Klima im Wandel! Jagd im Wandel?

18.07.2022

Wildtiermanagement für den Wald der Zukunft

Claus Peter Müller von der Grün im Interview mit Prof. Dr. Niko Balkenhol

Der Mensch nimmt – zumal im Anthropozän – auf vielfältige und komplexe Weise Einfluss auf das gesamte Ökosystem und mithin auch auf den Wald, die Offenflächen und den Wildbestand; und
ohne Frage ist die Jagd ein Instrument des Wildtiermanagements und mittelbar des Waldbaus. Aber die Vorstellung, allein mit der Jagd die Wildbestände regulieren zu können, ist aus wissenschaftlicher Sicht äußerst diskussionswürdig. Sicherlich hat die Jagd einen Einfluss auf die Entwicklung von Wildbeständen, doch kann dieser von vielen komplexen und interagierenden Faktoren überlagert werden. Teilweise wissen wir noch zu wenig über diese komplexen Zusammenhänge, um mit hinreichender wissenschaftlicher Genauigkeit verlässliche Aussagen über die Jagd als wirksames waldbauliches Instrument treffen zu können. Weitere Forschung ist dringend nötig und vor allem eine Erfolgskontrolle im bisherigen Wildtiermanagement ist essentiell. Das ist das Fazit eines Gesprächs, mit Prof. Dr. Niko Balkenhol über die Frage nach der »Jagd im Klimawandel«.

Der Austausch mit dem Wissenschaftler ruft die Erkenntnis in Erinnerung, dass unsere Kulturlandschaft schon seit so langer Zeit vom Menschen geprägt wird, dass der anthropogene Einfluss aus unserem Ökosystem nicht mehr wegzudenken ist. Erkenntnisse, die in der weithin unberührten Natur Nordamerikas oder des nördlichen Skandinaviens über das Leben von Wildtieren und deren Rückkehr in die Natur gewonnen werden, können wir daher nicht oder nur bedingt auf die mitteleuropäische Kultur-
landschaft übertragen, berichtet Balkenhol. So wird zum Beispiel der Wolf, der nach Deutschland zurückkehrt, seinen Hunger nicht allein an Wildtieren stillen, sondern auch an Weidetieren, die ihm hier – im Gegensatz zu weniger vom Menschen genutzten Landschaften – gleichsam dargeboten werden.

Lebensräume veränderten sich vielerorts innerhalb kürzester Zeit grundlegend. (Foto: K. Bartsch)

Das Reh- und Schwarzwild, beschreibt Balkenhol eine von vielen Wechselwirkungen, seien Gewinner der modernen Kulturlandschaft. Bis zur Revolution 1848 sei das Rehwild eher selten gewesen. Doch die im
historischen Verlauf zunehmend ertragsoptimierte Landwirtschaft biete nicht nur dem Wild mehr Nahrung, sondern begünstige mit dem Stickstoffeintrag in die Natur auch das Wachstum des Waldes. Im Rückblick auf die vergangenen 100 bis 150 Jahre nehme in ganz Europa die pflanzliche Biomasse zu, und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werde immer mehr Strecke gemacht. Dies liege einerseits daran, dass es tatsächlich mehr Wild gebe, aber auch daran, dass in vielen Teilen Europas das Schalenwild dezimiert werden soll und daher immer stärker bejagt werde. Doch allein die stärkere Bejagung führe nicht zu einem Rückgang der Populationen.

Der Eingriff des Menschen ins globale Ökosystem verändert das Klima. Der Klimawandel hat wiederum direkte und indirekte Effekte auf den Lebensraum der Wildtiere und damit auch auf deren Populationen.
Die Winter werden wärmer und die Übergangszeiten milder. Der Klimawandel lässt die »Wintermortalität« unter den Wildtieren sinken, obschon es dazu kaum valide Zahlen gebe, wie Balkenhol eine der ungezählten ausstehenden Forschungsaufgaben im Gespräch anklingen lässt. Auch die Entwicklung der Pflanzen nach der Winterpause setze heute je nach Region um zehn bis 30 Tage früher ein, womit den
Wildtieren und ihrem Nachwuchs immer früher im Jahr ein größeres Nahrungsangebot zur Verfügung stehe. Schon habe sich der »Setzzeitpunkt« beim Rotwild verschoben: Hirschkühe in Schottland bringen den Nachwuchs heute etwa zwei Wochen früher zur Welt, als noch in den 1980er Jahren. Indirekte Effekte auf die Wildtierpopulation haben die extremen Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme, Dürre und die Folgen des Schädlingsbefalls. Auf den großen Schadflächen ist die Bejagung zunächst oft erschwert, gleichzeitig stellt sich rasch eine Naturverjüngung ein, die dem Wild beste, relativ holzfreie Nahrung bietet. Untersuchungen aus dem Nationalpark Bayrischer Wald zeigen nach Balkenhols Worten, dass diese Veränderung des Lebensraums keinen Kurzzeiteffekt nach sich zieht, sondern die Schadereignisse
für das Rotwild zu einer Lebensraumverbesserung für mindestens 25 Jahre führen. Nicht allein wegen des schon seit mehr als hundert Jahren verbesserten Nahrungsangebots für die Wildtiere, sondern auch
wegen der direkten und indirekten Effekte des Klimawandels werden die Wildtierbestände also weiterhin wachsen, folgert Balkenhol.

