Abschluss des RhineCleanUp in der Knoblochsaue

02.03.2022
Bettina Gruhle (Mitte), Iris Bernecker (links) und Ralph Baumgärtel (rechts) nach erfolgreicher Müllsammelaktion
(Foto: HessenForst)

Einmal im Jahr findet am gesamten Rhein der sogenannte „RhineCleanUp“ statt. So traten am 11. September 2021 ca. 40.000 Menschen an und sammelten am Rhein und seinen Zuflüssen mehr als 350 Tonnen Plastikmüll. Müll, der sonst früher oder später im Meer gelandet wäre.

Auch das für das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue zuständige Forstamt Groß-Gerau hatte zu einer Sammelaktion im Bereich des Schusterwörthes aufgerufen. Mit einer überschaubaren Zahl von Helfern wurde mehr als 1 Tonne Müll gesammelt und entsorgt. Aufgrund der begrenzten Zeit konnte allerdings nur ein kleiner Teil der Fläche gereinigt werden. Eine weitere Großaktion zu planen war aufgrund der Coronaregelungen nicht möglich.

Frau Bettina Gruhle, Gründerin der „Cleanup Gruppe Riedstadt und Rhein“, sagte spontan Unterstützung zu und organisierte mit 6 Freiwilligen im Januar und Februar kleinere Müllsammelaktionen entlang der Rheinstrecke vom Schusterwörth bis zum Parkplatz Mistweg in der Knoblochsaue. Dabei wurde das gesamte Rheinufer sowie die angrenzenden Waldbestände abgesucht. Die Sammelaktion wurde – auch aus Artenschutzgründen – sehr intensiv mit dem betreuenden Forstamt Groß-Gerau abgesprochen, welches auch den Abtransport des Mülls übernahm. So wurden in der letzten Woche bereits 1,9 Tonnen aus dem Bereich Schusterwörth geladen und auf die Deponie gefahren. Die Initiatoren rechnen nochmals mit 2 bis 3 Tonnen, die am Freitag geladen wurden, so dass insgesamt mehr als 5 Tonnen Plastik und sonstiger Müll aus dem Gebiet entfernt wurden. Gefunden wurde nahezu alles, was sich an Plastik denken lässt, dazu diverse Autoreifen, Metalltonnen, Gummiplanen, Zelte Stühle bis hin zur Waschmaschine. Der Müll stammt nicht von Besuchern des Naturschutzgebietes, sondern ist größtenteils über den Rhein in das Gebiet gelangt. Dort hat er sich seit Jahrzehnten angesammelt und ist durch Äste, Laub und Sand immer wieder überlagert worden. „Früher war es üblich, einen Teil des Hausmülls aus den Frachtschiffen direkt über den Fluss zu entsorgen. Dazu kamen direkte illegale Müllentsorgungsaktionen von den Brücken oder im Uferbereich gelagerter Müll. An bestimmten Stellen, vor allem an bewachsenen Innenkurven des Rhein sammelt sich natürliches Schwemmgut, wie auch der Plastikmüll“ so Förster Ralph Baumgärtel. Er zeigte sich beeindruckt von der gesammelten Menge und dankte den Freiwilligen um Bettina Gruhle. Auch wenn es immer noch Umweltfrevel in den Rheinauen gibt, ist seiner Einschätzung nach das Naturverständnis und die Sensibilität in den letzten Jahren gewachsen. Die Müllfracht des Rheins ist auch wegen des Engagements von Freiwilligen deutlich geringer geworden, so dass die Aktion auch nachhaltig ist. Auch in diesem Jahr – am 10. September – werden sich Forstamt Groß-Gerau und Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf wieder beteiligen. Helfer sind willkommen!

Veranstaltungsprogramm 2022 veröffentlicht

25.02.2022
Veranstaltungsprogramm 2022/23

Seit 2014 gibt es auf dem Kühkopf das Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ (UBZ). Träger der Institution ist das Regierungspräsidium Darmstadt, Betreiber ist HessenForst, Forstamt Groß-Gerau, das gleichfalls im Auftrag des Regierungspräsidiums die Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet organisiert.

