Entscheidungshilfen zur klimaangepassten Baumartenwahl für den hessischen Kommunal- und Privatwald

24.11.2022

Nähere Informationen finden sie auf der Homepage der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW – FVA

Link zu der Homepage

Ernte von Eicheln für klimastabile Wälder in Hessen

20.10.2022

Im Forstamt Hessisch Lichtenau wurden Anfang Oktober 2022 über 130.000 Eicheln geerntet.

Klimawandel, Borkenkäfer, Kahlflächen – diese Begriffe sind dieser Tage in der Bevölkerung allgegenwärtig. Gerade in der Region des Forstamts Hessisch Lichtenau sind die Folgen der genannten Phänomene nicht zu übersehen. Als eines der am stärksten durch die Extremjahre 2018-2022 betroffenen Forstämter befinden wir uns in der Situation, Waldgebiete mit einer Gesamtfläche von weit über 3.000 ha wieder neu aufbauen, bepflanzen, in Kultur bringen zu müssen. Und zwar mit klimastabilen, naturgemäßen und standortsangepassten Baumarten. Die Traubeneiche (Quercus petraea) stellt eine dieser Baumarten dar. Doch dafür wird geeignetes Vermehrungsgut benötigt. Trotz der nach den Großschäden gleichbleibend übermäßigen Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Forstamts haben wir uns dazu entschlossen, unseren Beitrag für die Gewinnung geeigneten Vermehrungsguts zu leisten.

Die gesetzlichen Vorgaben regeln, dass ausschließlich Vermehrungsgut, also Saatgut oder Jungpflanzen, in deutschen Wäldern eingebracht werden darf, das ein bestimmtes Zulassungsverfahren durchlaufen hat. Diese Sorgfalt hat große Bedeutung, weil die Qualität des Vermehrungsguts für den Waldbestand der nächsten Jahrzehnte, bei Baumarten wie der Eiche sogar Jahrhunderte entscheidend ist. Im Forstamt Hessisch Lichtenau sind einige zugelassene Saatgutbestände, wovon in diesem Jahr ein Traubeneichenbestand im Revier Hundelshausen beerntet wurde. Rund 135.000 Eicheln kamen dabei zusammen, die einmal zu gut 80.000 Eichen heranwachsen. Ob im jeweiligen Jahr Eicheln geerntet werden können, hängt davon ab, wie viele Eicheln von den Mutterbäumen gebildet werden. Forstleute nennen Jahre, in denen Eichenbestände eine hohe Fruktifikation, also üppige Eichelbildung, aufweisen Mastjahre beziehungsweise Vollmasten. Allerdings können Pilze und Insekten die Eicheln bereits vor der Ernte abtöten, sodass die Ausbeute reduziert wird. Bei Vollmast-Jahren können bis zu 1,5 Tonnen Eicheln pro Hektar Sammelertrag erreicht werden. Daraus können rund eine halbe Millionen Bäume entstehen. Die Ernte im Forstamt Hessisch Lichtenau reicht für die Neuanlage von etwa 10 Hektar Kahlfläche. In Relation gesehen zu den über 3.000 Hektar Kahlfläche alleine im eigenen Forstamt wird die Notwendigkeit deutlich, qualitativ hochwertiges Saatgut zu gewinnen. Es kommt daher in ganz Hessen darauf an, viel qualifiziertes Saatgut zu gewinnen. Für neue Eichenbestände also konkret auf eines – Eicheln.

Neue Mitarbeiterin – Vorstellung Büroleiterin Bianca Schäfer-Hahn

04.10.2022

Hallo, mein Name ist Bianca Schäfer-Hahn und seit dem 01. Oktober 2022 bin ich die neue Büroleiterin im Forstamt Schlüchtern.

Meine berufliche Karriere begann als Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten im ehemaligen Forstamt Bad Soden-Salmünster und setzte sich als Lohnsachbearbeiterin im ehemaligen Forstamt Sinntal fort.

