Mehr Artenvielfalt im Hessischen Staatswald

01.07.2022

Umweltministerin Priska Hinz hat heute zusammen mit Stefan Nowack, Abteilungsleiter Waldentwicklung und Umwelt bei HessenForst im Staatswald bei Hofheim im Taunus die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald vorgestellt.

„Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Die neue Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald leistet genau das und ist bundesweit vorbildlich,“ sagte Umweltministerin Priska Hinz. „Der Schutz der Artenvielfalt wird bei der Waldbewirtschaftung zukünftig noch stärker berücksichtigt. Das weltweite Artensterben bedroht das Leben, wie wir es kennen. Es gilt neben der Klimakrise als die größte Bedrohung für die Menschheit. Deswegen unternehmen wir große Anstrengungen, bedrohte Arten zu schützen und Lebensräume wiederherzustellen. Dort, wo das Land als Eigentümer handelt, gilt das in besonderem Maße.“

„Die neue Naturschutzleitlinie stellt die konsequente Weiterentwicklung unserer bisherigen naturschutzfachlichen Ziele und Standards dar. Insbesondere die lokalen Naturschutzkonzepte werden den Naturschutz vor Ort noch einmal für die Öffentlichkeit transparenter und betrieblich operationaler gestalten. HessenForst dankt allen, die in dem breit angelegten Prozess der Weiterentwicklung mitgewirkt und mit ihren Beiträgen dafür gesorgt haben, dass das Werk in heutiger Form in dieser hohen Qualität vorliegt“, sagte Stefan Nowack, Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt beim Landesbetrieb HessenForst.

Die vier Säulen der neuen Naturschutzleitlinie

  1. Mehr Habitatbäumen als Schlüssel der Artenvielfalt
Totholz Buche

Ein Kernstück der neuen Naturschutzleitlinie ist die Erhöhung der Anzahl an Habitatbäumen von bisher drei auf durchschnittlich zehn Bäume pro Hektar in Laubbaumbeständen über 100 Jahre. In Natura 2000-Schutzgebieten (Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU) werden es sogar fünfzehn Bäume pro Hektar. Habitatbäume spielen eine entscheidende Rolle im bewirtschafteten Wald. Sie ergänzen sonst kaum vorhandenen Strukturen der Alters- und Zerfallsphasen eines Naturwalds. Habitatbäume sind daher in der Regel ältere Bäume, die besondere ökologische Merkmale, sogenannte Mikrohabitate, besitzen. Sie bieten Lebensraum für eine große Bandbreite an Arten. Abblätternde Rinde wird so als Wochenstube der Mopsfledermaus genutzt, Hirschkäfer siedeln sich in Totholz an und Baumhöhlen unterschiedlicher Größe bieten Platz etwa für Raufußkauz, Siebenschläfer oder Hohltaube.

  • Schutz seltener Tiere stärken
Schwarzstorch

Der Wald ist Lebensraum für viele Arten, die selten geworden sind und deswegen eines besonderen Schutzes bedürfen. Darunter sind Vogelarten und Waldfledermäuse, die besonders hohe Ansprüche an die Höhlen- und Nischenausstattung des Waldes stellen. Auch an dieser Stelle wird der Artenschutz in der neuen Naturschutzleitlinie durch eine Optimierung bestehender Regelungen gestärkt. Dazu gehören die Sicherung der Brut- und Setzzeit durch verkürzte Holzerntezeiträume, die Ausweitung von Horstschutzzonen für Großvögel wie den Schwarzstorch sowie spezifisch angepasste Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten.

  • Wasserrückhalt für den Wald der Zukunft

Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird für die Zukunftswälder die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend sein. Der Wasserrückhalt im Wald ist daher neu in die Naturschutzleitlinie aufgenommen worden. Viele der enthaltenen Maßnahmen zielen darauf ab, Wasser im Wald möglichst lange zurückzuhalten: Feuchtwälder und insbesondere Waldmoore sind wichtige Kohlenstoffsenken und sollen revitalisiert werden. Besonderen Schutz erfahren als hochsensible Lebensräume Quellen, für die der Landesbetrieb HessenForst eine besondere Verantwortung übernimmt. Die Anlage und der Erhalt von Tümpeln und wasserführenden Gräben unterstützt Amphibien wie Feuersalamander und Gelbbauchunke.

