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Aktuelle Meldung vom 09.08.2018

Unser Wald ist ein Multitalent

„RiBeS 2018“ gibt den neuen Rahmen für die Bewirtschaftung des hessischen Staatswaldes vor


Umweltministerin Priska Hinz stellte am 1. August gemeinsam mit Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst, die überarbeitete Richtlinie für die Bewirtschaftung des hessischen Staatswaldes (RiBeS 2018) vor. Als neue Ziele wurden die Biodiversität und der Klimaschutz in die Richtlinie mit aufgenommen.
Erstmalig war der Novelle ein breiter Diskussionsprozess vorangegangen: Während des 1. Hessischen Staatswaldforums hatten verschiedenste Interessensgruppen – wie zum z. B. Vertreter der Sägewerke, des Naturschutzes und des Sports – ihre Wünsche an die Waldbewirtschaftung miteinander diskutiert. Ergebnis waren gemeinsam abgestimmte Empfehlungen für die Weiterentwicklung der RiBeS durch das Umweltministerium.

Fest verankert: die Sechs Hauptziele der RiBeS
Umweltministerin Hinz hat die Biodiversität als neues Ziel in die RiBeS mit aufnehmen lassen. Der Landesbetrieb HessenForst hat die Aufnahme dieses neuen Zieles befürwortet: Denn nur Wälder mit einer hohen Biodiversität – sowohl im Hinblick auf ihre Artenvielfalt, als auch im Hinblick auf die Vielfalt der Ökosysteme und die genetische Vielfalt – sind stabil. Insofern ist die Biodiversität für uns Forstleute sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht eine relevante Größe.

Auch der Klimaschutz ist ein neues Ziel der RiBeS, denn der hessische Wald spielt eine enorm wichtige Rolle für den Klimaschutz: Er speichert große Mengen an Kohlenstoff in der lebenden und toten Biomasse sowie im Boden. Holzprodukte aus den geernteten Bäumen sowie deren stoffliche und energetische Substitutionseffekte vergrößern darüber hinaus die Klimaschutzwirkung. Bei der Pflege des Waldes ist deshalb eine optimale Balance zwischen Zuwachs, Wertentwicklung, Vorratshöhe und Nutzung anzustreben. Darüber hinaus wurden auch der Boden-, der Gewässer-, der Immissions-, der Sicht- und der Lärmschutz mit aufgenommen.

Der hessische Staatswald ist, künftig noch mehr als bisher, ein wichtiger Rohstofflieferant – letztendlich für die Bevölkerung. Deshalb ist auch die Rohstofferzeugung als Hauptziel in der RiBeS zu finden. Jeder von uns benötig im Jahr durchschnittlich 1,3 m³ Holz. Die nadelholzbasierten Produkte spielen dabei eine bedeutende Rolle. Deshalb legt die RiBeS fest, dass der heutige Nadelholzanteil in Form von Mischwäldern erhalten werden soll.

„Erholungs- und kulturelle Wirkungen, BNE“: Der hessische Staatswald ist ein wichtiger Bildungs- und Erholungsort für die Bevölkerung. Insbesondere im Ballungsraum wird der Wald für verschiedenste Freizeitaktivitäten genutzt. Grundsätzlich heißen wir alle Erholungssuchenden im Staatswald herzlich willkommen – allerdings haben wir in der RiBeS festgeschrieben, dass im Konfliktfall Formen der stillen Erholung Vorrang haben. Waldpädagogische Veranstaltungen i.S. der BNE soll HessenForst auch künftig hessenweit anbieten.

Besonders im ländlichen Raum mit hohen Waldanteilen sind Arbeitsplätze im und durch den Wald sowie das daraus zu beziehende Einkommen von Bedeutung. Deshalb ist auch die Arbeit als Hauptziel der RiBeS verankert. Unter anderem zur Stärkung des ländlichen Raums soll dies auch künftig so bleiben.

Hauptziel „Nutzen für den Waldeigentümer“: Bereits im Hess. Waldgesetz ist verankert, dass die Bewirtschaftung des Staatswaldes dem Gemeinwohl in besonderem Maße dient (§18). Stabile positive Betriebsergebnisse leisten hierzu einen wertvollen Beitrag. Die neue RiBeS verpflichtet deshalb den Landesbetrieb, den Staatswald so zu bewirtschaften, dass – selbstverständlich unter Einhaltung der Nachhaltigkeit – ein möglichst hoher volkswirtschaftlicher Gesamtnutzen erzielt wird. Neben dem Erhalt des Waldvermögens gehören hierzu auch Überschüsse aus der Staatswaldbewirtschaftung.

Umsetzung in die Praxis
Der Landesbetrieb HessenForst beurteilt die neuen Vorgaben der RiBeS als gut umsetzbar. Eine echte Herausforderung ist für uns Forstleute jedoch die Erhaltung der Nadelbaumanteile. Die natürliche Verjüngung insbesondere der Buche ist in Hessen so intensiv, dass die wir Förster ganz bewusst die jungen Nadelbäume in den Jungwuchsmischungen fördern müssen. Andernfalls ist das Ziel nicht erreichbar.
Auch die Jagd ist weiterhin eine Herausforderung: Die aktuellen Wildbestände müssen wir an vielen Stellen des Landes weiter auf ein waldverträgliches Niveau anpassen. Andernfalls werden wir die neu gesetzten Ziele Biodiversität und Klimaschutz nicht erreichen können.

Hintergrundinformation:
Die RiBeS konkretisiert die gesetzlichen Vorgaben für den hessischen Staatswald. Sie gibt dem Landesbetrieb HessenForst einen Rahmen vor, in dem er die übertragene Bewirtschaftung des Staatswaldes ausführen kann. Die RiBeS ist damit nichts anderes als der Ausdruck des Willens des Waldeigentümers Land Hessen, wie er diese Aufgabe erfüllt sehen will.

RiBeS zum Download beim Hessischen Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
RiBeS 2018