Regelungen gestärkt. Dazu gehören die Sicherung der Brut- und Setzzeit durch verkürzte Holzerntezeiträume, die Ausweitung von Horstschutzzonen für Großvögel wie den Schwarzstorch sowie spezifisch angepasste Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten.

3. Wasserrückhalt für den Wald der Zukunft

Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird für die Zukunftswälder die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend sein. Der Wasserrückhalt im Wald ist daher neu in die Naturschutzleitlinie aufgenommen worden. Viele der enthaltenen Maßnahmen zielen darauf ab, Wasser im Wald möglichst lange zurückzuhalten: Feuchtwälder und insbesondere Waldmoore sind wichtige Kohlenstoffsenken und sollen revitalisiert werden. Besonderen Schutz erfahren als hochsensible Lebensräume Quellen, für die der Landesbetrieb HessenForst eine besondere Verantwortung übernimmt. Die Anlage und der Erhalt von Tümpeln und wasserführenden Gräben unterstützt Amphibien wie Feuersalamander und Gelbbauchunke.

4. Lokale Naturschutzkonzepte und Naturschutzkodex

Lokale Naturschutzkonzepte für die Forstämter, die alle zehn Jahre erarbeitet werden, bilden eine wichtige Säule für den künftigen Waldnaturschutz. In diesen Konzepten werden für jedes Forstamt ausgehend von einer Analyse der Arten, Lebensräume und Schutzgüter im Staatswald Handlungsfelder und Naturschutzmaßnahmen ausgearbeitet. Damit kann auf die unterschiedlichen Naturausstattungen und Schutzbedarfe in den verschiedenen Forstämtern konkret eingegangen werden.

Ausdruck des gelebten Naturschutzes im Hessischen Staatswald ist der Naturschutzkodex. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst verpflichten sich, bei Entscheidungen und Maßnahmen im Wald immer auch die Wirkungen auf den Naturschutz im Blick zu haben. Ergänzt wurde der bereits seit 2020 bestehende Naturschutzkodex in der neuen Leitlinie durch praktische Auswirkungen auf den Arbeitsalltag des Landesbetriebs. Hierzu gehört auch das Controlling durch Kennzahlen, die zukünftig für alle messbaren Handlungsfelder erhoben werden.

Hintergrund:

2010 wurde die erste Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald veröffentlicht, die bereits wichtige Maßstäbe für den Naturschutz im Wald gesetzt hatte. Nach der Herausgabe der neuen Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswalds (RiBeS 2018), in der Biodiversität als neues Hauptziel verankert wurde, wurde 2020 – auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald –der Prozess zur Evaluierung und Erneuerung der Leitlinie angestoßen. In Facharbeitsgruppen aus Mitgliedern des Landesbetriebs, weiterer Behörden und externer Expertinnen und Experten wurde die neue Leitlinie entwickelt und nach einer Beteiligung von Naturschutzverbänden, Landesnaturschutzbeirat und Landesforstausschuss final abgestimmt.  

PM: Doppelte Staffelstab-Übergabe im Forstamt Schlüchtern

24.06.2022

Jörg Winter geht in den Ruhestand, Sebastian Merkel wird neuer Forstamtleiter. Auch der Produktionsleiter Wolf-Rüdiger Berends verabschiedet sich.

Harald Dersch, HessenForst-Regionalleiter verabschiedete Forstamtsleiter Jörg Winter am 24. Juni in den Ruhestand. Er dankte seinem Kollegen für die geleistete Arbeit und das Engagement, mit dem Winter und sein Team das Forstamt durch die vergangenen Extremjahre gebracht hat. „Die Verjüngung der Eiche und die Stabilisierung des Waldökosystems waren meine forstlichen Schwerpunkte“, berichtete Winter und führte fort: „Auch die Jagd gehört für mich ganz wesentlich zum Waldbau.“

Generationenwechsel im Forstamt Schlüchtern: Jörg Winter (li.) übergibt das Forstamt
an Sebastian Merkel (2.v.li.), Karina Brasch übernimmt Produktionsleitung von Wolf-Rüdiger Berends (re.) (Foto: HessenForst)

Neuer Forstamtsleiter wird Sebastian Merkel. Merkel hat sein forstliches Studium an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg im Breisgau absolviert. Nach dem Referendariat sammelte er erste berufliche Erfahrungen im hessischen Umweltministerium. Von September 2018 bis Ende Mai 2022 war er Produktionsleiter im Forstamt Jossgrund. Zur Amtsübernahme betonte Merkel: „Ich freue mich, hier in meiner Heimat gemeinsam mit dem gesamten Forstamtsteam unseren heimischen Wald mit all seinen Facetten und den Ansprüchen an ihn in Zeiten des Klimawandels zu begleiten. Das verträgliche Zusammenleben von Mensch und Tier in der Natur sehe ich als zentrales Element an.“

Beinahe zeitgleich mit Winter geht auch der langjährige Produktionsleiter des Forstamts, Wolf-Rüdiger Berends in den Ruhestand. Über 17 Jahre sorgte er im Forstamt mit großem Engagement für die Organisation der Holzernte und der Holzvermarktung. In diese Fußstapfen wird Karina Brasch treten, die sich nach ihrem Referendariat in Bayern bereits seit Ende 2021 im Forstamt einarbeiten konnte. Ihr Interesse gilt besonders dem Waldbau im Klimawandel.