  • Lokale Naturschutzkonzepte und Naturschutzkodex

Lokale Naturschutzkonzepte für die Forstämter, die alle zehn Jahre erarbeitet werden, bilden eine wichtige Säule für den künftigen Waldnaturschutz. In diesen Konzepten werden für jedes Forstamt ausgehend von einer Analyse der Arten, Lebensräume und Schutzgüter im Staatswald Handlungsfelder und Naturschutzmaßnahmen ausgearbeitet. Damit kann auf die unterschiedlichen Naturausstattungen und Schutzbedarfe in den verschiedenen Forstämtern konkret eingegangen werden.

Ausdruck des gelebten Naturschutzes im Hessischen Staatswald ist der Naturschutzkodex. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs Hessen-Forst verpflichten sich, bei Entscheidungen und Maßnahmen im Wald immer auch die Wirkungen auf den Naturschutz im Blick zu haben. Ergänzt wurde der bereits seit 2020 bestehende Naturschutzkodex in der neuen Leitlinie durch praktische Auswirkungen auf den Arbeitsalltag des Landesbetriebs. Hierzu gehört auch das Controlling durch Kennzahlen, die zukünftig für alle messbaren Handlungsfelder erhoben werden.

Hintergrund:

2010 wurde die erste Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald veröffentlicht, die bereits wichtige Maßstäbe für den Naturschutz im Wald gesetzt hatte. Nach der Herausgabe der neuen Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswalds (RiBeS 2018), in der Biodiversität als neues Hauptziel verankert wurde, wurde 2020 – auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald –der Prozess zur Evaluierung und Erneuerung der Leitlinie angestoßen. In Facharbeitsgruppen aus Mitgliedern des Landesbetriebs, weiterer Behörden und externer Expertinnen und Experten wurde die neue Leitlinie entwickelt und nach einer Beteiligung von Naturschutzverbänden, Landesnaturschutzbeirat und Landesforstausschuss final abgestimmt.  

Schulungen – Motorsägenlehrgänge im Angebot

05.05.2022

Mit Freude dürfen wir nach längerer Pause wieder die Mobile Waldbauernschule in unserem Forstamt begrüßen. Nähere Informationen und wann welche Kurse in unserem Bereich stattfinden, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Die mobile Waldbauernschule bietet Ihnen, als hessischer Privatwaldbesitzer, ein regionales Schulungsangebot. Das Angebot gilt ebenfalls für Ihre Familienmitglieder und Helfende des Betriebs, sofern diese bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mitversichert sind.

Im Forstamt Schlüchtern finden im Herbst folgende Schulungstage statt:

Natürlich können auch Angebote in den umliegenden Forstämtern wahrgenommen werden, wie z. B. im Forstamt Schotten oder Forstamt Fulda. Weitere Termine finden Sie in der Suchfunktion: https://www.hessen-forst.de/schulungen/

Alles Weiter zum Thema mobile Waldbauernschule ist hier zu finden: https://www.hessen-forst.de/post/aktuelles/mobile-waldbauernschule/

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an uns wenden.

Ihr Team vom Forstamt Schlüchtern

Ausbildung – Vorstellung Forstinspektoranwärterin Johanna Heinz

02.05.2022

Hallo, mein Name ist Johanna Heinz. Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Grebenau.  

Nach dem Abitur 2016 habe ich ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) im Forstamt Burghaun absolviert. Dies war für mich der Startschuss für den grünen Beruf als Förster, den sowohl mein Vater als auch mein Opa bereits ausgeübt haben. Nach dem FÖJ ging es im Oktober 2017 für ein Forstwirtschaftsstudium an die Fachhochschule nach Erfurt. Während des Studiums erlangte ich meinen Jagdschein. Innerhalb der 7 Semester Regelstudienzeit wurde immer klarer, dass der Weg mit dem Abschluss des Studiums noch nicht beendet ist, sondern der Anwärter nach erfolgreichem Bachelor zur vollständigen Ausbildung angestrebt wird.

Nach dem Studium im März 2021 habe ich ein halbes Jahr das Forstamt Romrod bezüglich des Borkenkäfers mittels Borkenkäfermonitoring unterstützt. Weiterhin arbeitete ich danach ein halbes Jahr bei den Hohenzollern Forstdiensten in Sigmaringen als Maschineneinsatzleiterin.

Seit April 2022 bin ich Forstoberinspektoranwärterin im Forstamt Schlüchtern. Ich freue mich sehr auf dieses lehrreiche Jahr in der Heimat.  

