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Pressemitteilung vom 20.07.2017

Im Sinne von Wald und Gesellschaft

Umweltministerin Priska Hinz und der Leiter von Hessen-Forst, Michael Gerst, besuchen Forstamt Jossgrund. Die Forstbetriebsplanung für die nächsten zehn Jahre ist genehmigt.

Laub-Nadelholzmischwald mit Verjüngung„Die Forstbetriebsplanung hat die herausfordernde Aufgabe, alle Funktionen des Waldes aufeinander abzustimmen und eine angemessene Balance zwischen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlich-kulturellen Zielen zu erreichen. Denn der Wald ist nicht nur Rohstofflieferant, er ist auch ein wichtiger Erholungsraum. Zugleich leistet er wichtige Beiträge zum Klimaschutz“, sagte Umweltministerin Hinz heute anlässlich eines Waldspaziergangs im Forstamt Jossgrund. Gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern ließ sie sich im Rahmen ihrer diesjährigen Sommertour zudem die Zehnjahres-Planung von den Forstexperten erläutern. Im Mittelpunkt stand die abschließende Unterzeichnung des neuen Betriebswerkes für die Bewirtschaftung des 17.100 Hektar großen Staatswaldes in diesem Forstamt.

Die Forstbetriebsplanung (früher „Forsteinrichtung“ genannt) erläutert auf Basis einer „Waldinventur“ für einen Zeitraum von zehn Jahren die Waldpflege und -bewirtschaftung: Für jeden Waldbestand gibt es konkrete Aussagen zur vorgesehenen Holzerntemenge, Verjüngung, Baumartenmischung sowie zu Aspekten des Naturschutzes und der Erholung. Den Praktikern im Wald dient die Forstbetriebsplanung als Arbeitshilfe und Entscheidungsgrundlage. Das in den vergangenen 300 Jahren immer weiterentwickelte Erfolgsmodell nachhaltige Forstwirtschaft beruht auf konsequentem wissenschafts- und erfahrungsbasiertem Handeln auf der Grundlage solcher Forstlichen Betriebspläne.

Forstbetriebsplanung: Umfangreicher Prozess
Die Forstbetriebsplanung ist eingebettet in Vorgaben des Wald- und Naturschutzrechts und auch anderer Umweltgesetze. Im Falle des Waldes des Landes Hessen kommt noch die Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswalds hinzu, welche das Umweltministerium vorgibt und die in der Planung berücksichtigt werden. In diesem Prozess wurden in der Vergangenheit bereits Interessengruppen einbezogen. „Diese Beteiligung noch auszubauen und transparenter zu machen, ist ein wichtiges Anliegen, um die gegenseitigen Ansprüche und Wünsche kennen und respektieren zu lernen“, betonte die Umweltministerin. „Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald haben sich in den letzten Jahren geändert“, erläuterte hierzu der Leiter des Landesbetriebs Hessen-Forst, Michael Gerst. Das Interesse der Bevölkerung an der Waldpflege sei intensiver geworden.

Waldforum ist Plattform für Austausch und Information
Um die Vorschläge verschiedener Interessensgruppen erfahren und diskutieren zu können, hat Hessen-Forst deshalb im Juni 2014 zum Auftakt der Forstbetriebsplanung ein erstes Waldforum im Forstamt Jossgrund organisiert. Die Hinweise von insgesamt 17 Vertretern wurden im Rahmen dieses Forums für die Forstbetriebsplanung nicht nur aufgenommen, sondern auch im Internet veröffentlicht. „Auch beim zweiten Waldforum zur Forsteinrichtung im Forstamt Jossgrund sowie bei der Kernflächenauswahl konnten wir erfreulicherweise eine umfangreiche Beteiligung verzeichnen“, ergänzte die Ministerin. Auch wenn nicht jede Anregung aufgenommen werden kann ist die inhaltliche Bewertung und Abwägung der Eingaben wichtig.

„Mit dem Austausch wurden sehr positive Erfahrungen gemacht“, betonte Hinz. Im Juni hat das Ministerium deshalb festgelegt, dass bei zukünftigen Forstbetriebsplanungen die Naturschutzvereinigungen und andere Verbände noch enger eingebunden werden und in einer früheren Phase Stellung nehmen können. Darüber hinaus wird Hessen-Forst im September in Weilburg ein „Hessisches Staatswaldforum“ ausrichten, das vor allem die Aktualisierung der Richtlinien zur Bewirtschaftung des Staatswaldes behandeln wird.

Besonderheiten der neue Forstbetriebsplanung Jossgrund
Nach der Inventur- und Planungsphase steht nun fest, wie die Waldpflege und -be-wirtschaftung im Staatswald künftig umgesetzt werden soll. „Das nunmehr vorliegende Planwerk berücksichtigt alle Inhalte und Facetten der naturnahen Forstwirtschaft unter Berücksichtigung des FSC-Standards“, freute sich Hinz bei der Unterzeichnung des Betriebswerkes. Folgende Aspekte spielen dabei im Staatswald Jossgrund eine besondere Rolle:

  • Planung der Holzernte im Fichtenaltholz sowie verbunden damit die Verjüngung von Nadelbäumen,
  • Planung der Holzernte im Buchen-Eichen-Altholz sowie verbunden damit die Verjüngung mit Laub- und Nadelbäumen,
  • Berücksichtigung besonderer Naturschutzaspekte gemäß der Naturschutzleitlinie von Hessen-Forst
  • und ein weiter forciertes Wildtiermanagement.

Kernflächen leisten Beitrag zur Biodiversität
In der neuen Forsteinrichtungsperiode sind auch rund 372 Hektar Kernflächen festgelegt. In diesen Flächen unterbleibt die Ernte von Holz, und die Bestände entwickeln sich unbeeinflusst nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten. Damit leistet auch der Staatswald in Jossgrund einen Beitrag zur Erfüllung der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung, die sich das Ziel gesetzt hat, deutschlandweit fünf Prozent der Wälder einer solchen Entwicklung zu widmen.

Wildbestandsregulierung zu forcieren
Der hohe Anteil von Beständen mit alten Rotwildschälschäden im Staatswald des Forstamts Jossgrund zeigt, dass in der Vergangenheit die Wildbestände nicht immer angepasst wurden. „Gerade weil der Staatswald im Forstamt Jossgrund ökologisch und ökonomisch so wichtig ist, ist es eine zwingende Voraussetzung, den Abschuss konsequent daran auszurichten, neue Schälschäden zu verhindern. Ich erwarte, dass dies auch kurzfristig gelingt. Die Ergebnisse der letzten Jahre mit den vereinbarten Steigerungen des Abschusses zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, der weiter fortgeführt werden muss“, sagte Ministerin Hinz.

Abschließend verwies Ministerin Hinz auf die positive Waldentwicklung in den vergangenen Jahren im Forstamt Jossgrund: Beispielhaft nannte sie die Zunahme von Strukturvielfalt sowie des Laubbaumanteils, die weiterhin hohe Waldstabilität, den guten Pflegezustand und die durch kontinuierliche Nutzung verbesserte Waldsubstanz. „Ich wünsche mir, dass sich mit der Unterzeichnung des Forsteinrichtungswerkes diese positive Waldentwicklung fortsetzt.“