Aus familiären Gründen wechselte ich nach zwei Jahren von Sinntal nach Wiesbaden in das Personalreferat des Hessischen Ministeriums für Landesentwicklung, Wohnen, Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz. Hier konnte ich eine Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin absolvieren. Nach knapp sechs Jahren in der Landeshauptstadt erfolgte ein erneuter Wechsel – zurück in den „nachgeordneten Bereich“ des Ministeriums – zum damaligen Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft (ARLL) in Gelnhausen. Hier war ich zwei Jahre im Bereich Landwirtschaft für die Tierprämien zuständig.

Nach zwei familiären Auszeiten, -in der die Landwirtschaftsverwaltung zwischenzeitlich kommunalisiert wurde-, setzte sich mein beruflicher Werdegang dann im Umweltamt des Main-Kinzig-Kreises in Gelnhausen – in der Abteilung Wasser- und Bodenschutz –  fort. 

Im vergangenen Jahr bot sich mir mit der externen Ausschreibung der Büroleitungsstelle hier im Forstamt die Möglichkeit, zu den beruflichen Wurzeln meiner Ausbildung zurückzukehren. Nach Zusage und längerer Kündigungsfrist freue ich mich jetzt auf die neue Herausforderung und auf ein nettes Team motivierter Kolleginnen und Kollegen.

Walderlebnistage 2023

30.09.2022

Montag 19.06. – Freitag 14.07. 2023

Die Forstämter Burghaun, Fulda und Hofbieber freuen sich, die Walderlebnistage vom 19.06. – 14.07. 2023 für alle dritten Grundschulklassen im Landkreis Fulda wieder anbieten zu können!

Täglich werden im Bereich des Forstamtes Hofbieber zwischen 9.00 – 12.30 Uhr, gleichzeitig und versetzt zueinander, je 7 Schulklassen auf einem circa 3 Km langen Rundweg durch Forstpersonal geführt. Tiere und Pflanzen des Waldes, Holzernte und dessen Verwendung, ein „Schweigepfad“ und Interessantes rund um Wald und Forstwirtschaft werden vermittelt.

Ein schönes Gefühl für den Wald und seine Besonderheiten soll mit nach Hause genommen werden.

Alle dritten Schulklassen können sich ab dem 01.10. 2022 und bis spätestens 28.02.2023 anmelden.

Für JEDE Klasse ist aus technischen Gründen ein separates Formular auszufüllen.

Anmeldebogen: hier !

Anmeldungen und Rückfragen schicken Sie bitte per Mail an:    

WalderlebnistageFAHofbieber@forst.hessen.de

Alle weiteren Unterlagen schicken wir Ihnen nach Anmeldeschluss zu.

Extremwetterrichtlinie – Wald

25.09.2022

Einführung von Antragsfristen im Förderbereich Wiederaufforstung (III.3):

01.03. für Herbstpflanzungen

01.09. für Frühjahrspflanzungen des Folgejahres

Außnahme:

Die Frist zur Beantragung von Frühjahrspflanzungen in 2023 wird bis zum 1. Dezember 2022 verlängert (Erlass vom 09.08.2022, VI 1-088 f08.03-1/2019).

Weitere Informationen und Antragsvordrucke:

https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt-und-energie/forsten/forstliche-foerderung

Forstamt Burghaun
Schloßstr. 12
36151 Burghaun

Ist denn schon Herbst?

05.09.2022

Wassermangel in Hessens Wäldern sorgt für spätsommerlichen Laubabwurf

Der anhaltende Wassermangel und die hohen Temperaturen bedeuten einen großen Stress für Bäume. In Bad Hersfeld zum Beispiel hat es laut wetterkontor.de in den Monaten Juni bis Ende August nur ein Drittel so viel Niederschlag gegeben, wie im langjährigen Mittel.

Ein Baum nimmt Wasser durch die Wurzeln und Kohlendioxyd über die Blätter auf und wandelt es mit Hilfe der Sonne in Holz um. Dabei stößt der Baum Wasserdampf und Sauerstoff durch kleine Spaltöffnungen in den Blättern wieder aus. Um nicht mehr Wasser zu verdunsten, als der ausgetrocknete Boden hergibt, verschließt der Baum an heißen Tagen seine Spaltöffnungen, eine reine Lebenserhaltungsmaßnahme. Um schließlich seine Ressourcen zu schonen, stößt der Baum seine Blätter ab. Dadurch kann er aber kein Holz mehr erzeugen, die Jahrringe bleiben schmal.