Viel los im Wald!

02.03.2022

Im Bereich des Forstamtes Hofbieber finden derzeit viele Holzerntemaßnahmen statt. Wege werden zeitnah instandgesetzt.

In diesem Winter wurden im Bereich des Forstamtes Hofbieber viele Wälder gepflegt. „Die Bedingungen waren günstig, weil wir im letzten Jahr weniger Schadholz hatten und uns deshalb auch um wichtige Pflegemaßnahmen kümmern konnten“ ,erklärt Florian Wilshusen. „Schließlich können wir das Holz nur einschlagen, wenn unsere Unternehmer Zeit dafür haben und der Holzmarkt aufnahmefähig ist.“

Joachim Schleicher, zuständiger Revierleiter in Poppenhausen erläutert, dass in den vergangenen Jahren aufgelaufene Pflegerückstände behoben werden müssen, um Mischbaumarten zu erhalten und die die Stabilität der Wälder zu sichern. „Das ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Anpassung unserer Wälder an die zukünftigen Bedingungen.“

Der Februar brachte aber etliche Herausforderungen mit sich. Bei ausbleibendem Frost hat es viel geregnet und zuletzt auch gestürmt. Geworfen wurden hauptsächlich Fichten, die nun anfällig für Borkenkäferbefall sind. Die Aufarbeitung der Sturmschäden sowie der Transport des Holzes aus den Beständen sind derzeit in vollem Gange. „Eile gebieten neben den Borkenkäfern auch die Brutvögel, die im beginnenden Frühling in den Waldbeständen erwartet werden“ ,erklärt Kay Andresen, der im Revier Bieberstein zuständig ist.

Die Wege in den betroffenen Bereichen sind durch die Ernte- und Pflegemaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen worden. Um die Waldböden vor dauerhaften Schäden zu schützen, wurden die Holzerntemaschinen häufig mit sogenannten Traktionsbändern ausgestattet. „Das verhindert zwar Befahrungsschäden in den Beständen, leider wird dadurch aber sehr viel Schlamm auf die Waldwege getragen, die wir jetzt wiederinstandsetzen müssen“ ,ergänzt Andresen.

Im Revier Bieberstein und auch in anderen Teilen des Forstamtes Hofbieber mussten deshalb gerade einige Wege gesperrt werden. „Wir setzen die Wege instand, sobald es die Witterung zulässt“ ,versichert Florian Wilshusen. „Bis dahin bitte ich die Erholungssuchenden um Verständnis und darum, sich zur eigenen Sicherheit an die Absperrungen zu halten.“

Bestandespflege mit dem Harvester – bodenschonend und sicher (Florian Wilshusen)

Neuer Mitarbeiter – Vorstellung Forstwirtschaftsmeister Aaron Brünig

01.03.2022

Hallo mein Name ist Aaron Brünig, ich komme gebürtig aus Linsengericht/ Altenhaßlau und bin 27 Jahre alt. Meine Ausbildung zum Forstwirt habe ich im August 2012 im Forstamt Hanau – Wolfgang begonnen und nach 3 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Nach der Abschlussprüfung wurde ich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen und konnte weiterhin heimatnah arbeiten.

Nach 5 Jahren Tätigkeit als Forstwirt, wollte ich mich weiterentwickeln und bewarb mich auf eine Ausbildungsstelle als Forstwirtschaftsmeister. Im Dezember 2021 konnte ich diese Weiterbildung abschließen und arbeitete noch bis Anfang Februar 2022 im Forstamt Hanau als Forstwirt, bevor ich dann am 07. Februar meinen ersten Arbeitstag als Meister in Schlüchtern antrat.

Das Interesse am Wald wurde bei mir bereits im frühen Alter durch die Jagd und die damit anfallenden Arbeiten im Wald geweckt. Ich absolvierte diverse Schulpraktika welche immer etwas mit Forst und Wald zu tun hatten. 2016 löste ich meinen ersten Jagdschein und konnte somit auch auf der Arbeit zeitweise mein Hobby ausleben. Des Weiteren kam im Jahr 2017 ein Deutscher Wachtelhund ins Haus, den ich jagdlich einsetze und der mich täglich auf der Arbeit begleitet.