Das Umweltbildungszentrum ist das westliche Eingangstor zum UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald, mit dem es kooperiert. Es ist aber auch das „Eingangstor“ zu Hessens größtem Naturschutzgebiet, Europareservat und NATURA 2000 Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue. Die Aufgabe des Zentrums ist es, die Besucher für den Naturschutz zu sensibilisieren und ist damit der wichtigste Bestandteil des Besucherlenkungssystems im Naturschutzgebiet.

Das Umweltbildungszentrum arbeitet nach den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung und greift neben den Informationen über das Gebiet auch weitere umweltrelevante Themen auf. Es wird jährlich von ca. 30.000 Personen besucht, etwa ein Drittel davon nehmen an den rund 350 Veranstaltungen teil, die dort im Jahresverlauf stattfinden. 4 Förster*innen des Forstamtes sowie zwei FÖJler*innen sind vor Ort für die Belange des Umweltbildungszentrums zuständig.

Nachdem die Jahre 2020 und 2021 stark von der Coronalage überschattet waren und viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten, startet das Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf (UBZ) wieder mit einem anspruchsvollen Jahresprogramm in die neue Saison. UBZ und diverse Partner bieten mehr als 100 Veranstaltungen auf dem Kühkopf und im Hofgut Guntershausen. In der ersten Jahreshälfte finden überwiegend Veranstaltungen im Außenbereich statt. Einen Schwerpunkt, der sich durch das ganze Jahresprogramm zieht, werden die augenfälligen Veränderungen sein, die mit dem globalen Klimawandel einhergehen. Dazu finden diverse Außenveranstaltung statt, aber auch das Naturschutzsymposium im September wird sich mit dem Thema beschäftigen.

Neben diesem Schwerpunkt finden wieder bewährte und neue Formate mit Themen rund um den Kühkopf statt. Die Naturforscherwerkstatt des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald lädt junge Forscher ab Mai einmal im Monat zu einem Forscherworkshop ein. Die „Kräuterfrauen“ bieten ebenfalls monatlich Führungen zu speziellen botanischen Aspekten. Im Verwalterhaus des Fördervereins Hofgut Guntershausen finden diverse künstlerische Ausstellungen und Vorträge zu lokalhistorischen Ereignissen statt. Um Kunst geht es auch im UBZ bei „Kunst im Gewölbe“ und der „Akademie in der Au“, die im Juli stattfindet.

Pandemiebedingt musste das traditionelle Frühlingsfest leider entfallen, das Kelterfest am 18. September soll aber stattfinden. Die Veranstaltungen sind online über die Webseite des UBZ einzusehen und zu buchen. Anmeldungen sind obligatorisch. Der gedruckte Jahreskalender ist während der Öffnungszeiten im Umweltbildungszentrum erhältlich. Weitere Infos unter www.schatzinsel-kuehkopf.de

Baumlehrpfad auf Kühkopf eröffnet

04.11.2021

Neuer Lehrpfad am Hofgut Guntershausen

Seit 2014 gibt es auf dem Kühkopf das Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ (UBZ). Träger der Institution ist das Regierungspräsidium Darmstadt, Betreiber ist HessenForst, Forstamt Groß-Gerau, das gleichfalls im Auftrag des Regierungspräsidiums die Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet organisiert.

Das Umweltbildungszentrum ist das westliche Eingangstor zum UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald, mit dem es kooperiert. Es ist aber auch das „Eingangstor“ zu Hessens größtem Naturschutzgebiet, Europareservat und NATURA 2000 Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue. Die Aufgabe des Zentrums ist es, die Besucher für den Naturschutz zu sensibilisieren und ist damit der wichtigste Bestandteil des Besucherlenkungssystems im Naturschutzgebiet.

Das Umweltbildungszentrum arbeitet nach den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung und greift neben den Informationen über das Gebiet auch weitere umweltrelevante Themen auf. Es wird jährlich von ca. 30.000 Personen besucht, etwa ein Drittel davon nehmen an den rund 350 Veranstaltungen teil, die dort im Jahresverlauf stattfinden. 4 Förster*innen des Forstamtes sowie zwei FÖJler*innen sind vor Ort für die Belange des Umweltbildungszentrums zuständig. Weitere Informationen unter: www.schatzinsel-kuehkopf.de