Die Jagd, sagt der Wissenschaftler, werde sich darauf einstellen müssen, denn ohne Jagd seien die waldbaulichen Ziele eines klimaresilienten Mischwalds nicht zu erreichen. Die Jagd wiederum, fordert
Balkenhol, sei umfassender als bisher zu betrachten und zu gestalten. Es gehe um Wildtiermanagement. Es gelte, »die Tiere in Raum und Zeit zu steuern«. Die Jagd sei nur eines von vielen Instrumenten im Wild-
tiermanagement. Auf bestimmten Flächen, auf denen zum Beispiel aufgeforstet wird, sei das Wild intensiv zu bejagen. Das Wild müsse das Mortalitätsrisiko realisieren. Balkenhol spricht von einer »Landschaft
der Angst«. Zugleich sollten dem Wild aufweniger sensiblen Flächen sowie außerhalb des Waldes Ruheräume zum Ausweichen gewährt werden. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz werde zum Beispiel Rotwild intensiv im Wald bejagt, die umliegenden Offenlandflächen dienten als jagdfreier Entlastungsraum. Aufgrund des räumlich heterogenen Jagd drucks verlässt das Wild den Wald und nutzt stattdessen die naturschutzrelevanten Offenflächen, die durch die Fraßeinwirkung noch gefördert werden. Das bedingt eine »Win-Win«-Situation für Wild und Artenschutz. Balkenhol spricht von einer »Raumplanung« für die Wildpopulationen, die weit über den Wald hinausgeht.

Mithin fordert der Wissenschaftler die Plastizität oder Lernfähigkeit der Wildtiere ins Kalkül zu ziehen. Die Tiere realisieren eine Gefahr und geben das Wissen teilweise auch an die nachfolgende Generation
weiter. Im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee befasste sich eine Studentin in ihrer Masterarbeit mit Störversuchen. Sie hat Rotwild mit Sendern ausgestattet und festgestellt, dass Besucher, die auf den
Wegen bleiben, die Tiere nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben die Menschen aber nicht auf den Wegen und bewegen sich in Richtung der Tiere, setzt das Rotwild zu einer teils kilometerweiten Flucht an. Außerdem meidet das Rotwild tagsüber die Nähe zu Wegen. Somit beeinflussen nicht nur Jäger
und ihre Waffen das Verhalten von Wildtieren, sondern auch Waldbesucher, und insbesondere dann, wenn diese sich nicht an das Wegegebot halten.

Tiere ändern ihre Lebensweise und passen sich an veränderte Umweltbedingungen an. Die Amsel ist schon seit Dekaden kein scheuer Waldvogel mehr, Hasen leben nicht nur auf steppenähnlichen Flächen,
sondern auch im Wald, Wildkatzen leben nicht nur im Wald, wie man früher dachte, und Rehwild frisst nach neuen Erkenntnissen wesentlich häufiger Gräser, als dies in alten Textbüchern beschrieben wird.
Unverzichtbar ist es aus Sicht des Wildtierwissenschaftlers Balkenhol, ein Erfolgsmonitoring im Wildtiermanagement aufzubauen, damit vermeintliches Wissen und Forschungshypothesen in der mit Emotionen und tradierten Vorstellungen hoch aufgeladenen Jagd endlich verifiziert oder falsifiziert werden können.

Schließlich, räumt Balkenhol ein, sei im Wildmanagement auch der unmittelbare anthropogene Faktor, der Einfluss und das Verhalten des Menschen zu berücksichtigen. Unter den Jägerinnen und Jägern vollziehe sich ein Einstellungswandel. Immer mehr junge Menschen jagten nicht der Trophäen wegen, sondern weil sie zu Fleisch gelangen wollten, das nicht aus einer für sie fragwürdigen Massentierhaltung stamme. Und die Waldeigentümer – wie die Landesforsten – sollten sich fragen, ob das Erzielen einer hohen Pachteinnahme für ein bestimmtes Revier das richtige strategische Ziel sei, oder ob eine waldbauliche
Zielsetzung der Jagd in der Gesamtschau nicht den weit größeren Gewinn für den biodiversen, klimaresilienten und nachhaltig bewirtschafteten Wald und damit auch für die Staatskasse bringe.

