Aufwendige Ernte. Die Lindensamen mit Blättern werden zunächst auf Netzen gesammelt. V.l.n.r. Luca Bleher, Jez Davies und Ralph Spehle vom Baumkletterteam.

Ungewöhnlicher Einsatz im Reinhardswald

HessenForst lässt Winterlindenplantage im Reinhardswald beernten

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Ein ungewöhnlicher Einsatz fand Anfang November im Reinhardswald statt.

Bei ungemütlichem Wetter zupfen drei Zapfenpflücker von einem Baumkletterteam aus Baden-Württemberg winzige Samen von den Zweigen eines Lindenwaldes. Genaugenommen handelt es sich um die Baumart der Winterlinde. Diese ist hier zu einer Plantage, bestehend aus ca. 100 Bäumen im Forstrevier Waldhaus des Forstamtes Reinhardshagen, angelegt.

Dem hessischen Wald geht es nicht gut, wie der aktuelle Waldzustandsbericht aufzeigt. Es sind große Anstrengungen erforderlich um von den Klimaveränderungen bedrohte Waldbestände zu erhalten und abgestorbene Waldbestände mit klimaresilienten Baumbeständen wieder aufzuforsten. Die Nachfrage nach jungen Waldbäumen zur Wiederaufforstung ist derzeit groß. Mit dieser Beerntung soll qualitativ hochwertiges Winterlinden-Saatgut für neue Waldgenerationen gewonnen werden.

Bei den Winterlinden in der Plantage handelt es sich um ausgewählte Bäume aus dem Herkunftsgebiet „Westdeutsches Bergland“. Das Herkunftsgebiet erstreckt sich von südlich von Hannover über ganz Hessen bis ins Saarland.

Die aus den Samen in einer Baumschule gezogenen Lindenpflanzen sind standörtlich und klimatisch an dieses Herkunftsgebiet angepasst und sollen in diesem auch verwendet werden sollen.

Die Plantagenbäume sind dazu in einem extra großen Abstand zu einander gepflanzt. Dadurch erhält der einzelne Baum viel Sonnenlicht, um eine große Krone zu entwickeln.

Um die Beerntung zu erleichtern sind die Bäume so durch Stutzung der Baumkrone geformt, dass der Kronenansatz schon ca. 2,0 Meter über dem Boden beginnt.

Die Arbeit der drei Männer ist mühselig. Die kleinen etwas größer als Stecknadelköpfe aussehenden grauen Fruchtkapseln werden zusammen mit den noch an den Ästen sitzenden Blättern abgestreift.

Das gesammelte Material wird in die HessenForst eigene Samendarre bei Hanau-Wolfgang gebracht und dort gereinigt. Dabei werden die Blätter und sonstiges Biomaterial von den Samenkapseln getrennt. Aus dem in den drei Tagen in mehreren Säcken gesammelten 296 kg Material werden am Ende knapp 60 kg reines Saatgut entstehen.

In einer Baumschule ausgesät sollen aus Ihnen junge Bäumchen erwachsen, die dann später zur Wiederaufforstung verwendet werden.

Aus einem Kilogramm Lindensamen können rd. 25.000 neuen Lindenbäumchen gezogen werden.

Warum dieser Aufwand?

Die Ausgangslage ist mehr als klar. Der Wald leidet unter den klimatischen Veränderungen, von kränkelnden Bäumen bis hin zum flächigen Absterben.

Um dem entgegenzuwirken, braucht es zunehmend mehr klimaresiliente Baumarten im Wald. Die Baumart Linde gehört zu den wärmeliebenden Baumarten, die auch mit wenig Niederschlag auskommt. Sie kommt damit als eine Baumart in klimaangepassten Waldbeständen in Betracht.

Das Forstamt Reinhardshagen hat bereits Winterlinden als Mischbaumart in den Randlagen des Reinhardswaldes verwendet.

Hintergrund:

Die Winterlinde gehört mit der Sommerlinde zu dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegenden Baumarten.

Das Gesetz regelt das in Verkehr bringen und die ordnungsgemäße Verwendung der in Deutschland forstlich verwendeten Waldbäume. Das heißt, es dürfen nur Waldbäume künstlich angebaut werden, die einen Herkunftsnachweis haben und für die forstliche Verwendung ausgewählt wurden. 

Daher wurde auch über die gesammelte Samenmenge ein sogenanntes Zertifikat vom Forstamt ausgestellt und der Lieferung beigefügt.

Winzige Fruchtkapseln in einer Handvoll Laubmasse

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