Mein Einsatzgebiet als Meister erstreckt sich über das Staatswaldrevier Salmünster sowie den Gemeindewald Bad Soden – Salmünster, Stadtwald Wächtersbach und den Gemeindewald Brachttal. In meinen ersten Monaten im Forstamt Schlüchtern, bin ich sehr freundlich empfangen worden und habe bereits viele nette Kolleginnen und Kollegen kennenlernen dürfen. Ich freue mich weiter auf eine gute Zusammenarbeit und die neuen Aufgaben die auf mich zukommen.

Unser Wald im Klimawandel

07.12.2021

Wer mit offenen Augen durch unseren Wald geht, kann seit einiger Zeit fast überall ungewöhnlich viele geschädigte oder abgestorbene Bäume erkennen.

Waldflächen liegen brach, die dürren Reste abgestorbener Kiefern ragen in den Himmel, und auch Baumarten wie Buche und Birke sind sichtbar beschädigt. „Die Folgen der Stürme und die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit der letzten 3 Jahre sind im Rhein-Main-Gebiet allgegenwärtig“, fasst Melvin Mika, Leiter des Forstamtes Langen die Chronologie jener Ursachen zusammen, die dem Wald so arg zusetzen. Die Schäden sind nicht mehr überschaubar. Mika geht davon aus, dass Jahre mit Wetter-Extremen künftig immer häufiger auftreten.

Foto: S. Neubrandt/ HessenForst

Traurige Ursache hierfür: Der Klimawandel lässt nicht nur in entfernten Regionen der Erde den Meeresspiegel ansteigen oder führt zur Ausbreitung von Wüsten – er zeigt sich mittlerweile auch vor unserer eigenen Haustür. Die trocken-heißen Sommer der letzten Jahre haben dem Wald deutschlandweit stark zugesetzt. Darüber hinaus konkurriert der Mensch mit dem Wald zunehmend um das Wasser im Boden. Vor allem im Ballungsraum ist der Wasserverbrauch so hoch, dass die Grundwasserspeicher stark strapaziert werden. Unsere heimischen Baumarten, über Jahrtausende an ein kühleres und feuchteres Klima angepasst, können mit der rapiden Temperaturzunahme und dem Wassermangel nicht Schritt halten.

Das veränderte Klima schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Schädlinge. Selbst unsere Wärme und Trockenheit ertragenden Kiefern und Eichen, denen für den Wald der Zukunft eine tragende Rolle zugedacht war, zeigen heute massive Krankheitssymptome. Es ist schwer vorauszusagen, welche Baumarten langfristig mit den geänderten Klimabedingungen zurechtkommen, denn diese Situation ist auch in der langen Tradition der Forstwirtschaft völlig neu.

Der Landesbetrieb HessenForst entwickelt nun Konzepte für die Wiederbewaldung der Schadflächen, denn hier sollen bald wieder Bäume wachsen. Allein 2020 wurden dafür fünf Millionen Bäume gepflanzt. „Wir setzen auf Risikostreuung. Wir wissen nicht genau, wie sich das Klima entwickeln wird, und welche Baumarten sich unter welchen Bedingungen tatsächlich als anpassungsfähig erweisen“, erläutert Mika.

Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Wald soll entstehen, der das Treibhausgas CO2 speichert, der Bevölkerung Raum zur Erholung bietet und auch in Zukunft hochwertiges Trinkwasser sowie den nachhaltigen Rohstoff Holz liefert. Um besser gerüstet zu sein soll auf den jeweiligen Schadflächen ein Mischwald mit mindestens drei unterschiedlichen klimastabilen Baumarten heranwachsen, von denen jede Art mindestens zehn Prozent Anteil am künftigen Waldbestand hat.

Die Ausgangssituation für die Wiederbewaldung ist ebenso vielfältig, wie der Wald von morgen sein wird. Für jede Fläche entscheiden die Forstleute individuell, welche Baumarten in Kombination von natürlicher Aussaat und aktiver Nachpflanzung am sichersten zu einem zukunftsfähigen Wald führen. Wo rund um kleinere Schadflächen Baumarten stehen, denen man im Klimawandel gute Chancen ausrechnet, lassen die Forstleute der Natur freien Lauf. Diese Bäume liefern das Saatgut für die nächste Waldgeneration.

Auf manchen der geschädigten Flächen hat sich hier und da bereits die neue Waldgeneration aus Birken und anderen Pionier-Baumarten eingefunden. An manchen Stellen tut sich die natürliche Verjüngung jedoch schwer. Hier hilft das Forstamt Langen nach und ergänzt den Wald der Zukunft mit Arten, die zum Standort der jeweiligen Fläche passen.