Mähwiesen im Wald zeigen den Einfluss des Menschen auf das Ökosystem. (Foto: C. Conradt)

Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

04.07.2022

Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

Umweltministerin Priska Hinz hat heute zusammen mit Stefan Nowack, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei HessenForst im Staatswald bei Hofheim im Taunus die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald vorgestellt.

„Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald leistet genau das und ist bundesweit vorbildlich,“ sagte Umweltministerin Priska Hinz. „Der Schutz der Artenvielfalt wird bei der Waldbewirtschaftung zukünftig noch stärker berücksichtigt. Das weltweite Artensterben bedroht das Leben, wie wir es kennen. Es gilt neben der Klimakrise als die größte Bedrohung für die Menschheit. Deswegen unternehmen wir große Anstrengungen, bedrohte Arten zu schützen und Lebensräume wiederherzustellen. Dort, wo das Land als Eigentümer handelt, gilt das in besonderem Maße.“

„Die neue Naturschutzleitlinie stellt die konsequente Weiterentwicklung unserer bisherigen naturschutzfachlichen Ziele und Standards dar. Insbesondere die lokalen Naturschutzkonzepte werden den Naturschutz vor Ort noch einmal für die Öffentlichkeit transparenter und betrieblich operationaler gestalten. HessenForst dankt allen, die in dem breit angelegten Prozess der Weiterentwicklung mitgewirkt und mit ihren Beiträgen dafür gesorgt haben, dass das Werk in heutiger Form in dieser hohen Qualität vorliegt“, sagte Stefan Nowack, Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst.

Die vier Säulen der neuen Naturschutzleitlinie

1. Mehr Habitatbäumen als Schlüssel der Artenvielfalt

Ein Kernstück der neuen Naturschutzleitlinie ist die Erhöhung der Anzahl an Habitatbäumen von bisher drei auf durchschnittlich zehn Bäume pro Hektar in Laubbaumbeständen über 100 Jahre. In Natura 2000-Schutzgebieten (Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU) werden es sogar fünfzehn Bäume pro Hektar. Habitatbäume spielen eine entscheidende Rolle im bewirtschafteten Wald. Sie ergänzen sonst kaum vorhandenen Strukturen der Alters- und Zerfallsphasen eines Naturwalds. Habitatbäume sind daher in der Regel ältere Bäume, die besondere ökologische Merkmale, sogenannte Mikrohabitate, besitzen. Sie bieten Lebensraum für eine große Bandbreite an Arten. Abblätternde Rinde wird so als Wochenstube der Mopsfledermaus genutzt, Hirschkäfer siedeln sich in Totholz an und Baumhöhlen unterschiedlicher Größe bieten Platz etwa für Raufußkauz, Siebenschläfer oder Hohltaube.

2. Schutz seltener Tiere stärken

Der Wald ist Lebensraum für viele Arten, die selten geworden sind und deswegen eines besonderen Schutzes bedürfen. Darunter sind Vogelarten und Waldfledermäuse, die besonders hohe Ansprüche an die Höhlen- und Nischenausstattung des Waldes stellen. Auch an dieser Stelle wird der Artenschutz in der neuen Naturschutzleitlinie durch eine Optimierung bestehender Regelungen gestärkt. Dazu gehören die Sicherung der Brut- und Setzzeit durch verkürzte Holzerntezeiträume, die Ausweitung von Horstschutzzonen für Großvögel wie den Schwarzstorch sowie spezifisch angepasste Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten.

3. Wasserrückhalt für den Wald der Zukunft

Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird für die Zukunftswälder die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend sein. Der Wasserrückhalt im Wald ist daher neu in die Naturschutzleitlinie aufgenommen worden. Viele der enthaltenen Maßnahmen zielen darauf ab, Wasser im Wald möglichst lange zurückzuhalten: Feuchtwälder und insbesondere Waldmoore sind wichtige Kohlenstoffsenken und sollen revitalisiert werden. Besonderen Schutz erfahren als hochsensible Lebensräume Quellen, für die der Landesbetrieb HessenForst eine besondere Verantwortung übernimmt. Die Anlage und der Erhalt von Tümpeln und wasserführenden Gräben unterstützt Amphibien wie Feuersalamander und Gelbbauchunke.

4. Lokale Naturschutzkonzepte und Naturschutzkodex

Lokale Naturschutzkonzepte für die Forstämter, die alle zehn Jahre erarbeitet werden, bilden eine wichtige Säule für den künftigen Waldnaturschutz. In diesen Konzepten werden für jedes Forstamt ausgehend von einer Analyse der Arten, Lebensräume und Schutzgüter im Staatswald Handlungsfelder und Naturschutzmaßnahmen ausgearbeitet. Damit kann auf die unterschiedlichen Naturausstattungen und Schutzbedarfe in den verschiedenen Forstämtern konkret eingegangen werden.