Anhand von 13 Tafeln zwischen der Stockstädter Brücke und dem Hofgut Guntershausen können sich Besucher seit Montag über die verschiedenen Baumarten im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue informieren. Es werden die wichtigsten Baumarten des Auwaldes, aber auch seltene und untypische Arten vorgestellt. Bei den Texten habe man bewusst nicht gespart, teilte der Leiter des Umweltbildungszentrums Schatzinsel Kühkopf und Initiator des Lehrpfades Ralph Baumgärtel mit: „Gerade im Bereich des historischen Hofgutes schlendern die Leute gemütlich durch die Lande und können durchaus auch mal länger an einer Infotafel verweilen.“

Auf den Tafeln finden sich Name des Baumes und Abbildungen der Blätter, die die Zuordnung zum Baum erleichtern. Zusätzlich gibt es umfangreiche Informationen zu den Standorten auf denen die Bäume wachsen, zu deren Vorkommen in der Rheinaue, zu Krankheiten, Verwendung und deren Bedeutung für den Naturschutz. Die Toleranz der Baumarten gegenüber Überflutung wird ebenfalls thematisiert. Dabei knüpft der Lehrpfad an Inhalte an, die auch im Umweltbildungszentrum und auf dem Auelehrpfad „Draußen am Fluss“ zu finden sind. Allgemeine ökologische Fragestellungen werden auf die einzelne Art heruntergebrochen und am Beispiel konkretisiert. Neben den typischen Auebaumarten, wie Eiche, Esche, Silberweide und Bergahorn finden sich dort auch nicht heimische Gehölze, wie die durch die Römer eingebrachte Kirschpflaume oder die am Mississippi beheimatete Schwarznuss. Auch Hessens häufigste Laubbaumart, die auf dem Kühkopf sehr seltene Rotbuche, findet sich am Hofgut und wird auf einer Tafel beschrieben. Die Inhalte der Tafeln finden sich auch auf der Webseite der Schatzinsel unter: https://schatzinsel-kuehkopf.hessen.de/schutzgebiet/erholung-und-naturbeobachtung/b%C3%A4ume-der-aue-%E2%80%93-baumlehrpfad

Im Auftrag Ihrer Majestät – die BIENENBOTSCHAFT

05.08.2021

Bienen am Hofgut Guntershausen

Von rechts nach links: Christian Kehrenberg (Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf), Antonio Gurliaccio und Moses M. Mrohs (Bienenbotschafter) sowie Sebastian Linzbauer (Fraport Umweltfonds). Foto: Baumgärtel (Forstamt Groß-Gerau)

Durch natürliche Prozesse gingen aus der Europäischen Honigbiene im Laufe der Geschichte zahlreiche Unterarten hervor. In Mitteleuropa entwickelte sich so die Dunkle Europäische Honigbiene (Apis mellifera mellifera). Durch langwierige Zucht entstanden zudem diverse Rassen, die dank ihrer Veranlagung gut zu bewirtschaften sind, d.h. die einen hohen Honigertrag versprechen, gut zu betreuen sind und unerwünschte Eigenschaften wie Stechfreudigkeit und Schwarmtrieb weitgehendverloren haben. Im Rahmen dieser Zucht und durch die Einfuhr südlicher und östlicher Unterarten wurde die ursprünglich bei uns heimische Dunkle Europäische Honigbiene vollständig verdrängt und gilt in Deutschland als ausgestorben. Die aktuell in Deutschland vorhandenen Rassen weichen in Verhalten und Genetik z.T. stark von der Dunklen Europäischen Honigbiene ab. Sie sind auf lange Sicht in weiten Teilen nicht mehr vollständig selbstständig überlebensfähig und auf die Betreuung durch einen Imker angewiesen. Neue Forschungen weisen zudem darauf hin, dass sich die gängigen Beutensysteme, in denen die Bienenvölker gehalten werden, in ihren Eigenschaften stark von den natürlichen Wohnstätten der Honigbiene unterscheiden. Initiativen wie „Die BIENENBOTSCHAFT“ und „Beenature-Project“ setzen sich, gestützt durch Forschungsergebnisse, für ein Umdenken in der Bienenhaltung ein und plädieren für eine wesensgerechte Bienenhaltung“ als alternative Haltungsform. Dabei werden Honigbienen in sogenannten „® natural habeetat *trees“ gehalten. Diese wurden aus den bereits im Mittelalter verwendeten Klotzbeutensystem entwickelt und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen modifiziert. Sie kommen in ihren Eigenschaften natürlichen Baumhöhlungen, die den ursprünglichen Lebensraum der Europäischen Honigbiene darstellen, nahe und bieten auch Lebensraum für zahlreiche andere Kleintiere, die natürlicherweise in einer Gemeinschaft mit der Honigbiene leben und das Volk in seiner Vitalität fördern. Wesentlich bei der artgerechten Bienenhaltung ist auch der Gedanke, die Nutzung der Bienenvölker als Honiglieferant zu reduzieren und Völker weniger intensiv zu bewirtschaften, um im Gegenzug vitale und selbstständig überlebensfähige Völker zu erhalten. Im Vordergrund stehen die Rolle der Honigbiene im Ökosystem und die Bestäubungsleistung, die Honigerzeugung ist nachrangig. Gleichzeitig ermöglicht diese Haltungsform eine allmähliche Rückzucht hin zu einer Honigbiene, die in ihren Eigenschaften der verschwundenen Dunklen Europäischen Biene ähnelt. Diese artgerechte Bienenhaltung kann die herkömmliche Ertragsimkerei nicht vollumfänglich ersetzen, stellt aber insbesondere für kleinere natur- und tierschutzorientierte Bienenhalter eine wichtige Ergänzung dar.