Normalerweise überlebt ein Baum einen trockenen Sommer ohne Probleme. Mehrere Jahre mit Wassermangel schwächen jedoch die Vitalität der Bäume erheblich. „Die gelegentlichen, kurzen Gewitterschauer haben so gut wie keinen Effekt auf den völlig ausgetrockneten Oberboden“ warnt Michelle Sundermann, Pressesprecherin von HessenForst.

Um den Wald an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen, begründet HessenForst zukunftsfähige Mischwälder mit einer Vielzahl von Baumarten, die auch mit weniger Wasser zurechtkommen. Dazu zählen die Forstleute beispielsweise Eichen, Ahorne, Eschen und Linden aber auch Kiefer und Douglasie. Außerdem setzen die Forstleute auf die natürliche Anpassungsfähigkeit von Bäumen und nicht zuletzt auf die rasche Reduktion des CO2-Ausstoßes.

HessenForst: J. Kaffenberger – trockene Eichen

Das Forstamt Schlüchtern bildet wieder aus

01.08.2022

Nach rund zehn Jahre Pause ist es endlich wieder so weit. Das Forstamt Schlüchtern bildet im Ausbildugnsberuf Forstwirt/in wieder aus. Am 01. August 2022 durften wir unsere drei neuen Kollegen herzlichst begrüßen. Simon Leinweber, Florian Oestreich und Lucas Jacob starten in eine spannende Ausbildungszeit, in der sie unser ausbildender Forstwirtschaftsmeister Lucas Koschella tatkräftig unterstützen wird.

Gerne möchten sich die drei Kollegen an dieser Stelle einmal selbst vorstellen.

Hallo, mein Name ist Lucas Jacob. Ich bin 16 Jahre alt und komme aus Hohenzell. Nach meinem Realschulabschluss habe ich die Ausbildung als Forstwirt angetreten. Für mich ist es kein Neuland mit Holz zu arbeiten, da wir zu Hause selbst viel Brennholz machen. Ich arbeite gerne in und mit der Natur, des Weiteren interessieren mich die Aufgaben und Arbeiten eines Forstwirtes sehr. Es ist für mich sehr spannend zu erfahren, was der Beruf so mit sich bringt.

Lucas Jacob

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Mein Name ist Florian Oestreich, ich bin 17 Jahre alt und gebürtig aus Metzlos bei Grebenhain. Schon als kleines Kind war ich sehr gerne draußen in der Natur und insbesondere im Wald. Ich habe Zuhause meinem Opa schon oft bei Waldarbeiten zugesehen und es schließlich selber ausprobiert. Da habe ich festgestellt das mir Arbeiten im Wald viel Spaß machen. Daraufhin machte ich zwei Praktika beim Forstamt in Schotten. Danach stand fest, dass der Beruf Forstwirt mein Traumjob sein wird. Ich besuchte die Oberwaldschule in Grebenhain, von 2012 bis 2022 und bestand meine mittlere Reife erfolgreich. Am 01. August .2022 begann ich meine Ausbildung zum Forstwirt beim Forstamt Schlüchtern und freue mich sehr auf die drei Ausbildungsjahre.

Florian Oestreich

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Hallo, ich heiße Simon Leinweber, bin 24 Jahre alt und komme aus Hauswurz.
Zusammen mit meinen Azubi-Kollegen habe ich am 01. August 2022 meine Ausbildung zum Forstwirt hier im Forstamt Schlüchtern begonnen und bin in den kommenden drei Jahren in den Revieren Breunings und Schwarzenfels eingesetzt.
Für mich ging es über einen kleinen Umweg in den Wald: Nach Abschluss der Realschule absolvierte ich zuerst die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Fulda. Jedoch bemerkte ich in den vergangenen Jahren immer mehr, dass dieser Beruf nicht zu mir passen will.
Durch meine Familie, die seit Jahren eine kleine, nebenerwerbliche Landwirtschaft mit Ackerbau und früher auch Rinder- und Schweinehaltung betreibt, wuchs ich mit der Arbeit in und mit der Natur auf. Vor allem aber die jährliche Brennholzgewinnung und die Pflege der eigenen Waldflächen interessierte mich und festigte so immer mehr den Wunsch im Forstbereich zu arbeiten. Nachdem zwei Forstwirtschaftsmeister aus meinem Bekanntenkreis auch meine letzten Fragen geklärt hatten, stand für mich fest: Ich möchte die Ausbildung zum Forstwirt starten.
In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit unterschiedlichen Sportarten, z.B. Krafttraining und Schwimmen, und packe selbstverständliche bei den anfallenden Arbeiten in der heimischen Landwirtschaft mit an.
Ich freue mich sehr auf die nächsten drei Jahre der Ausbildung mit vielen neuen Eindrücken.