Ausdruck des gelebten Naturschutzes im Hessischen Staatswald ist der Naturschutzkodex. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst verpflichten sich, bei Entscheidungen und Maßnahmen im Wald immer auch die Wirkungen auf den Naturschutz im Blick zu haben. Ergänzt wurde der bereits seit 2020 bestehende Naturschutzkodex in der neuen Leitlinie durch praktische Auswirkungen auf den Arbeitsalltag des Landesbetriebs. Hierzu gehört auch das Controlling durch Kennzahlen, die zukünftig für alle messbaren Handlungsfelder erhoben werden.

Hintergrund:

2010 wurde die erste Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald veröffentlicht, die bereits wichtige Maßstäbe für den Naturschutz im Wald gesetzt hatte. Nach der Herausgabe der neuen Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswalds (RiBeS 2018), in der Biodiversität als neues Hauptziel verankert wurde, wurde 2020 – auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald –der Prozess zur Evaluierung und Erneuerung der Leitlinie angestoßen. In Facharbeitsgruppen aus Mitgliedern des Landesbetriebs, weiterer Behörden und externer Expertinnen und Experten wurde die neue Leitlinie entwickelt und nach einer Beteiligung von Naturschutzverbänden, Landesnaturschutzbeirat und Landesforstausschuss final abgestimmt.  

PM: Doppelte Staffelstab-Übergabe im Forstamt Schlüchtern

24.06.2022

Jörg Winter geht in den Ruhestand, Sebastian Merkel wird neuer Forstamtleiter. Auch der Produktionsleiter Wolf-Rüdiger Berends verabschiedet sich.

Harald Dersch, HessenForst-Regionalleiter verabschiedete Forstamtsleiter Jörg Winter am 24. Juni in den Ruhestand. Er dankte seinem Kollegen für die geleistete Arbeit und das Engagement, mit dem Winter und sein Team das Forstamt durch die vergangenen Extremjahre gebracht hat. „Die Verjüngung der Eiche und die Stabilisierung des Waldökosystems waren meine forstlichen Schwerpunkte“, berichtete Winter und führte fort: „Auch die Jagd gehört für mich ganz wesentlich zum Waldbau.“

Generationenwechsel im Forstamt Schlüchtern: Jörg Winter (li.) übergibt das Forstamt
an Sebastian Merkel (2.v.li.), Karina Brasch übernimmt Produktionsleitung von Wolf-Rüdiger Berends (re.) (Foto: HessenForst)

Neuer Forstamtsleiter wird Sebastian Merkel. Merkel hat sein forstliches Studium an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg im Breisgau absolviert. Nach dem Referendariat sammelte er erste berufliche Erfahrungen im hessischen Umweltministerium. Von September 2018 bis Ende Mai 2022 war er Produktionsleiter im Forstamt Jossgrund. Zur Amtsübernahme betonte Merkel: „Ich freue mich, hier in meiner Heimat gemeinsam mit dem gesamten Forstamtsteam unseren heimischen Wald mit all seinen Facetten und den Ansprüchen an ihn in Zeiten des Klimawandels zu begleiten. Das verträgliche Zusammenleben von Mensch und Tier in der Natur sehe ich als zentrales Element an.“

Beinahe zeitgleich mit Winter geht auch der langjährige Produktionsleiter des Forstamts, Wolf-Rüdiger Berends in den Ruhestand. Über 17 Jahre sorgte er im Forstamt mit großem Engagement für die Organisation der Holzernte und der Holzvermarktung. In diese Fußstapfen wird Karina Brasch treten, die sich nach ihrem Referendariat in Bayern bereits seit Ende 2021 im Forstamt einarbeiten konnte. Ihr Interesse gilt besonders dem Waldbau im Klimawandel.

Seit 2018 setzten Schäden durch Sturm, Borkenkäfer und Wassermangel dem Wald stark zu. Das Forstamt Schlüchtern betreut rund 13.500 ha Wald und erstreckt sich vom hohen Vogelsberg über das Kinzigtal bis hin zum Spessart und an die Ausläufer der Rhön. Das Forstamt kümmert sich um insgesamt 46 Naturschutzgebiete – so viele wie kein anderes in Hessen. Biber, Kreuzotter und Haselmaus sind hier von besonderer Bedeutung.