Ziele des vom Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf (UBZ) nachfolgend beschriebenen Projekts sind

a) die Entwicklung in der Natur autonom lebensfähiger Bienenvölker,

b) der Erhalt und die Förderung der besonderen Lebensgemeinschaften um die Honigbiene in Naturhöhlungen,

c) die Multiplikation der gewonnenen Erkenntnisse aus der Bienenforschung inklusive der Ableitung möglicher neuer Konzepte/Standards in der Bienenhaltung und

d) die Sensibilisierung der Bevölkerung für eine naturverträgliche Landschaftsgestaltung und Nutzung.

2020 fand dazu im Hofgut Gunterhausen ein zweitägiger Workshop statt, an dem 12 Teilnehmer unter der Anleitung der Bienenbotschafter Antonio Gurliaccio und Martin Mrohs aus Baumstämmen „® natural habeetat *trees“ fertigten. Zwei davon konnten auf dem Kühkopf verbleiben, die anderen wurden von den Teilnehmern mit nach Hause genommen. Eine fertige Klotzbeute findet sich heute als unbewohnte Schaubeute im Innenhof des Hofgutes Guntershausen auf dem Kühkopf. Die Schautafel davor erläutert allgemeinverständlich Hintergrund und Zielsetzung des Projektes und beschreibt ausführlich die Besonderheiten dieser Art der Bienenhaltung. Christian Kehrenberg vom Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf als Initiator des Projektes weist an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass sich die Haltung von Bienen in „® natural habeetat *trees“ nicht als Konkurrenz zur herkömmlichen Bienenhaltung sieht, sondern als Ergänzung mit anderen Schwerpunkten.

Im Mai dieses Jahres gelang es der Hobbyimkerin und Geopark-Vor-Ort-Begleiterin Regina Lautenschläger bei Biebesheim einen selbstständig gewordenen Bienenschwarm einzufangen, der umgehend in die zweite Klotzbeute auf dem Hofgut verbracht wurde. Die zweite – nun bewohnte –  Klotzbeute steht etwas abgesetzt vom Innenhof und kann nur unter fachkundiger Anleitung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit besucht werden. Bevor die Betreuung der „Kühkopf-Bienen“ endgültig an das UBZ-Team übergeht, kümmern sich dies Jahr noch die beiden Profi-Bienenbotschafter um das junge Volk. Keine einfache Aufgabe, wie Antonio Gurliaccio feststellt: „Die vielen Niederschläge und kühle Witterung seit Mai machen den Bienen zu schaffen. Um das Volk in seiner Aufbauleistung zu stützen muss sogar zeitweise gefüttert werden“. Die Bienen haben mittlerweile Waben gebaut und fangen an, sich im neuen Zuhause einzurichten.

Das gesamte Projekt wird maßgeblich vom Fraport-Umweltfonds unterstützt. Sebastian Linzbauer vom Umweltfonds freut sich gemeinsam mit den Bienenbotschaftern und dem Team vom Umweltbildungszentrum über das gelungene Projekt: „Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell diese „Haustiere“ einen natürlichen Lebensraum besiedeln und ein artgemäßes Verhalten zeigen“.