Foto: L. Postl/HessenForst – Mischbaumarten ergänzen die Naturverjüngung

Auf größeren Freiflächen entsteht der Wald von Morgen vor allem durch Pflanzung. Neben den bisherigen Hauptbaumarten Eiche, Buche und Kiefer sollen dabei vermehrt Baumarten wie Vogelkirsche, Esskastanie und Linde beim Aufbau klimarobuster Mischwälder helfen.

Vor den Forstleuten liegt eine Mammutaufgabe. All diese Flächen mit ihrem vielfältigen Jungwuchs müssen insbesondere in den frühen Jahren (kosten-) intensiv begleitet werden, sei es durch Schutz vor Wildverbiss, Zurückdrängen von Gräsern und Brombeerhecken, oder durch das Herauspflegen der zukunftsfähigen Baumarten.

Foto: I. Husermann/ HessenForstZäune schützen die Pflanzen vor dem Verbiss durch Wild

Viel ist schon gesagt und geschrieben worden über die existenzielle Bedeutung des Waldes, nicht nur für uns Menschen. In unserem Forstamt, das den gesamten Stadt- und Landkreis Offenbach betreut, profitieren ca. 500.000 Menschen vom Schutz des Waldes, oftmals, ohne dies wirklich wahrzunehmen. Ob der Wald auch in Zukunft in der Lage sein wird, uns zu schützen, das hängt vor allem von unserem eigenen Verhalten ab. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, seiner Verantwortung in Sachen Klimaschutz nachzukommen. Davon freimachen kann sich niemand.

Klimawandel und Wald

04.11.2021

Das Klima ist der prägende Faktor von Vegetationszonen und Pflanzengesellschaften. 

(Foto: J.Lampert) Der größte Schädling der Fichte, der Buchdrucker bei der Arbeit.

Die Klimaerwärmung und die Auswirkungen auf unsere Wälder sind wesentlich abhängig von der Höhe/Reduktion des CO2 -Ausstoßes und des dadurch verursachten Treibhauseffektes. Derzeitige Prognosen gehen von einer Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur um mind. 2oC bis 2050 aus, d.h. im Odenwald herrschen dann Temperaturen wie derzeit in der Oberrheinebene . Da mit dem Klimawandel auch die Sommernieder-schläge zurückgehen, führt dies zu extremem Trockenstress für die Bäume und insbesondere die Fichte. Geschwächte Bäume sind anfällig gegen Schadinsekten wie z.B. Borkenkäfer, wie die Trockenjahre 2019 und 2020 gezeigt haben.

(Foto: J.Lampert) Durch die Fraßtätigkeit des Buchdruckers abgestorbene Fichten
(Foto: J.Lampert) Von einem Sturm umgeworfene Fichten (zumeist Ausgangspunkt von Borkenkäferkalamitäten)

Auch werden Witterungs-extreme (Stürme, Starkregen) zunehmen, von denen wiederum Fichtenbestände am stärksten betroffen sind. Der Anteil des „Brotbaumes“ Fichte, der in einigen Forst-betrieben noch über 50% beträgt, wird künftig im Odenwald deutlich zurück-gehen. Selbst die „Klima-baumart“ Buche, die von Natur aus fast ganz Hessen bedecken würde, zeigt auf einigen trockeneren Standorten mittlerweile Absterbeerscheinungen.    

(Foto: J.Lampert) Frisch gepflanzter Bergahorn mit Trockenschäden aufgrund einer längeren Dürreperiode

Die Möglichkeiten der Forstwirtschaft als Reaktion auf den Klimawandel sind begrenzt und erstrecken sich insbesondere auf den Aufbau standortgerechter, möglichst vielfältiger, gemischter und stabiler Wälder im Rahmen einer naturnahen Bewirtschaftung. Die Zusammensetzung unserer Wälder wird sich dabei zugunsten besser angepasster Baumarten wie Eichen, Edellaubbäumen, Birken, Kiefern und Tannen, sowie trockenresistenteren „Fremdbaumarten“ wie z.B. Douglasien, Rot-eichen oder Esskastanien verschieben. Die Festlegung bei der Baumartenwahl/ Pflanzung erfolgt auf Basis einer prognostizierten Standortwasserbilanz und für mehrere Jahrzehnte. Durch lange Generationszeiträume sind Waldbäume genetisch nur bedingt anpassungsfähig an sich rasch ändernde Umweltbedingungen. Da der Wald vielfältige Funktionen (Wasserschutz, Produktion von Sauerstoff, Bindung von CO2) erfüllt und für die Menschheit existenziell ist, müssen alle möglichen Anstrengungen zur CO2-Reduktion bzw. Walderhaltung und zum Waldumbau ergriffen werden!