Umweltministerium warnt vor hoher Waldbrandgefahr in hessischen Wäldern

15.06.2022

Mittlere bis lokal sehr hohe Waldbrandgefahr vorhergesagt

Angesichts des für die nächsten Tage vorhergesagten heißen Wetters und ausbleibender Niederschläge warnt das Umweltministerium vor erhöhter Waldbrandgefahr. Mindestens bis zum Beginn der nächsten Woche besteht nach aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes flächendeckend mittlere bis lokal sehr hohe Waldbrandgefahr. Niederschläge, die zur Entspannung der Situation führen könnten, sind vorerst nicht in Sicht.

Zum bevorstehenden verlängerten Feiertagswochenende mit einer verstärkten Freizeitnutzung der Wälder bittet das Ministerium alle Waldbesucher um Vorsicht und Aufmerksamkeit. Gerade in abgestorbenen Waldbeständen und auf kahlen Flächen mit Kronenresten und Reisig ist die Gefahr besonders hoch, da hier eine Menge trockenen Holzes liegt und die Flächen durch erhöhte Sonneneinstrahlung und Wind stärker austrocknen.

Außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Für die im Einzelfall erforderliche Schließung von Grillstellen in besonders brandgefährdeten Waldgebieten bzw. Waldrandbereichen wird bereits jetzt um Verständnis gebeten.

Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet. Waldbrandgefahr geht auch durch entlang von Straßen achtlos aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippen aus.

Alle Waldbesucher werden zudem gebeten, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Pkws dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen.

Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

Höhenrettung, Genese und Satus Quo!

14.06.2022

Einsatz des Klettersitzes bei HessenForst

Als 2015 der erste Klettersitz im Forstamt Beerfelden eingesetzt wurde, hieß es zunächst von allen Seiten: »Das ist viel zu gefährlich!« »Das ist bald wieder vorbei, wenn der Erste vom Baum fällt!« »Das ist doch nur was für die ganz Jungen!« »Die hängen da unkontrolliert in den Bäumen rum. Eine Rettung der Baumkletterer kann nur durch das Umsägen des Baumes erfolgen.«

Höhenrettung (Foto: M. Gerlach / HessenForst)

Diese Befürchtungen sind zum Glück heute nicht mehr zu hören, wenn in den hessischen Forstämtern zu Bewegungsjagden eingeladen wird, bei denen neben Hochsitzen und Drückjagdböcken auch Klettersitze eingeplant sind. So sind mittlerweile Klettergurte, persönliche Schutzausrüstung und der »Schnallomat« an vielen Treffpunkten nichts ungewöhnliches mehr und gehören fast schon wie z.B. die orangefarbenen Jacken und Mützen zum Erscheinungsbild der Jägerinnen und Jäger. Wie sich die Zeiten geändert haben!
Der Einsatz des Klettersitzes findet immer größeren Anklang, denn er ermöglicht ein deutliches Plus an Sicherheit, sowie ein enormes Maß an Flexibilität beim Jagdeinsatz. Aber es hat auch einiges an Überzeugungsarbeit, viel Engagement und viele Stunden an Abstimmungsarbeit bedurft um mit den verschiedensten Stellen im Landesbetrieb zusammen diesen neuen Weg zu beschreiten.

In diesem Beitrag möchte ich aber nicht mehr das Für und Wider des »Einsatzes des Klettersitzes« diskutieren, sondern auf ein in diesem Zusammenhang unabdingbares und hoffentlich nur im äußersten Notfall einzusetzendes Hilfsmittel eingehen. Und zwar die Höhenrettung eines »Verunfallten«, der nicht mehr in der Lage ist, sich selbst vom Baum abzulassen bzw. sich selbst zu retten. Das sich bei HessenForst derzeit etablierte Höhenrettungsverfahren stellt eine sichere Variante der Höhenrettung dar, ist durch die Berufsgenossenschaften und die Versicherer anerkannt und im Übrigen auch durch die Forstämter mit vertretbarem Aufwand leistbar. Nichts desto trotz wird sich das Verfahren der Höhenrettung immer weiterentwickeln.

Herzlich Willkommen im Hessischen Wald

01.06.2022

Am 01. Juni haben 9 Forstwissenschaftler ihre zweijährige Referendarzeit bei uns begonnen. In den nächsten zwei Jahren absolvieren sie zahlreiche Ausbildungsabschnitte bei HessenForst. Neben Forsteinrichtung, Reisezeit und einer Station beim Regierungspräsidium in Kassel findet der größte Teil der Ausbildung in unseren Forstämtern statt. Dort erwarten die Referendarinnen und Referendare abwechslungsreiche Aufgaben.

Die neuen Referendare (Foto: F. Reinbold)

Wir wünschen ihnen viel Erfolg in den kommenden zwei Jahren und hoffen ihnen viele Eindrücke mit auf den Weg geben zu können.