Simon Leinweber

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Das Team vom Forstamt Schlüchtern wünscht seinen neuen Auszubildenden alles erdenklich Gute und viel Spaß in dieser spannenden Ausbildungsphase.

Hohe Waldbrandgefahr in weiten Teilen Hessens

18.07.2022

Umweltministerium ruft erste von zwei Alarmstufen aus

Das Hessische Umweltministerium hat ab heute die erste von zwei Alarmstufen, Alarmstufe A, für die Forstverwaltung in Hessen ausgerufen. Die Aussicht auf ein Anhalten der Wetterlage ohne ergiebige landesweite Niederschläge macht diesen vorsorgenden Schritt erforderlich. Für die nächsten Tage besteht nach aktuellen Prognosedaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Hessen überwiegend hohe Waldbrandgefahr. Die für Mitte der Woche vorhergesagten, gewittrigen Niederschläge führen nach erster Einschätzung zu keiner anhaltenden Verbesserung der Situation.

Weite Teile Hessens sind seit Wochen ohne größere Niederschläge geblieben. Nach unterdurchschnittlichen Niederschlägen in den Monaten März, Mai und Juni setzte sich dieser Trend auch im Juli bislang fort. Bedingt durch das Andauern der trockenen Witterung bei gleichzeitig hohen Temperaturen verschärft sich die Waldbrandgefahr in ganz Hessen.

Bereits die schwierigen Bedingungen der Jahre 2018 bis 2020 mit umfangreichen Sturm-, Trocken- und Borkenkäferschäden haben den Wald stark belastet. Durch die aktuelle Witterung sind die Oberböden im Wald weitestgehend ausgetrocknet. Das inzwischen stark ausgetrocknete Kronenrestholz, Reisigmaterial und abgestorbene Bäume bilden in vielen Teilen des Landes ein leicht entzündbares Material.

Das Ministerium bittet daher alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher um erhöhte Vorsicht und Aufmerksamkeit. Außerhalb der ausgewiesenen Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf den Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und dass das Feuer beim Verlassen des Grillplatzes richtig gelöscht wird. Für die im Einzelfall erforderliche Schließung von Grillstellen in besonders brandgefährdeten Waldgebieten bzw. Waldrandbereichen wird bereits jetzt um Verständnis gebeten. Bereits bestehende Einschränkungen sind unbedingt einzuhalten. Im Ausnahmefall ist auch die vorübergehende Sperrung von Waldwegen und Waldflächen nicht ausgeschlossen.

Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet. Waldbrandgefahr geht auch durch entlang von Straßen achtlos aus dem Fenster geworfenen Zigarettenkippen aus.

Alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher werden zudem gebeten, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Pkws dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen. Mit dem Ausrufen der zweithöchsten Alarmstufe wird unter anderem sichergestellt, dass die besonders gefährdeten Waldbereiche verstärkt überwacht werden. Die Forstverwaltung stellt zudem die technische Einsatzbereitschaft sicher und intensiviert den Kontakt zu den örtlichen Brandschutzdienststellen.

Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

Weitere Informationen zum Thema Waldbrandgefahr und den Alarmstufen finden Sie hier: https://umwelt.hessen.de/wald/klimastabiler-wald/waldbrandgefahr

Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

01.07.2022

Umweltministerin Priska Hinz hat heute zusammen mit Stefan Nowack, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei HessenForst im Staatswald bei Hofheim im Taunus die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald vorgestellt.

„Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald leistet genau das und ist bundesweit vorbildlich,“ sagte Umweltministerin Priska Hinz. „Der Schutz der Artenvielfalt wird bei der Waldbewirtschaftung zukünftig noch stärker berücksichtigt. Das weltweite Artensterben bedroht das Leben, wie wir es kennen. Es gilt neben der Klimakrise als die größte Bedrohung für die Menschheit. Deswegen unternehmen wir große Anstrengungen, bedrohte Arten zu schützen und Lebensräume wiederherzustellen. Dort, wo das Land als Eigentümer handelt, gilt das in besonderem Maße.“

„Die neue Naturschutzleitlinie stellt die konsequente Weiterentwicklung unserer bisherigen naturschutzfachlichen Ziele und Standards dar. Insbesondere die lokalen Naturschutzkonzepte werden den Naturschutz vor Ort noch einmal für die Öffentlichkeit transparenter und betrieblich operationaler gestalten. HessenForst dankt allen, die in dem breit angelegten Prozess der Weiterentwicklung mitgewirkt und mit ihren Beiträgen dafür gesorgt haben, dass das Werk in heutiger Form in dieser hohen Qualität vorliegt“, sagte Stefan Nowack, Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst.

Die vier Säulen der neuen Naturschutzleitlinie

  1. Mehr Habitatbäumen als Schlüssel der Artenvielfalt
Totholz Buche

Ein Kernstück der neuen Naturschutzleitlinie ist die Erhöhung der Anzahl an Habitatbäumen von bisher drei auf durchschnittlich zehn Bäume pro Hektar in Laubbaumbeständen über 100 Jahre. In Natura 2000-Schutzgebieten (Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU) werden es sogar fünfzehn Bäume pro Hektar. Habitatbäume spielen eine entscheidende Rolle im bewirtschafteten Wald. Sie ergänzen sonst kaum vorhandenen Strukturen der Alters- und Zerfallsphasen eines Naturwalds. Habitatbäume sind daher in der Regel ältere Bäume, die besondere ökologische Merkmale, sogenannte Mikrohabitate, besitzen. Sie bieten Lebensraum für eine große Bandbreite an Arten. Abblätternde Rinde wird so als Wochenstube der Mopsfledermaus genutzt, Hirschkäfer siedeln sich in Totholz an und Baumhöhlen unterschiedlicher Größe bieten Platz etwa für Raufußkauz, Siebenschläfer oder Hohltaube.

  • Schutz seltener Tiere stärken
Schwarzstorch

Der Wald ist Lebensraum für viele Arten, die selten geworden sind und deswegen eines besonderen Schutzes bedürfen. Darunter sind Vogelarten und Waldfledermäuse, die besonders hohe Ansprüche an die Höhlen- und Nischenausstattung des Waldes stellen. Auch an dieser Stelle wird der Artenschutz in der neuen Naturschutzleitlinie durch eine Optimierung bestehender Regelungen gestärkt. Dazu gehören die Sicherung der Brut- und Setzzeit durch verkürzte Holzerntezeiträume, die Ausweitung von Horstschutzzonen für Großvögel wie den Schwarzstorch sowie spezifisch angepasste Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten.

  • Wasserrückhalt für den Wald der Zukunft

Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird für die Zukunftswälder die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend sein. Der Wasserrückhalt im Wald ist daher neu in die Naturschutzleitlinie aufgenommen worden. Viele der enthaltenen Maßnahmen zielen darauf ab, Wasser im Wald möglichst lange zurückzuhalten: Feuchtwälder und insbesondere Waldmoore sind wichtige Kohlenstoffsenken und sollen revitalisiert werden. Besonderen Schutz erfahren als hochsensible Lebensräume Quellen, für die der Landesbetrieb HessenForst eine besondere Verantwortung übernimmt. Die Anlage und der Erhalt von Tümpeln und wasserführenden Gräben unterstützt Amphibien wie Feuersalamander und Gelbbauchunke.

  • Lokale Naturschutzkonzepte und Naturschutzkodex

Lokale Naturschutzkonzepte für die Forstämter, die alle zehn Jahre erarbeitet werden, bilden eine wichtige Säule für den künftigen Waldnaturschutz. In diesen Konzepten werden für jedes Forstamt ausgehend von einer Analyse der Arten, Lebensräume und Schutzgüter im Staatswald Handlungsfelder und Naturschutzmaßnahmen ausgearbeitet. Damit kann auf die unterschiedlichen Naturausstattungen und Schutzbedarfe in den verschiedenen Forstämtern konkret eingegangen werden.