(Foto: J.Lampert) Die neue Waldgeneration ist bereits in den Startlöchern. Buchen-Naturverjüngung unter Fichten

Auf Entdeckungstour im Wald – Wunderland-Kinder mit Planwagen im Wald unterwegs

05.08.2021
Gastgeber F. von Meding und Revierleiterin T. Halfmann bei der morgendlichen Begrüßung an der Schlagmühle

Mit dem Planwagen ging es in den Wald, wo die Gastgeber und die Revierleiterin Tanja Halfmann die Kinder im Siebenmühlental in der Schlagmühle erwarteten. Vor Ort konnte Försterin Halfmann erstaunt feststellen, dass die Hintersteinauer Kids sich schon sattelfest in Sachen Bestimmung heimischer Pflanzenarten zeigten. Zum Beispiel bei dem Strauch Holunder. Hier hatten einige Kinder sofort erkannt um was es sich für eine Pflanze handelte. Passend dazu gab es als kleine Stärkung einen Holunderblütensirup und Brot mit Holunderblütengelee. Die Kinder strahlten und weiter ging es in den Wald.

Dort wurden zuvor einige Tierpräparate und Geweihe versteckt. Reh, Fuchs, Rothirsch und sogar ein echter Grasfrosch konnten spielerisch von den Mädchen und Jungen vor Ort entdeckt werden. Selbst die Kleinsten waren dabei und entdeckten Himbeeren, Pilze und Sauerklee. Nach der langen Wanderung querfeldein tat der wohlverdiente Abschluss in der Schlagmühle mit Wildbratwürstchen und Holundersaft richtig gut.

Das Team vom Forstamt Schlüchtern wünscht weiterhin viel Spaß im Steinauer Stadtwald

Der etwas andere Baum

23.04.2021

Sie ist mit ihren leuchtend roten Beeren als Schmuckreisig beliebt: Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist Baum des Jahres 2021.

Die Stechpalme kennen viele als Gartenstrauch oder als Weihnachtsdekoration. Sie ist jedoch auch ein seltener Waldbaum. Im Unterholz wird sie kaum höher als fünf Meter. Wächst sie im Freistand, zum Beispiel auf Waldweiden, kann sie bis zu 15 Meter hoch werden. „Ihr Nutzen für uns Förster ist eher ästhetischer Natur”, erklärt Florian Wilshusen, Forstamtsleiter im Forstamt Hofbieber. „Leider sind die klimatischen Voraussetzungen für das Vorkommen der Baumart in unserem Forstamt hier in der Rhön nicht gegeben- es ist einfach zu kalt.“ Ihr natürliches Verbreitungsareal erstreckt sich seit über zwei Millionen Jahren über ganz Europa. In Deutschland kommt sie vor allem im Nordwesten vor, in Hessen jedoch überwiegend im Süden. An den Standort stellt die Stechpalme geringe Ansprüche und kommt mit wenig Nährstoffen und viel Schatten aus. Sie bevorzugt milde, frostfreie Winter. Ihr Wärmebedürfnis und ihre Schattentoleranz machen die Stechpalme vielerorts zu einer Gewinnerin des Klimawandels.

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist Baum des Jahres 2021. (Foto: M. Sundermann, HessenForst)

Die Blätter der Stechpalme sind dunkelgrün und ledrig-glänzend. Im Bodenbereich sind sie spitz-gezackt, zum Schutz gegen Fraß. In höheren Bereichen sind die Blätter meist glattrandig. Alle wesentlichen Teile der Stechpalme sind für Menschen giftig. Die Stechpalme ist ein immergrüner Baum und eine Verwandte der Magnolien. Das grau-weißliche Holz der Stechpalme hat eine hohe Dichte, feine Fasern und ist recht zäh. Es lässt sich aber hervorragend beizen und ist außerdem gut für Furnier- und Drechselarbeiten geeignet. „Ilex bereichert die Wälder vor allem der südhessischen Forstämter als zusätzliche Art und ihre roten Beeren sind eine beliebte Vogelnahrung.