PM: Hessisches Staatswaldforum: „Wiederbewaldung des Mischwalds von morgen“

03.05.2022

Expertenaustausch zum pflanzenschutzmittelfreien Schutz des Waldes vor Käfern und Mäusen

Auf Einladung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) und des Landesbetriebs HessenForst fand am 28. April das dritte Hessische Staatswaldforum im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg statt. Forstexperten*innen und Verbandsvertreter*innen aus den Bereichen Naturschutz, Holznutzung, Tourismus, Sport und Jagd diskutierten, wie der Wald der Zukunft vor Schadorganismen bestmöglich geschützt und ein pflanzenschutzmittelfreies Waldschutzkonzept umgesetzt werden kann.

Umweltministerin Priska Hinz (vorne links) und Landesbetriebsleiter Michael Gerst (Zweiter von links) zusammen mit den Referentinnen und Referenten des III. Hessischen Staatswaldforums (Foto: Bianca Christen, HessenForst)

Seit 2018 sind im hessischen Staatswald Freiflächen von ca. 30.000 ha entstanden. Um die steigenden Ansprüche an Ökosystemleistungen, nicht zuletzt den Klimaschutz, zukünftig möglichst optimal zu erfüllen, soll sich auf diesen Flächen ein klimastabiler Mischwald entwickeln. Dieses Ziel kann auf etwa 50 Prozent der Fläche auf natürlichem Wege realisiert werden. Auf den verbleibenden Flächen wird HessenForst die Baumartenzusammensetzung aktiv durch Pflanzung mitgestalten und so die dringend erforderliche Anpassung an den Klimawandel zielgerichtet weiterverfolgen.

In den vergangenen vier Jahren legte HessenForst im Staatswald 4.000 Hektar Kulturen an. „In den kommenden Jahren planen wir weiterhin jährlich rund 1.500 Hektar Schadfläche zu bepflanzen“, berichtet Dr. Johannes Weidig, Sachbereichsleiter Waldbaugrundlagen, Klimaschutz und –anpassung, Biologische Produktion bei HessenForst und fügt hinzu: „Mit der wachsenden Verjüngungsfläche steigt der Aufwand für die Kultursicherung und Jungwuchspflege. Nicht nur die Kulturen, sondern auch die Naturverjüngungsflächen müssen gepflegt und zu stabilen Mischwäldern entwickelt werden. Diese Arbeiten sind essenzielle Erfolgsfaktoren der Wiederbewaldung.“

Zur Pflege der Kulturen gehört auch deren Schutz vor Schadorganismen Florian Rux, Sachbereichsleiter Dienstleistungen Körperschafts- und Privatwald, Kompensation und Drittmittelakquise bei HessenForst, verdeutlicht in seinem Referat, dass nicht nur Wildtiere wie Rotwild, Rehwild und Hase nennenswerte Schäden an Forstkulturen verursachen können, sondern auch einige Mäusearten und Insekten, wie der Große Braune Rüsselkäfer. Im dritten Hessischen Staatswaldforum ging es also darum, wie man diesen kleinen Forstschädlingen entgegenwirken kann und die Frage, welche Rolle und Relevanz Pflanzenschutzmittel in diesem Zusammenhang spielen, war zentrales Thema. Sowohl Florian Rux, als auch Forstwissenschaftler Dr. Martin Rohde, Leiter der Abteilung Waldschutz an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt betonten, dass Schadensvorbeugung Vorrang vor Bekämpfung habe. Als Strategie benannten beide den bei HessenForst praktizierten Integrierten Waldschutz, eine Kombination von vorbeugenden, technischen, biologischen, biotechnischen und chemischen Verfahren, wobei chemische Verfahren (Pflanzenschutzmittel) nur dann als „Ultima ratio“ angewandt werden, wenn die Existenz des Bestandes oder die Erfüllung seiner Waldfunktionen bedroht ist, und andere Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.

Umweltministerin Priska Hinz erklärte unter Hinweis auf den Vorrang von Biodiversität und Schutzzielen gemäß den Richtlinien für die Bewirtschaftung des Staatswaldes aus dem Jahr 2018, dass sie für den Staatswald bereits entschieden habe, keine Rodentizide mehr einzusetzen, um Beeinträchtigungen von Fressfeinden oder Langschwanzmäusen auszuschließen. „Zur Vermeidung weiterer Pflanzenschutzmittel erhoffe ich mir von diesem Staatswaldforum Anregungen und Impulse für ein pflanzenschutzmittelfreies Waldschutzkonzept für unseren Hessischen Staatswald und damit natürlich auch wichtige Anregungen für alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer,“ betonte Hinz.