Ausdruck des gelebten Naturschutzes im Hessischen Staatswald ist der Naturschutzkodex. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst verpflichten sich, bei Entscheidungen und Maßnahmen im Wald immer auch die Wirkungen auf den Naturschutz im Blick zu haben. Ergänzt wurde der bereits seit 2020 bestehende Naturschutzkodex in der neuen Leitlinie durch praktische Auswirkungen auf den Arbeitsalltag des Landesbetriebs. Hierzu gehört auch das Controlling durch Kennzahlen, die zukünftig für alle messbaren Handlungsfelder erhoben werden.

Hintergrund:

2010 wurde die erste Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald veröffentlicht, die bereits wichtige Maßstäbe für den Naturschutz im Wald gesetzt hatte. Nach der Herausgabe der neuen Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswalds (RiBeS 2018), in der Biodiversität als neues Hauptziel verankert wurde, wurde 2020 – auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald –der Prozess zur Evaluierung und Erneuerung der Leitlinie angestoßen. In Facharbeitsgruppen aus Mitgliedern des Landesbetriebs, weiterer Behörden und externer Expertinnen und Experten wurde die neue Leitlinie entwickelt und nach einer Beteiligung von Naturschutzverbänden, Landesnaturschutzbeirat und Landesforstausschuss final abgestimmt.  

Jörg Winter im Ruhestand, Sebastian Merkel neuer Forstamtleiter. Produktionsleiter Wolf-Rüdiger Berends ebenfalls verabschiedet

27.06.2022

Generationenwechsel im Forstamt Schlüchtern: Jörg Winter (li.) übergibt das Forstamt
an Sebastian Merkel (2.v.li.), Karina Brasch übernimmt Produktionsleitung von Wolf-Rüdiger
Berends (re.)
Foto: HessenForst

Harald Dersch, HessenForst-Regionalleiter verabschiedete Forstamtsleiter Jörg Winter am 24.
Juni in den Ruhestand. Er dankte seinem Kollegen für die geleistete Arbeit und das
Engagement, mit dem Winter und sein Team das Forstamt durch die vergangenen
Extremjahre gebracht hat. „Die Verjüngung der Eiche und die Stabilisierung des
Waldökosystems waren meine forstlichen Schwerpunkte“, berichtete Winter und führte fort:
„Auch die Jagd gehört für mich ganz wesentlich zum Waldbau.“
Neuer Forstamtsleiter wird Sebastian Merkel. Merkel hat sein forstliches Studium an der
Albert-Ludwig-Universität in Freiburg im Breisgau absolviert. Nach dem Referendariat
sammelte er erste berufliche Erfahrungen im hessischen Umweltministerium. Von September
2018 bis Ende Mai 2022 war er Produktionsleiter im Forstamt Jossgrund. Zur Amtsübernahme
betonte Merkel: „Ich freue mich, hier in meiner Heimat gemeinsam mit dem gesamten
Forstamtsteam unseren heimischen Wald mit all seinen Facetten und den Ansprüchen an ihn
in Zeiten des Klimawandels zu begleiten. Das verträgliche Zusammenleben von Mensch und
Tier in der Natur sehe ich als zentrales Element an.“
Beinahe zeitgleich mit Winter geht auch der langjährige Produktionsleiter des Forstamts, Wolf-
Rüdiger Berends in den Ruhestand. Über 17 Jahre sorgte er im Forstamt mit großem
Engagement für die Organisation der Holzernte und der Holzvermarktung. In diese Fußstapfen
wird Karina Brasch treten, die sich nach ihrem Referendariat in Bayern bereits seit Ende 2021
im Forstamt einarbeiten konnte. Ihr Interesse gilt besonders dem Waldbau im Klimawandel.

Das Team vom Forstamt Schlüchtern wünscht seiner neuen Forstamtsleitung alles Gute und allseits eine gute Zusammenarbeit!