Seit 2018 setzten Schäden durch Sturm, Borkenkäfer und Wassermangel dem Wald stark zu. Das Forstamt Schlüchtern betreut rund 13.500 ha Wald und erstreckt sich vom hohen Vogelsberg über das Kinzigtal bis hin zum Spessart und an die Ausläufer der Rhön. Das Forstamt kümmert sich um insgesamt 46 Naturschutzgebiete – so viele wie kein anderes in Hessen. Biber, Kreuzotter und Haselmaus sind hier von besonderer Bedeutung.

Umweltministerium warnt vor hoher Waldbrandgefahr in hessischen Wäldern

15.06.2022

Mittlere bis lokal sehr hohe Waldbrandgefahr vorhergesagt

Angesichts des für die nächsten Tage vorhergesagten heißen Wetters und ausbleibender Niederschläge warnt das Umweltministerium vor erhöhter Waldbrandgefahr. Mindestens bis zum Beginn der nächsten Woche besteht nach aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes flächendeckend mittlere bis lokal sehr hohe Waldbrandgefahr. Niederschläge, die zur Entspannung der Situation führen könnten, sind vorerst nicht in Sicht.

Zum bevorstehenden verlängerten Feiertagswochenende mit einer verstärkten Freizeitnutzung der Wälder bittet das Ministerium alle Waldbesucher um Vorsicht und Aufmerksamkeit. Gerade in abgestorbenen Waldbeständen und auf kahlen Flächen mit Kronenresten und Reisig ist die Gefahr besonders hoch, da hier eine Menge trockenen Holzes liegt und die Flächen durch erhöhte Sonneneinstrahlung und Wind stärker austrocknen.

Außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Für die im Einzelfall erforderliche Schließung von Grillstellen in besonders brandgefährdeten Waldgebieten bzw. Waldrandbereichen wird bereits jetzt um Verständnis gebeten.

Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet. Waldbrandgefahr geht auch durch entlang von Straßen achtlos aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippen aus.

Alle Waldbesucher werden zudem gebeten, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Pkws dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen.

Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

Höhenrettung, Genese und Satus Quo!

14.06.2022

Einsatz des Klettersitzes bei HessenForst

Als 2015 der erste Klettersitz im Forstamt Beerfelden eingesetzt wurde, hieß es zunächst von allen Seiten: »Das ist viel zu gefährlich!« »Das ist bald wieder vorbei, wenn der Erste vom Baum fällt!« »Das ist doch nur was für die ganz Jungen!« »Die hängen da unkontrolliert in den Bäumen rum. Eine Rettung der Baumkletterer kann nur durch das Umsägen des Baumes erfolgen.«

Höhenrettung (Foto: M. Gerlach / HessenForst)

Diese Befürchtungen sind zum Glück heute nicht mehr zu hören, wenn in den hessischen Forstämtern zu Bewegungsjagden eingeladen wird, bei denen neben Hochsitzen und Drückjagdböcken auch Klettersitze eingeplant sind. So sind mittlerweile Klettergurte, persönliche Schutzausrüstung und der »Schnallomat« an vielen Treffpunkten nichts ungewöhnliches mehr und gehören fast schon wie z.B. die orangefarbenen Jacken und Mützen zum Erscheinungsbild der Jägerinnen und Jäger. Wie sich die Zeiten geändert haben!
Der Einsatz des Klettersitzes findet immer größeren Anklang, denn er ermöglicht ein deutliches Plus an Sicherheit, sowie ein enormes Maß an Flexibilität beim Jagdeinsatz. Aber es hat auch einiges an Überzeugungsarbeit, viel Engagement und viele Stunden an Abstimmungsarbeit bedurft um mit den verschiedensten Stellen im Landesbetrieb zusammen diesen neuen Weg zu beschreiten.

In diesem Beitrag möchte ich aber nicht mehr das Für und Wider des »Einsatzes des Klettersitzes« diskutieren, sondern auf ein in diesem Zusammenhang unabdingbares und hoffentlich nur im äußersten Notfall einzusetzendes Hilfsmittel eingehen. Und zwar die Höhenrettung eines »Verunfallten«, der nicht mehr in der Lage ist, sich selbst vom Baum abzulassen bzw. sich selbst zu retten. Das sich bei HessenForst derzeit etablierte Höhenrettungsverfahren stellt eine sichere Variante der Höhenrettung dar, ist durch die Berufsgenossenschaften und die Versicherer anerkannt und im Übrigen auch durch die Forstämter mit vertretbarem Aufwand leistbar. Nichts desto trotz wird sich das Verfahren der Höhenrettung immer weiterentwickeln.