Landesbetriebsleiter Michael Gerst berichtete, dass mit maßgeblicher Unterstützung des Landes Hessen, aber auch von Sponsoren und engagierten Bürgern, HessenForst gegenwärtig in den Mischwald von morgen investiere. Dies diene der Zukunftssicherung des hessischen Waldes. Das Ziel, einen klimastabilen Mischwald zu etablieren, werde fast komplett ohne Pflanzenschutzmittel realisiert.

PM: Einen Tag lang Forstminister

02.05.2022

Enno Sundermann von der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf lernt beim Boys‘ Day Umwelt- und Forstministerin Priska Hinz kennen und nimmt am Staatswaldforum teil.

Eigentlich ging es im HessenForst-Bildungszentrum in Weilburg um Wiederbewaldung und Waldschutz. Rund 50 Experten aus Naturschutz, Forst, Jagd, Wirtschaft und Wissenschaft tauschten sich zum pflanzenschutzmittelfreien Schutz des Waldes vor Käfern und Mäusen aus. Doch für Enno Sundermann, 13 Jahre und Schüler der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf wurde der Tag erst richtig rund, als er zu diesem Anlass Ministerin Hinz traf, die ebenfalls am Staatswaldforum teilnahm. „Die Ministerin ist total nett!“ freute sich Enno nach dem gemeinsamen Foto. Auf Hinz‘ Frage, was er denn mal werden wolle, sagte Enno ehrlich, dass er es noch nicht genau wisse. „Vielleicht Minister!“ überlegte er später.

Ministerin Priska Hinz und Enno Sundermann im Wald des Forstamts Weilburg. (Foto: Bianca Christen, HessenForst)

Obwohl die Vorträge und Diskussionsrunden sehr fachlich waren, langweilte der Schüler sich nicht. „Ich weiß, dass der Wald wichtig für das Klima und für unsere Zukunft ist.“ Die gut 30.000 Hektar Freiflächen im Staatswald sollen schnell wieder Wald werden. Dazu nutzt der Landesbetrieb die natürliche Verjüngung der Waldbäume und ergänzt mit Pflanzungen wo es nötig und sinnvoll ist. Die Pflege dieser neuen Kulturen ist eine der größten Herausforderungen der Forstleute. Dazu gehört nicht nur der Schutz vor Rotwild, Rehwild und Hase, sondern auch vor Mäusen und Insekten, wie dem Großen Braunen Rüsselkäfer.

Der Jungen-Zukunftstag ist ein bundesweiter Aktionstag zur Berufsorientierung und Lebensplanung für Jungen ab der 5. Klasse und findet seit 2008 jedes Jahr statt.

Der „Tag des Baumes“ wird 70

25.04.2022

Regierungspräsident Mark Weinmeister und Landesbetriebsleiter Michael Gerst pflanzen gemeinsam eine Rotbuche in den Habichtswald.

„Sie ist hier nur eine von vielen, dennoch eine ganz besondere“ sagte HessenForst-Leiter Michael Gerst anlässlich der Baumpflanzung gemeinsam mit Regierungspräsident Mark Weinmeister. „Dieser Buche wünschen wir, dass sie dem Klimawandel trotzt und lange lebt um viel Kohlenstoff zu binden, bevor sie in etwa 150 Jahren einem neuen Baum Platz macht.“ Die Rotbuche (Fagus silvatica) ist Baum des Jahres 2022. Sie ist in Hessen allgegenwärtig aber weltweit einzigartig, denn es gibt sie nur in Europa.

Mark Weinmeister (l.) und Michael Gerst (r.) pflanzen gemeinsam eine Buche in den Habichtswald. (Foto: Moritz Frey, HessenForst)

Bereits zum siebzigsten Mal jährt sich der Tag des Baumes. Erstmals ausgerufen nach dem Krieg, sollte der Tag auf die starken Waldverluste aufmerksam machen und die Menschen motivieren, sich aktiv für den Wald einzusetzen. Durch die sogenannten Reparationshiebe wurden damals zehn Prozent der Wälder in Deutschland kahlgeschlagen. „Dieser Tag ist heute genauso aktuell wie vor 70 Jahren“ betonte Regierungspräsident Weinmeister. „Wir beklagen derzeit große Waldverluste aufgrund der Klimakrise, das trifft NordOstHessen als eine der waldreichsten Regionen Deutschlands besonders stark. Gleichzeitig engagieren sich viele Menschen für den Wald und helfen bei hessenweiten Pflanzaktionen, diese Flächen wieder zu bewalden. Dafür bin ich sehr dankbar! Denn der Wald geht uns alle an: Er ist Sauerstoffspender, Erholungsort, Holzlieferant, Lebensraum geschützter Tiere und Pflanzen und so vieles mehr.“