Für Rückfragen steht Ihnen das Forstamt Hofbieber gern zur Verfügung.

Internationaler Tag der Wälder am 21. März

21.03.2021

In den Wäldern der osthessischen Forstämter Burghaun, Hofbieber und Fulda hat der Klimawandel sichtbare und noch nicht sichtbare Spuren hinterlassen.

Besonders die bei uns in Hessen weit verbreitete Buche leidet unter dem Wassermangel. „Man sieht den Bäumen auf den ersten Blick nicht immer an, dass sie schon absterben“ so Florian Wilshusen, Forstamtsleiter vom Forstamt Hofbieber. Er ergänzt: „Wir schauen ganz genau hin. Manchmal sind die Kronen der Bäume noch grün, aber am Stamm platzt schon die Rinde ab. Das ist kein gutes Zeichen.“ Die große Hitze und Trockenheit der letzten Sommer ist an vielen Bäumen nicht spurlos vorbeigegangen. „Nicht nur die jungen Bäume mit ihren wenig verzweigten Wurzeln- auch alte, stattliche Buchen sind direkt vor unseren Augen verdurstet“, so Wilshusen. Den Forstleuten bleibt dann nur, die Bäume zu fällen. Blieben sie stehen, müssten Wege und zum Teil auch ganze Wälder für die Erholungssuchenden gesperrt werden, weil der Aufenthalt unter den absterbenden Bäumen einfach zu gefährlich wäre. Doch gerade jetzt zieht es viele Menschen in die Wälder, um einfach mal frische Luft zu schnappen und den Corona-Alltag hinter sich zu lassen.

„Jeder, der sich unter diesen absterbenden Bäumen aufhält, begibt sich in Gefahr“ so David Nöllenheidt, Forstamtsleiter vom Forstamt Fulda. „Das gilt sowohl für die Menschen, die bei uns im nahegelegenen Gieseler Forst Erholung suchen, aber auch für jene, die Tag für Tag im Wald arbeiten. Um unsere Wälder zu stärken, pflanzen wir heimische und angepasste Baumarten wie etwa Eichen und Tannen, die mit den veränderten Bedingungen und zukünftigen Herausforderungen besser zurechtkommen.“ Die Forstleute schauen sich jede Fläche einzeln an und entscheiden ob, wann, wieviel und vor allem was gepflanzt werden muss.

Forstwirte pflanzen den „Wald für Morgen“ (Foto: F. Reinbold)

„Stück für Stück ergibt sich dadurch ein buntes Mosaik an Baumarten die unseren Wald vielfältiger machen“, so Sebastian Keidel, Forstamtsleiter aus dem Forstamt Burghaun. „Jeder Standort ist einzigartig, ihm gerecht zu werden ist nicht immer einfach. Wo wenig wächst geben wir durch neue Pflanzungen eine Starthilfe. Wo bereits junge Bäume vorhanden sind, ergänzen wir sie um zusätzliche Arten. Wir erhöhen die Baumartenvielfalt und stärken damit den Wald von Morgen. Mit der Pflanzung legen wir jetzt den Grundstein für mindestens die nächste Waldgeneration und tragen zu einer nachhaltigen Erhaltung des Waldes bei. In 100 Jahren werden unsere Ur-Enkel unter den heute gepflanzten, jungen Bäumen stehen“, da sind sich alle drei Forstamtsleiter einig. Doch dass die Pflanzung klappt hängt nicht nur vom Regen der nächsten Wochen und der Vielfalt der Baumarten ab. Forstpflanzen sind gerade ein knappes Gut und im ganzen Land stark nachgefragt. Die Forstämter von HessenForst setzen bei Ihren Pflanzungen nur hochwertiges, zertifiziertes und zugelassenes Pflanzmaterial ein.

Ein neuer Baum für Osthessen (Foto: F. Wilshusen)

Am 21. März stehen der Wald und sein Erhalt weltweit im Fokus. Die osthessischen Forstämter laden Waldbesucher ein, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. „Machen Sie einen Spaziergang in unseren Wäldern und nehmen Sie sich eine Auszeit vom Alltagsstress! Wir freuen uns über das große Interesse am Wald und an unserer Arbeit und beantworten auch Ihre Fragen gern. Falls Sie dann im Wald eine Absperrung sehen, versuchen Sie bitte nicht, diese zu überqueren. Sobald das Betreten wieder sicher ist, geben wir die Wege natürlich schnellstmöglich für Sie frei! “