Gerst und Weinmeister waren sich einig, dass sie mit diesem Festtag in die Zukunft weisen wollen. Es sei Aufgabe der Forstleute, den Wald fit für den Klimawandel zu machen und ihn zugleich klug und nachhaltig zu bewirtschaften. In diesem Zusammenhang wies Gerst auf eine weitere aktuelle Facette des Waldes hin: „Weil der Klimawandel die Lebensgrundlagen der Menschen verändert, bedroht und vernichtet, löst er Konflikte in der Welt aus. Alles was den Klimawandel bremst und den Hunger nach fossilen Rohstoffen drosselt ist ein Beitrag zum Erhalt des Friedens. So wird der nachhaltig bewirtschaftete, resiliente Wald auch zum Lösungsbeitrag für globale Krisen.“

Schild zum Baum des Jahres

Maikäferflug in Südhessen startet

20.04.2022

Alle vier Jahre ist Hauptflugjahr des Waldmaikäfers im Hessischen Ried. Experten sagen 2022 starken Maikäferflug voraus.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) führt seit 2009 im Auftrag von HessenForst im Hessischen Ried Probegrabungen zur Ermittlung der Engerlingsdichte jeweils in dem Jahr vor einem Hauptflugjahr durch. Die Ergebnisse aus 2021 haben ergeben, dass sich die Population von Süden langsam nach Norden bewegt. So ist im Bereich um Darmstadt, Groß-Gerau und südwestlich des Frankfurter Flughafens dieses Jahr mit einem starken Maikäferflug zu rechnen. Die Kühkopfaue und der Bereich um Weiterstadt sind inzwischen weniger betroffen. Die Forstämter bereiten sich darauf vor, bei lokalen Massenflügen zusammen mit den zuständigen Behörden im Bedarfsfall notwendige Maßnahmen einzuleiten, wie z.B. die kurzfristige Sperrung von Straßen.

Das frische Grün der Laubbäume schmeckt besonders lecker. Mit einem neuen Blattaustrieb im Juni können die Bäume gut reagieren. (Foto: M. Kalinka, HessenForst)

Viele Naturbegeisterte, Familien und Kinder freuen sich auf den Anblick der Käfer und frischen dabei vielleicht Kindheitserinnerungen an Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ auf. Der Wald leidet allerdings massiv unter der wiederkehrenden Massenvermehrung. Dabei spielt der Wurzelfraß der Engerlinge eine weit größere Rolle als der Blattfraß der ausgewachsenen Käfer. Angefressene Pflanzenwurzeln können weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen, vertrocknen oft auf großer Fläche und verlieren die Verankerung. Selbst ältere Bäume leiden unter den Wurzelschäden. Gegenüber normalen Witterungsschwankungen sind ausgewachsene Käfer relativ widerstandsfähig. Den größten Einfluss auf die natürliche Regulation der Waldmaikäferpopulation haben nach derzeitigem Kenntnisstand die im Waldboden vorkommenden Gegenspieler wie Bakterien, Nematoden und Pilze.

Ein Haufen Engerlinge: der Wurzelfraß der Maikäferlarven schadet den Bäumen mehr als der Blattfraß der fertigen Käfer. (Foto: NW-FVA)

Die Entwicklung vom Ei zum fertigen Käfer beträgt im Hessischen Ried meist vier Jahre. Dabei leben die Larven, auch Engerlinge genannt, drei Jahre im Boden. Während der Vegetationszeit von April bis September befinden sich die Larven in 20 cm Tiefe wo sie sich von den feinen Wurzeln der Bäume ernähren. Im Winter begeben sie sich oft in tiefere Schichten und bleiben so unterhalb der Frostgrenze. Im vierten Jahr schlüpfen die fertigen Käfer, je nach Witterung, Mitte April bis Anfang Mai.

Wurzelfraßschäden an jungen Bäumen. Ohne Feinwurzeln verdursten und verhungern die Pflanzen. (Foto: R. Hurling, NW-FVA)

Nach dem Ausflug fressen sie geradezu verschwenderisch die jungen Blätter der Waldbäume, um genügend Energie für ihr kurzes Leben als fertige Käfer (vier bis sieben Wochen) und für die Paarung zu sammeln. Besonders Rot-, Stiel- und Traubeneichen sowie Buchen stehen auf ihrem Speiseplan. Die Bäume können durch den Blattfraß nahezu entlaubt werden, erholen sich aber meist in den folgenden zwei Monaten durch Neuaustrieb. Die Eiablage erfolgt schließlich überwiegend im Gras. Aus forstlicher Sicht ist es deshalb entscheidend, einen möglichst dichten, verschattenden Baumbewuchs zu erhalten. Er verhindert, dass Gräser und damit auch die Maikäfer sich ausbreiten.